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Investitionsflaute: Betriebe verzichten auf Kredite
Kredite sind für mittelständische Unternehmen eine sehr wichtige Finanzierungsquelle. Wie eine aktuelle Analyse von KfW Research zeigt, nimmt die Nachfrage jedoch ab und die Firmen halten sich immer stärker zurück. Vor allem Kleinstunternehmen sind zögerlich.
Auf der Suche nach externen Finanzierungsquellen landen mittelständische Unternehmen in Deutschland regelmäßig bei einer Bank oder Sparkasse. Laut KfW Research ist der Bankkredit für kleine und mittlere Betriebe das wichtigste Finanzierungsinstrument. Etwa ein Drittel der jährlichen Investitionen im Mittelstand werden über Kredite von Banken und Sparkassen realisiert, teilte die KfW Mitte April mit. Eine noch größere Bedeutung haben demnach lediglich Eigenmittel – zum Beispiel einbehaltene Gewinne. Sie machen gut die Hälfte des Finanzierungsmixes aus.
„Allerdings lässt sich bei der Investitionsfinanzierung seit geraumer Zeit eine wachsende Zurückhaltung in der Nutzung von Bankkrediten beobachten, die sich auch 2026 weiter verfestigt“, liest man in der Kurzanalyse zu einer repräsentativen Sonderbefragung zum KfW-Mittelstandspanel vom Januar 2026. Nur noch 27 Prozent der Mittelständler in Deutschland sind demnach grundsätzlich bereit, einen Bankkredit zur Investitionsfinanzierung aufzunehmen. Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren. 2023 zogen noch 42 Prozent und 2017 sogar 66 Prozent der Unternehmen eine Kreditfinanzierung in Betracht.
„Die mittelständischen Unternehmen haben derzeit einen sehr ausgeprägten Wunsch nach finanzieller Stabilität und Unabhängigkeit“, kommentiert Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, die Analyseergebnisse. „Die schwierige konjunkturelle Lage und die unsicheren wirtschaftlichen Zukunftsaussichten führen dazu, dass viele Unternehmen sehr vorsichtig agieren und auf Neuverschuldung verzichten.“
Tatsächlich gaben fast zwei Drittel der Unternehmen bei der Sonderbefragung an, dass sie Schulden vermeiden wollen und sich deshalb von Bankkrediten fernhalten. Das sind 23 Prozentpunkte mehr als 2017 und 27 Prozentpunkte mehr als 2023. Jeder zweite Betrieb strebt demnach grundsätzlich keine Fremdfinanzierung an. Und immerhin 36 Prozent verfügen laut der Befragung über genügend Eigenmittel für Investitionen.
Ein Hinderungsgrund für eine höhere Kreditnachfrage scheinen aber auch die gestiegenen regulatorischen Anforderungen an die Banken zu sein. 30 Prozent der von KfW Research befragten Unternehmen beklagen nämlich, dass die Banken und Sparkassen zu hohe Offenlegungspflichten hätten – also zu viele Informationen von den Unternehmen verlangen. 2023 sagten das nur 17 Prozent.
Insbesondere Kleinstunternehmen verzichten verstärkt auf Kredite
Die Analyse von KfW Research zeigt sehr eindeutig: Es sind fast ausschließlich Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten, deren Bereitschaft zur Kreditfinanzierung zurückgeht. Aufgrund ihrer hohen Anzahl dominieren sie den Trend. Nur gut jedes vierte Kleinstunternehmen zieht laut der Sonderbefragung eine Kreditfinanzierung in Betracht. 2023 waren es offenbar 41 Prozent, 2017 sogar 69 Prozent.
Was auch auffällt: Offenbar geht in allen Wirtschaftszweigen das Kreditinteresse zurück. Besonders stark ist der Rückgang laut der Kurzanalyse jedoch im Dienstleistungssektor. Dort erwägt nur noch gut ein Fünftel der Betriebe eine Kreditaufnahme, während 2024 noch 39 Prozent und 2017 sogar 73 Prozent interessiert waren.
Kredite oder nicht: Investitionsbedarf bleibt hoch
Die zunehmende Fokussierung auf Eigenkapitalerhöhung fällt auf. Auch die aktuelle Untersuchung „Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand“, der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt diese Entwicklung: Der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen sinkt und immer mehr Betriebe weisen eine hohe Eigenkapitalquote auf. Mittlerweile gelten 36 Prozent der Unternehmen als eigenkapitalstark, verfügen also über eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Das ist der höchste Wert seit drei Jahrzehnten.
Nun ist Eigenkapital grundsätzlich gut. Es sichert die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens und sorgt damit insbesondere in Krisenzeiten für Stabilität. Nicht so gut ist es, wenn Unternehmen eigentlich erforderliche Investitionen aufschieben oder unterlassen.
„Der Investitionsbedarf im Mittelstand insgesamt ist so hoch, dass externes Kapital unverzichtbar sein wird, um die Zukunft vieler Unternehmen zu sichern“, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. „Ohne die grundsätzliche Bereitschaft mittelständischer Unternehmen, auch Kredite aufzunehmen, drohen notwendige Investitionsvorhaben auszubleiben.“
Das kann zum Problem werden, denn die Transformation der Wirtschaft und der internationale Wettbewerbsdruck machen Investitionen unumgänglich.
Quellen:
https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/wirtschaftslage-und-finanzierung-im-mittelstand-fruehjahr-2026
https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2026/Fokus-Nr.-543-April-2026-Kreditnutzung.pdf
https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_890048.html