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Gewinne sprudeln nicht mehr so kräftig

Zum Ende eines jeden Jahres veröffentlicht die Deutsche Bundesbank einen Bericht zur Ertragslage und den Finanzierungsverhältnissen deutscher Unternehmen. Der Nachteil des Berichts: Die Angaben beziehen sich auf das Vorjahr, so dass bei der Präsentation im Dezember 2019 nur die Zahlen aus dem Jahr 2018 zur Verfügung standen. Dennoch ist diese Analyse wertvoll, weil die Bundesbank über Einreichungen der Geschäftsbanken Bilanzmaterial in größtem Umfang zur Verfügung hat.

Bereits im Jahr 2018 war eine konjunkturelle Dämpfung erkennbar. Das reale Bruttoinlandsprodukt lag zwar noch bei einem Plus von 1,5 Prozent, weil die Exporte nur noch verhalten zunahmen, insgesamt aber förderte die weiterhin stabile Inlandsnachfrage die Auslastung der Kapazitäten und Umsätze auf einem weiterhin hohen Niveau.

Pensionen im Niedrigzinsumfeld

Verantwortlich für den Rückgang beim EBIT war aber weniger die Konjunktur als ein erhöhter Kostendruck, etwa durch Lohnkostenerhöhungen oder auch durch Pensionsrückstellungen. Diese führten insgesamt dazu, dass der Vorsteuergewinn auf 4,2 Prozent des Umsatzes sank. Allerdings liegt dieser Wert immer noch höher als die Gewinnmarge der Jahre 2011 bis 2015.

Viele Jahre lang war die Rede von der „Eigenkapitallücke im Mittelstand“. Die Creditreform Wirtschaftsforschung konnte nachweisen, dass diese Lücke mehr und mehr verschwand. Und auch die Bundesbank hält, über alle Unternehmen hinweg, fest, dass seit Ende der Neunzigerjahre die Eigenkapitalquote deutlich gestiegen ist. Mittlerweile hat sie sich auf einem erhöhten Niveau eingependelt. Vor allem im Vergleich mit anderen Ländern weisen deutsche Unternehmen einen geringen Verschuldungsgrad auf – gleichzeitig stellt die Bundesbank gewisse „Sättigungstendenzen bei der Eigenkapitalausstattung“ fest.

Bedeutung von Lieferantenkredit gestiegen

Mehr und mehr wird die Eigenkapitalquote durch das Niedrigzinsumfeld berührt. Die bereits erwähnten Aufstockungen der Pensionsrückstellungen, die im Übrigen auch durch die höhere Lebenserwartung der aktiven und ehemaligen Betriebsangehörigen nötig wird, drückt die Zufuhr beim Eigenkapital.

Aber nicht nur die Eigenmittel, auch die Fremdmittel verzeichneten einen deutlichen Zuwachs. Insbesondere die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen und diejenigen aus Lieferung und Leistung stiegen deutlich an. So lagen die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei 38,7 Prozent der Bilanzsumme, kurzfristige Forderungen bei 28,5 Prozent. Bei der kurzen Laufzeit spielen auch Verbindlichkeiten gegenüber den Kreditinstituten eine Rolle – die Bundesbank vermutet, dass die Zwischenfinanzierung des Beteiligungserwerbs hier deutlich ausgeweitet wurde. Eine besondere Situation stellt der Boom im Bausektor da: Die merkliche Zunahme bei den erhaltenen Anzahlungen war allerdings im Einklang mit den hohen Vorräten dieser Branche zu sehen. Übrigens ist die Bedeutung von Anleihen für die Finanzierung nicht mehr so ausgeprägt wie in vielen Vorjahren.

Der Rückblick auf das Jahr 2019 lässt erwarten – auch wenn die Zahlen dazu noch nicht vorliegen –, dass im Hinblick auf weitere Pensionsrückstellungen im Zeichen geringer Zinsen sowie der steigenden Personalkosten die Erträge für deutsche Unternehmen belastet werden. Wenn dann noch, wie etwa für die Autoindustrie, negative Faktoren aus dem wirtschaftspolitisch geprägten Umfeld hinzukommen, wird es für die Gewinnsituation schwierig.

Quelle: Deutsche Bundesbank (u. a.)