Definition, Prüfung & Erklärung

Kreditwürdigkeit

Sie möchten einen Kredit beantragen und fragen sich, wovon die Konditionen der Bank abhängen? Warum die Kreditwürdigkeit entscheidend ist, wenn es darum geht, finanzielle Unterstützung zu erhalten.

7 Min. Lesezeit

Was bedeutet Kreditwürdigkeit?

Unter dem Begriff Kreditwürdigkeit versteht man die Fähigkeit und Bereitschaft eines Unternehmens oder einer Person, finanzielle Verpflichtungen zuverlässig und pünktlich zu erfüllen. Demnach bezieht sich die Kreditwürdigkeit nicht nur auf die Rückzahlungsfähigkeit von Krediten, die Banken oder Finanzinstitute vergeben. Sie umfasst auch Zahlungen, die sich aus Geschäftsbeziehungen zwischen Kunde und Verkäufer ergeben. Die allgemeine Zuverlässigkeit und das Zahlungsverhalten des Schuldners gegenüber dem Gläubiger sind dabei entscheidend. Die Kreditwürdigkeit wird synonym mit dem Begriff Bonität verwendet. Sie lässt sich mithilfe von Kreditwürdigkeitsprüfungen (Bonitätsprüfungen) bewerten. Eine hohe Kreditwürdigkeit signalisiert Vertrauen und reduziert das Risiko für Kreditgeber. Gesetzlich geregelt wird sie durch die §§ 505a ff. BGB1. Demnach sind Banken vor Kreditvergabe zu einer detaillierten Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit verpflichtet mit dem Ziel, Unternehmen und Personen vor Überschuldung zu schützen. 

Weitere Begriffe in diesem Zusammenhang:

  • Kreditfähigkeit: Kreditfähig ist ein Unternehmen, das beispielsweise eine solide Bilanz aufweist, oder eine Privatperson mit einem regelmäßigen Einkommen.
  • Persönliche Kreditwürdigkeit: Hierunter versteht man die Zuverlässigkeit einer Person, ihre finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Einflussfaktor ist beispielsweise die persönliche finanzielle Stabilität.
  • Materielle Kreditwürdigkeit: Immobilien, Kapital oder andere Vermögenswerte sind Sicherheiten, die ein Kreditnehmer vorweisen kann, um seine Kreditfähigkeit zu belegen.

Wie wird die Kreditwürdigkeit geprüft?

Die Kreditwürdigkeitsprüfung ist ein standardisierter Prozess, der von Banken und Unternehmen zur Absicherung durchgeführt wird. Diese möchten ihre Kunden oder Geschäftspartner besser einschätzen, um beurteilen zu können, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen werden.

Doch woher erhalten Banken oder Unternehmen diese Informationen über ihre Kunden? 

Die Kreditwürdigkeit wird anhand verschiedener Faktoren geprüft, um ein umfassendes Bild von der finanziellen Situation eines Unternehmens oder einer Privatperson zu erhalten.

Bei Unternehmen fließen folgende Kennzahlen in die Bewertung ein:Bei Privatpersonen werden folgende Kennzahlen berücksichtigt:
  • Umsatz und Auftragslage
  • Vermögen und Eigenkapital
  • Zahlungsweise und Jahresabschlussdaten
  • Branchen- und Regionenrisiko
  • Rechtsform, Unternehmensalter und -entwicklung
  • Erfahrung des Managements
  • Anzahl der Mitarbeiter
  • Relation Umsatz / Mitarbeiter
  • Relation Kapital / Umsatz
  • Einnahmen und Ausgaben: Ein regelmäßiges Einkommen und überschaubare Ausgaben sind essenziell.
  • Sicherheiten: Materielle Vermögenswerte wie Immobilien oder Wertpapiere spielen eine große Rolle.
  • Zahlungsverhalten: Pünktliche Zahlungen sind entscheidend.

 

Die entsprechenden Daten selbst zu recherchieren, ist extrem aufwendig. Deshalb gibt es Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform, die diese Informationen sorgfältig recherchieren, sammeln und aufbereiten. Der Vorteil ist: Eine Wirtschaftsauskunftei verfügt neben öffentlich zugänglichen Daten – beispielsweise aus dem Handels- und Schuldnerregister – auch über weitere exklusive Daten, wie etwa Zahlungsverzugsmeldungen, Informationen über Kreditanfragen sowie von Inkassounternehmen. Diese werden in Form von Bonitätsauskünften aufbereitet und können kostenpflichtig abgerufen werden. 

