Firmeninsolvenzen in Bremen weiter steigend
Deutlicher Anstieg im Jahr 2026 – Dienstleister und Bauwirtschaft besonders betroffen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Bundesland Bremen ist in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 deutlich gestiegen. Von Januar bis Mai wurden insgesamt 149 Firmeninsolvenzen registriert. Das sind 38 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
In der Stadt Bremen wurden 119 Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgewiesen, in Bremerhaven weitere 30 Fälle. Damit zeichnet sich bereits zur Jahresmitte ab, dass das Insolvenzgeschehen im Land Bremen auch 2026 auf hohem Niveau bleiben wird.
Firmeninsolvenzen in Bremen (Halbjahreswerte)
| 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
Bremen | 94 | 106 | 75 | 73 | 131 | 108 | 106 | 119 |
Bremerhaven | 22 | 15 | 10 | 21 | 27 | 26 | 21 | 30 |
Gesamt | 116 | 121 | 85 | 94 | 158 | 134 | 127 | 149* |
* Jan. bis Mai
Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession sind viele Unternehmen finanziell geschwächt. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Öl- und Energiepreisschock hat die Situation zusätzlich verschärft. „Die wirtschaftliche Krise der vergangenen Jahre hinterlässt immer tiefere Spuren in der Unternehmenslandschaft“, erklärt Dr. Peter Dahlke von Creditreform Bremen. „Viele Betriebe haben ihre finanziellen Reserven aufgebraucht. Gleichzeitig belasten hohe Personal- und Energiekosten, schwache Nachfrage, langwierige Genehmigungsverfahren und eine zunehmende Regulierungsdichte die Unternehmen.“
Die Entwicklung in Bremen entspricht damit dem bundesweiten Trend. Nach Angaben der Creditreform Wirtschaftsforschung stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 auf rund 12.900 Fälle und erreichte damit den höchsten Stand seit 2013. Auch bundesweit ist keine Trendwende in Sicht.
Auch im Baugewerbe zeigt sich mit 26 Fällen ein deutlicher Anstieg. „Das Baugewerbe bleibt ein Sorgenkind: Belastend wirken hohe Finanzierungskosten, umfangreiche Bauvorschriften sowie verteuerte Materialien infolge des Iran-Konflikts und der Blockade der Straße von Hormus. Die ohnehin schwache Nachfrage im Wohnungsbau wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass viele Auftraggeber ihre Investitionsentscheidungen verschieben oder ganz zurückziehen“, so Dahlke.
Vergleichsweise robust zeigt sich weiterhin der Handel. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen blieb hier mit 20 Fällen seit Jahresbeginn auf einem moderaten Niveau. Dies deutet darauf hin, dass sich viele Handelsunternehmen in den vergangenen Jahren erfolgreich an veränderte Marktbedingungen angepasst haben. „Die Entwicklung im Handel zeigt, dass sich Investitionen in Digitalisierung, Kundenbindung und effiziente Prozesse auszahlen können“, so Dahlke. „Trotz eines anspruchsvollen Marktumfeldes gelingt es vielen Unternehmen, ihre Marktposition erfolgreich zu behaupten.“
Ein branchenübergreifender Belastungsfaktor bleibt die Bürokratie. Zwar wurden einzelne Regelungen wie das Lieferkettengesetz zuletzt entschärft, dennoch sehen sich viele Unternehmen weiterhin mit umfangreichen Dokumentations-, Nachweis- und Berichtspflichten konfrontiert. Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe verfügen häufig nicht über die personellen Ressourcen, um diese zusätzlichen Anforderungen ohne wirtschaftliche Nachteile zu bewältigen.
Ausblick
„Die steigenden Insolvenzzahlen sind Ausdruck einer tiefgreifenden strukturellen Krise“, sagt Dahlke. „Ohne eine spürbare wirtschaftliche Belebung und bessere politische Rahmenbedingungen ist auch im weiteren Jahresverlauf nicht mit einer nachhaltigen Entspannung zu rechnen.“


