Was ist ein
Zessionar?

Kurzdefinition & Erklärung

Bei der Forderungsabtretung übernimmt der Zessionar die Forderung vom bisherigen Gläubiger, dem Zedenten. Erfahren Sie hier, was das bedeutet und worauf in der Praxis zu achten ist.

4 Min. Lesezeit

Was ist ein Zessionar?

Der Zessionar ist die Person oder das Unternehmen, an die eine Forderung abgetreten wird.1 Er wird daher auch Abtretungsempfänger genannt. Im Rahmen einer Zession, also der Forderungsabtretung, überträgt der bisherige Gläubiger (Zedent) seine Forderung gegenüber dem Schuldner auf den Zessionar. Dieser wird damit zum neuen Gläubiger und ist berechtigt, die Forderung im eigenen Namen geltend zu machen.

Unterschied zwischen Zessionar und Zedent

Die Begriffe beschreiben verschiedene Gläubigerpositionen innerhalb einer Forderungsabtretung: Der Zedent (alte Gläubiger) überträgt die Forderung, der Zessionar (neue Gläubiger) erhält sie.

Der Zedent verliert also mit der Abtretung seine Gläubigerstellung und scheidet aus dem Forderungsverhältnis aus. Der Zessionar tritt an seine Stelle und kann damit die Forderung gegenüber dem Schuldner geltend machen. Für den Schuldner selbst ändert sich nur der Adressat. Er schuldet denselben Betrag wie zuvor, muss das Geld künftig aber an den Zessionar überweisen.

Welche Rolle hat der Zessionar bei einer Abtretung?

Der Zessionar erhält die Forderung vom bisherigen Gläubiger. Er muss bei der Übertragung selbst nicht aktiv werden, allerdings muss die Abtretung durch einen Vertrag zwischen Zedent und Zessionar zustande kommen.2

Mit dem Moment der wirksamen Abtretung wird der Zessionar automatisch zum neuen Gläubiger. Er erwirbt die Forderung so, wie sie beim Zedenten bestand, inklusive aller Sicherheiten, Nebenrechte und möglicher Einreden des Schuldners. Er kann ab diesem Zeitpunkt die Forderung im eigenen Namen einfordern, klagen oder weiter abtreten.

Erfahren Sie hier mehr zur Rolle des Zedenten

Wie funktioniert eine Abtretung?

Damit eine Abtretung rechtlich wirksam ist, müssen zunächst einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein. Wichtig ist, dass die Forderung überhaupt abtretbar ist und es ist ein Vertrag nötig. Der Gesetzgeber schreibt nicht vor, dass dieser Vertrag eine bestimmte Form erfüllen muss, in der Praxis ist aber ein schriftlicher Vertrag üblich und empfehlenswert.2

Eventuell muss der Zedent dem Zessionar dann noch Unterlagen und Dokumente zur Verfügung stellen und der Zessionar muss die vereinbarte Zahlung leisten, aber dann ist die Abtretung vollzogen. Der Schuldner muss der Abtretung nicht zustimmen und auch nicht im Voraus informiert werden. Allerdings wird der Zessionar den Schuldner in der Regel im eigenen Interesse über die Abtretung in Kenntnis setzen, damit er weiß, dass er künftig an den neuen Gläubiger zahlen muss.

Voraussetzungen nach §§ 398 ff. BGB

Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist in Paragraf 398 die Forderungsabtretung festgehalten. Demnach ist die Voraussetzung ein Vertrag zwischen Zedent und Zessionar.2

Die folgenden Paragrafen, § 399 und § 400 BGB, betreffen Abtretungsverbote. Demnach ist die Abtretung ausgeschlossen, wenn die Leistung nicht an einen anderen Gläubiger erbracht werden kann, ohne den Inhalt der Forderung zu verändern.3 Das ist bei höchstpersönlichen Forderungen wie Unterhaltsforderungen der Fall. Zudem kann vom Lohn nur der Teil gepfändet werden, der oberhalb des Existenzminimums liegt. Auch wenn die Abtretung vertraglich ausgeschlossen ist, kann sie nicht stattfinden.

Rechte und Pflichten des Zessionars

Der Zessionar erhält eine vollwertige Gläubigerstellung, muss aber die Forderung so akzeptieren, wie sie beim Zedenten bestand. Dazu zählen alle Einreden, Einwendungen und bereits erfolgte Leistungen des Schuldners. Einwendungen betreffen dabei die Frage, ob die Forderung überhaupt besteht – etwa, weil der Schuldner bereits gezahlt hat oder der Vertrag unwirksam war. Einreden hindern dagegen die Durchsetzung einer bestehenden Forderung, wenn sie beispielsweise verjährt ist. Nach dem BGB hat er folgende Rechte und Pflichten:

Rechte des Zessionars:

  • Sobald die Abtretung wirksam ist, kann der Zessionar die Forderung selbstständig geltend machen.2 Sprich: Er darf die Forderung gegenüber dem Schuldner einziehen, einklagen und − sobald er einen Titel erwirkt hat − auch vollstrecken.
  • Mit der Hauptforderung gehen kraft Gesetzes auch Nebenrechte über: Hypotheken, Pfandrechte, Bürgschaften sowie der Anspruch auf rückständige Zinsen.4
  • Er darf die Forderung erneut abtreten, sofern es keine Abtretungsverbote gibt.

