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Trendwende beim Rückgang der Insolvenzen

Noch vor dem Jahresende, Anfang Dezember, bezifferte Creditreform die Insolvenzentwicklung in Deutschland. Für 2019 bleibt festzuhalten: Der Rückgang der Unternehmensinsolvenzen, der seit zehn Jahren das Bild bestimmte, ist beendet.

Mit 19.400 von einem Insolvenzantrag betroffenen Unternehmen zum Jahresultimo 2019 ist gegenüber dem Vorjahr mit 19.410 Fällen in diesem Bereich nur ein Minus von weniger als 0,1 Prozent zu registrieren. Auch bei den Verbraucherinsolvenzen ist die Zahl der Betroffenen gegenüber den Vorjahren zwar noch rückläufig (- 3 Prozent), aber auch hier war die gute Entwicklung schon einmal deutlich ausgeprägter. In der Summe ist die Zahl der Gesamtinsolvenzen mit 107.700 Insolvenzanträgen 2019 nur noch um 2 Prozent geringer als im Vorjahr. Verbraucher hatten 65.700 private Insolvenzverfahren hinzunehmen, dazu kommen die sonstigen Insolvenzen – zu denen auch kleine Selbstständige zählen – mit 22.600 Betroffenen.

Die letzte Dekade war geprägt von einer starken Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. Im ablaufenden Jahr stand die Konjunktur allerdings unter einer Reihe negativer Vorzeichen. Die gute Konjunktur – und nicht zuletzt die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten – sorgten dafür, dass sich die Unternehmensstabilität deutlich gefestigt hatte. Die Fallzahlen bei den Unternehmensinsolvenzen halbierten sich. Die derzeitige Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist vor allem ein Problem für das Verarbeitende Gewerbe, der Industrie, die stark exportorientiert ist und der nicht zuletzt die politischen Verwerfungen im internationalen Geschäft zu schaffen macht. Deutschlands Industrie erlebt aktuell die längste Rezessionsphase seit der Wiedervereinigung.

Industrie in der Rezession

Mag es bei den Unternehmensinsolvenzen insgesamt nur zu einem Stillstand gekommen sein, so hat das Verarbeitende Gewerbe bei der Insolvenzentwicklung einen Wendepunkt erreicht: Für diesen Wirtschaftssektor muss 2019 ein Plus von 6,6 Prozent veranschlagt werden. Dabei nahmen die Insolvenzzahlen im Verarbeitenden Gewerbe in den letzten Jahren am deutlichsten gegenüber allen anderen Branchen ab. Jetzt aber liegt selbst der Bau aufgrund der guten Baukonjunktur immer noch bei einem Minus von 2,8 Prozent bei den Insolvenzen. Er war jahrelang das Sorgenkind des Insolvenzgeschehens.

Die Insolvenzquote in Deutschland (Zahl der Insolvenzen je 10.000 wirtschaftsaktive Unternehmen) hat im Zeichen der guten Entwicklung deutlich abgenommen. Waren es 2012 noch 89 Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Betriebe, so sind es aktuell 59 Pleiten je 10.000 Unternehmen. 2019 hat die Betroffenheit des Verarbeitenden Gewerbes allerdings leicht zugenommen. Waren 2018 noch 33 Industrie- und Handwerksbetriebe je 10.000 Bestand als insolvent zu zählen, so sind es 2019 34 Unternehmen. Allerdings ist dies immer noch weniger als die Hälfte der Zahl, die das Baugewerbe liefert: Hier sind es 2019 immer noch 76 Baubetriebe bei 10.000 Unternehmen insgesamt in dieser Branche – 2015 waren es aber noch 96 Baubetriebe je 10.000.

Auch andere Branchen betroffen

Betroffen von Insolvenzsteigerungen ist auch die deutsche Landwirtschaft. Preissteigerungen lassen sich gegenüber dem Handel nur schwer durchsetzen. Neue Auflagen und Anforderungen beim Umweltschutz verlangen nach Investitionen. Um rund 20 Prozent hat die Zahl der Betroffenen hier zugenommen. In gleicher Höhe hat die Zahl der Insolvenzen bei den Bäckereien zugelegt – hier ist es wohl der Wettbewerb mit den großen Ketten, dem angestammte kleinere Betriebe nicht gewachsen sind. Im industriellen Bereich „Chemie und Kunststoff“ haben die Pleiten gar um 60 Prozent zugelegt. Und auch der Sektor „Spedition und Lagerei“ weist mit einer Steigerung von 7 Prozent überdurchschnittliche Werte auf. Demgegenüber bleibt der Maschinenbau mit einem Plus von einem Prozent noch recht stabil.

Der konjunkturelle Ausblick für 2020 ist insgesamt verhalten positiv. Wenn die von der Politik bestimmten Rahmenbedingungen wie Zölle und Embargos sich nicht noch dramatisch verschlechtern, wird es 2020 keine „Insolvenzwelle“ geben. Für das laufende Jahr geht Creditreform von 19.800 Unternehmensinsolvenzen, 64.000 Verbraucherinsolvenzen und 22.500 sonstigen Insolvenzen aus. Unterm Strich wäre man 2020 mit einem leichten Minus bei den Gesamtinsolvenzen noch nicht auf einem schlechten Weg.