Muster einer Creditreform Wirtschaftsauskunft herunterladen:

Muster einer Creditreform CONSUMER Auskunft herunterladen:

Der Bonitätsindex von Creditreform basiert auf einem komplexen, mathematisch-statistischen Verfahren, bei dem sämtliche Faktoren berücksichtigt werden und in einer Kennzahl, nämlich der Ausfallwahrscheinlichkeit, dargestellt werden. Je niedriger der Bonitätsindex, desto geringer die Ausfallwahrscheinlichkeit und desto besser die Kreditwürdigkeit. Wer Mitglied bei Creditreform ist, kann Auskünfte zu Unternehmen und Privatpersonen online mit wenigen Klicks über das Kundenportal Meine Creditreform abrufen. Dabei gibt es mehrere Auskunftsvarianten, die sich in ihrem Detailgrad unterscheiden – je nach Geschäftsrisiko

Die Voraussetzungen: Wer darf prüfen?

Banken oder Unternehmen können die Kreditwürdigkeit eines Kreditnehmers oder Geschäftspartners in Erfahrung bringen, sofern sie ein berechtigtes Interesse haben. Ein berechtigtes Interesse ist die rechtliche Grundlage, dass Unternehmen Daten bei Auskunfteien abrufen dürfen. § 31 BDSG (Schutz des Wirtschaftsverkehrs)2 regelt spezifisch das Scoring und die Übermittlung von Daten durch Auskunfteien. Es erlaubt zudem die Nutzung von Wahrscheinlichkeitswerten (Scores).

Kreditentscheidung: Eine Bank prüft die Kreditwürdigkeit, wenn sich ein Unternehmen oder eine Privatperson um einen Kredit bemüht. So zum Beispiel, wenn

  • ein Unternehmen bei der Bank nach einem Kredit für eine teure Maschine fragt.
  • eine Privatperson bei ihrer Hausbank einen Kredit für eine Eigentumswohnung anfragt.

 

Geschäftsanbahnung: Ein Unternehmen darf die Kreditwürdigkeit von Firmen und Privatpersonen im Rahmen einer Geschäftsbeziehung prüfen.

  • Ein Unternehmen verkauft seine Ware sowohl an Unternehmen als auch an Privatpersonen und bietet dabei den Kauf auf Rechnung an. Hierbei erfolgt die Erbringung der Leistung vor der Zahlung. Das Unternehmen gewährt seinen Kunden damit einen sogenannten Lieferantenkredit.

 

Bestehende Geschäftsbeziehung: Die finanzielle Situation eines Unternehmens oder einer Privatperson kann sich schnell ändern. Deshalb ist es sinnvoll, die Kreditwürdigkeit auch in langjährigen Geschäftsbeziehungen stets im Blick zu behalten.

  • Ein Unternehmen verkauft Ware an ein seinen langjährigen Geschäftspartner. Da die Zahlung bei der letzten Bestellung nicht fristgerecht war, ruft das Unternehmen vor der Warenauslieferung eine Bonitätsauskunft ab und kann auf dieser Basis die Zahlungskonditionen anpassen.

 

(Überfällige) Forderung: Wenn eine Zahlung ausbleibt, hat ein Unternehmen ebenfalls ein berechtigtes Interesse, die Kreditwürdigkeit der Firma oder der Privatperson prüfen.

  • Der Kunde zahlt nicht, obwohl die Rechnung bereits fällig ist. Um herauszufinden, wie es um die Kreditwürdigkeit des Kunden steht, prüft das Unternehmen die Bonität des Kunden.

Ablauf der Kreditwürdigkeitsprüfung

Beispiel: Die Bank hat eine Kreditanfrage eines Unternehmens erhalten, das einen Kredit für den Bau einer neuen Maschinenhalle beantragen möchte.

  1. Sofern noch nicht hinterlegt, erfasst die Bank die wichtigsten Unternehmensdaten. Dazu gehören Daten zur Geschäftsführung und Unternehmensstruktur.
  2. Anschließend werden Sicherheiten herangezogen: Wie hoch ist das Eigenkapital? Gibt es Immobilien oder andere Vermögenswerte?
  3. Zudem ruft die Bank eine Bonitätsauskunft bei einer Wirtschaftsauskunftei ab und hat erhält damit die wichtigsten Informationen zum Unternehmen auf einen Blick.
  4. Auf Basis der Auskunft vergibt die Bank den Kredit mit entsprechenden Konditionen. Dabei gilt: Je besser die Bonität, desto besser die Kreditkonditionen.
     

Auf einen Blick: Bin ich kreditwürdig?

Die Mindestanforderungen für die Kreditwürdigkeit variieren je nach Kreditart und Kreditgeber:

  • Mindestanforderungen für Privatpersonen: Ein regelmäßiges Einkommen, ein stabiler Wohnsitz und ein positiver Bonitätsscore sind grundlegende Voraussetzungen.
  • Voraussetzungen für Unternehmen: Unternehmen müssen solide Geschäftskennzahlen, eine positive Bilanz und gegebenenfalls Sicherheiten vorweisen.

