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Weltwirtschaftsforum Davos: Deutscher Mittelstand dabei

Fünf Tage und 2.500 Teilnehmer: Das 56. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums im Januar in Davos erzeugte auch dieses Jahr wieder viel Aufmerksamkeit. Worum ging es? Wer war dabei? Und was ist das Weltwirtschaftsforum eigentlich?

Grönland: Auf den ersten Blick könnte man meinen, das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar habe vor allem ein Thema gehabt – und einen Hauptredner. In Wirklichkeit ging es den rund 2.500 Teilnehmenden aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft natürlich um viel mehr.

Das Weltwirtschaftsforum in der Schweizer Gemeinde Davos ist ein jährlich stattfindendes Treffen und gilt als eine der bedeutendsten Plattformen für den Austausch zwischen Politik und Wirtschaft. Dementsprechend reisen zahlreiche Politiker aus aller Welt an – dieses Mal allein über 60 Staatschefs und viele Minister –, vor allem jedoch Vertreter aus der Wirtschaft. Maßgeblich finanziert wird das Forum von sogenannten strategischen Partnern – in der Regel große Unternehmen, die für ihre Mitgliedschaft im Weltwirtschaftsforum jährlich fünf- bis sechsstellige Beträge zahlen. Damit sichern sie sich auch Plätze auf den Podien der verschiedenen Diskussionsveranstaltungen sowie Einfluss auf deren Inhalte. Trotz aller Politik ist und bleibt Davos deshalb „in erster Linie ohnehin ein Treffpunkt für Wirtschaftsvertreter; die einmalige Netzwerkfunktion des Treffens, die sich die Wirtschaft viel Geld kosten lässt, garantiert die dauerhafte Existenz des Weltwirtschaftsforums“, war im Januar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen.

Zu den Teilnehmern zählen seit einigen Jahren zudem Repräsentanten von NGOs und anderen zivilgesellschaftlichen Institutionen, zudem berichten Hunderte von Journalisten über die Veranstaltungen und alles, was sonst noch in den fünf Konferenztagen geschieht.

Viel Politik – und viel Wirtschaft

Das Motto des Weltwirtschaftsforums 2026, das vom 19. bis 23. Januar stattfand, lautete: „Ein Geist des Dialogs“. Natürlich ging es um die aktuellen weltpolitischen Ereignisse – etwa die Grönland-Diskussion, den militärischen Angriff der USA in Venezuela oder den anhaltenden Ukraine-Krieg und mögliche Wege zum Frieden. Doch darüber hinaus standen zahlreiche wirtschaftliche Themen auf der Tagesordnung, etwa die Erschließung neuer Wachstumsquellen für die globale Wirtschaft, bessere Investitionen in Qualifizierung und Weiterbildung, der verantwortungsvolle Einsatz von Innovationen wie Künstlicher Intelligenz im großen Maßstab sowie die Schaffung von Wohlstand innerhalb planetarer Grenzen.

Nun könnte man meinen, ein Treffen von Staatschefs und Weltkonzernen sei weit weg von der Realität eines mittelständischen Unternehmens in Deutschland. Die Süddeutsche Zeitung sprach von einem „elitären Treffen“ und davon, das Treffen sei sehr viel politischer gewesen als in den vergangenen Jahren. „Davos 2026, das war ein Moment, in dem vielen klar wurde, dass eine neue Weltordnung entsteht. Eine Ordnung, die geprägt wird von Geopolitik und Geoökonomie“, kommentierte die SZ.

Diese neue Ordnung hat allerdings Auswirkungen auf die einzelnen Volkswirtschaften – ziemlich direkte sogar. Deshalb war auch die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, in Davos dabei. Sie nutzte das Forum, „um sich mit wichtigen Partnern in verschiedenen Formaten über strukturelle globale Herausforderungen auszutauschen und gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren. Zugleich möchte sie Deutschland als zukunftsfähigen und verlässlichen Standort für Investitionen positionieren“, teilte das Bundeswirtschaftsministerium im Januar mit.

In Davos stellte die Ministerin einen direkten Zusammenhang zwischen der globalen Entwicklung und der Wirtschaft auch in Deutschland her: „Die internationale Ordnung steht unter erheblichem Druck. Machtpolitik und geopolitische Konflikte erhöhen Unsicherheit und belasten Investitionen, Innovationen und Wachstum.“ Europa sei jedoch stark, und diese Stärke könne es nutzen. „Wir haben einen Markt mit 450 Millionen europäischen Konsumenten, 26 Millionen Unternehmen und einem EU-BIP von 18 Billionen Euro. Die globalen Entwicklungen können wir hier in Davos zwar nicht umkehren, aber wir können ein Zeichen setzen für die Verteidigung offener Märkte und verlässlicher Regeln.“

Wachstum ermöglichen

Zudem führte sie Gespräche mit zahlreichen Amtskollegen, darunter der kanadischen Industrieministerin und dem saudi-arabischen Wirtschaftsminister. Und sie lud zu einer Informationsveranstaltung zu Investitionsmöglichkeiten in Deutschland ein. Auch in Diskussionsforen trat sie auf. Dabei ging es beispielsweise darum, welche Schritte erforderlich sind, um die Grundlagen für die aktuelle digitale Transformation zu stärken oder neu aufzubauen und gleichzeitig ein langfristiges, resilientes sowie breitenwirksames Wachstum zu ermöglichen.

Angesichts der jüngsten Zoll-Drohungen von US-Präsident Trump lenkte die Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Helena Melnikov, den Blick auf dringend notwendige Kooperation: „Statt neue Handelshürden aufzubauen, sollten sich die wichtigsten Volkswirtschaften auf mehr Zusammenarbeit einigen“, erklärte sie anlässlich des Weltwirtschaftsforums. Dafür brauche es dringend eine Koalition der EU mit relevanten Partnern in Asien, Lateinamerika und Afrika, die sich gemeinsam gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen stellt. „Unter den neuen Vorzeichen sollte sich die Bundesregierung noch stärker dafür einsetzen, strategische Abhängigkeiten abzubauen und wirtschaftlich resilienter zu werden“, sagte Melnikov.

Quellen:
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/574556/weltwirtschaftsforum-in-davos/
https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/01/20260121-bundeswirtschaftsministerin-reiche-reist-zu-weltwirtschaftsforum-nach-davos.html
https://www.dihk.de/de/newsroom/-wir-haben-ein-standortproblem-zu-hause--163002
https://www.faz.net/aktuell/wef-2026-was-das-weltwirtschaftsforum-in-davos-so-spannend-macht-accg-110820176.html
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/davos-wef-2026-erkenntnisse-weltwirtschaftsforum-li.3369191