Pflichten des Zessionars:

  • Der Zessionar tritt rechtlich in die bisherige Position des Zedenten ein und darf den Schuldner nicht schlechterstellen. Der Schuldner widerum kann dem Zessionar alle Einwendungen entgegenhalten, die er auch gegen den Zedenten hatte.5 Gibt es eine Gegenforderung des Schuldners gegenüber dem Zedenten, die er aufrechnen konnte, muss der Zessionar dieser Forderung nachkommen.

  • Hat der Schuldner vor Kenntnis der Abtretung noch Zahlungen an den Zedenten geleistet, muss der Zessionar das gegen sich gelten lassen.6 

  • Ist für die Abtretung eine Gegenleistung festgelegt, etwa ein Kaufpreis für die Forderung, muss der Zessionar seine vertraglichen Gegenleistungspflichten gegenüber dem Zedenten erfüllen.

Deutsche Wirtschaft unter Druck:
Steigende Insolvenzzahlen

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland stieg im 1. Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf 12.900 Fälle – das ist der höchste Stand seit 2013. Neben der mehrjährigen Rezession belasten aktuelle geopolitische Krisen wie der Nahostkonflikt die Unternehmen. Auch bei den Privatpersonen stiegen die Insolvenzzahlen weiter. Im 1. Halbjahr 2026 wurden rund 38.800 Verbraucherinsolvenzen gemeldet (+ 2,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum).7

Umso wichtiger wird es für Unternehmen ihr Forderungsmanagement zu professionalisieren und den Liquiditätsfluss aufrecht zu erhalten.

Zu den aktuellen Insolvenzzahlen

Sie interessieren sich für die Abtretung offener Forderungen?

Creditreform sorgt als Inkassodienstleister dafür, dass berechtigte Forderungen professionell, diskret und mit der nötigen Sorgfalt realisiert werden. Dabei legen wir besonderen Wert auf die Beachtung der gesetzlichen Vorgaben, eine faire und kundenschonende Schuldnerkommunikation sowie volle Transparenz über alle Prozessschritte.

Ihre Vorteile:

  • spürbare Entlastung im Forderungsmanagement
  • weniger Verwaltungsaufwand
  • gesicherte Liquidität
  • mehr Zeit für Ihr Kerngeschäft

 

Mehr zum Inkasso mit Creditreform

FAQ zum Zessionar

Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema

  • 1. Kann jede Forderung abgetreten werden?

    Nein. Grundsätzlich sind Forderungen zwar frei abtretbar, aber das Gesetz sieht Ausnahmen vor. Höchstpersönliche Forderungen wie Unterhaltsansprüche können nicht übertragen werden, weil die Leistung ihren Charakter verlieren würde, wenn sie an einen anderen Gläubiger erbracht werden müsste. Auch der unpfändbare Teil des Arbeitseinkommens kann nicht abgetreten werden. Darüber hinaus können Forderungen vertraglich von der Abtretung ausgeschlossen sein.

  • 2. Wann wird der Zessionar neuer Gläubiger?

    Mit dem Moment der wirksamen Abtretung, also sobald ein rechtsgültiger Vertrag zwischen Zedent und Zessionar zustande gekommen ist. Einer besonderen Form bedarf es dafür nicht, in der Praxis empfiehlt sich jedoch ein schriftlicher Vertrag. Ab diesem Zeitpunkt kann der Zessionar die Forderung im eigenen Namen geltend machen, einklagen und vollstrecken.

  • 3. Muss der Schuldner über die Abtretung informiert werden?

    Der Schuldner muss über die Abtretung vorab nicht informiert werden und er muss ihr auch nicht zustimmen. Trotzdem wird der Zessionar den Schuldner über die Abtretung benachrichtigen, damit dieser weiß, an wen er künftig leisten soll.

  • 4. Können auch Unternehmen Zessionare sein?

    Ja. Als Zessionar kann jede natürliche oder juristische Person auftreten, die rechtlich in der Lage ist, Forderungen zu erwerben. Ein typisches Beispiel aus der Praxis ist das Factoring: Hier tritt ein Unternehmen seine offenen Ausgangsrechnungen an ein Factoringinstitut ab, das als Zessionar die Forderungen ankauft und selbst einzieht. Auch Inkassounternehmen treten regelmäßig als Zessionare auf, wenn Gläubiger uneinbringliche Forderungen an sie verkaufen.

Unsere Texte dienen dem unverbindlichen Informationszweck und ersetzen keine spezifische Rechts- oder Fachberatung. Für die angebotenen Informationen geben wir keine Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

Teilen auf


Das könnte Sie auch interessieren

abtretungserklärung-950x503.jpg

Abtretungserklärung: Definition, Muster & Beispiele

Mit einer Abtretungserklärung können Forderungen von einem Gläubiger auf einen anderen übergehen. Wir erklären, was Sie beachten müssen und wie eine Muster Abtretungserklärung aussehen könnte.

Zum Artikel
factoring_950x503.jpg

Mit Factoring die Liquidität sichern

Immer mehr Unternehmen kämpfen mit Liquiditätsengpässen, da ihre Kunden mit der Begleichung von Forderungen in Verzug geraten oder Zahlungen bewusst hinauszögern.

Zum Artikel
mahnwesen_950x503.jpg

Mahnwesen: Definition, Ablauf und Gebühren

Gerade im Mittelstand können verspätete Zahlungen schnell zu zusätzlichem Verwaltungsaufwand, Liquiditätsengpässen und gar Zahlungsausfällen führen. Wichtig ist daher ein professionelles Mahnwesen.

Zum Artikel
KontaktKontakt