Besonderheiten bei Selbstständigen: Selbstständige haben oft Schwierigkeiten, ihre Kreditwürdigkeit nachzuweisen, da ihr Einkommen schwanken kann. Zusätzliche Sicherheiten oder ein detaillierter Finanzplan können hier helfen.

Eigene Kreditwürdigkeit kennen und verstehen

Für Unternehmen und Privatpersonen gilt: Wer seine eigene Bonität kennt, der weiß, auf welcher Grundlage Geschäftspartner und Banken ihre Zahlungs- und Kreditkonditionen festlegen. Daher ist eine regelmäßige Überprüfung der eigenen Bonität ist wichtig, um potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Es empfiehlt sich, die Bonität einmal jährlich oder vor größeren finanziellen Entscheidungen zu prüfen.

Übrigens: Einmal jährlich können Unternehmer und Privatpersonen bei einer Auskunftei eine Datenkopie nach Art. 15 DSGVO3 anfragen und erhalten damit alle über sie gespeicherten Informationen.

Creditreform bietet für Unternehmen zusätzlich den Service „Meine Bonität“ an. Das kostenpflichtige Abo gibt es sowohl für Mitglieder als auch Nichtmitglieder. Der Vorteil: Sie können Ihre Bonität jederzeit einsehen und damit auf Veränderungen schneller reagieren.

Mehr dazu 

Kreditwürdigkeit verbessern: Die wichtigsten Maßnahmen

Eine nicht ausreichende Kreditwürdigkeit kann zu schlechteren Zahlungsbedingungen, höheren Kreditzinsen oder sogar einer Ablehnung des Kredits führen. Mit gezielten Maßnahmen lässt sich die Bonität jedoch verbessern:

  1. Fehlerhafte Einträge korrigieren: Prüfen Sie Ihre Selbstauskunft sorgfältig und fordern Sie die Korrektur fehlerhafter Daten bei der zuständigen Auskunftei an. Mit der Creditreform Unternehmensbefragung können Sie die über Ihr Unternehmen gespeicherten Daten einsehen, jederzeit vervollständigen und bei Fehlern verbessern lassen.
  2. Schulden und laufende Kredite optimieren: Konsolidieren Sie bestehende Kredite, um die Übersicht zu behalten, und reduzieren Sie Ihre Schulden.
  3. Zahlungsverhalten und finanzielle Stabilität verbessern: Zahlen Sie Rechnungen pünktlich und vermeiden Sie Mahnungen. Ein gut durchdachtes Budget hilft, finanzielle Stabilität zu gewährleisten.

 

Mehr über die Creditreform Unternemensbefragung

FAQ zu Kreditwürdigkeit

Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema

  • 1. Was ist eine gute Kreditwürdigkeit?

    Eine gute Kreditwürdigkeit bedeutet, dass ein Unternehmen oder eine Privatperson mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen zuverlässig und fristgerecht nachzukommen. Die Kreditwürdigkeit beziehungsweise Bonität wird in einer Bonitätsauskunft aufbereitet dargestellt und wird von Banken und Unternehmen mit berechtigtem Interesse abgerufen. Eine gute Kreditwürdigkeit schafft Vertrauen und ermöglicht bessere Zahlungskonditionen sowie günstigere Kreditkonditionen.

  • 2. Wie schnell kann sich die Bonität verbessern?

    Durch gezielte Maßnahmen kann die Bonität innerhalb weniger Monate steigen. Im ersten Schritt sollte geprüft werden, welche Daten bei Auskunfteien vorliegen. Dabei sollten fehlerhafte Einträge korrigiert und bisher nicht vorhandenen Daten vervollständigt werden. Denn korrekte Daten sind die Basis für eine gute Bonitätsbewertung. Der wichtigste Aspekt für eine gute Bonität ist jedoch das Zahlungsverhalten: Rechnungen, Ratenzahlungen oder sonstige Zahlungsverpflichtungen sollten immer fristgerecht erfolgen.

  • 3. Verschlechtert jede Anfrage meinen Score?

    Es ist wichtig zu wissen, dass eine Kreditanfrage den Bonitätsscore beeinflussen kann, während eine Konditionsanfrage, bei der lediglich die Kreditkonditionen angefragt werden, keinen negativen Einfluss hat.

  • 4. Kann ich trotz schlechter Bonität einen Kredit bekommen?

    Das ist möglich, jedoch meistens mit höheren Zinsen und zusätzlichen Sicherheiten verbunden.

Unsere Texte dienen dem unverbindlichen Informationszweck und ersetzen keine spezifische Rechts- oder Fachberatung. Für die angebotenen Informationen geben wir keine Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

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