Wirtschaftsprüfung

Definition, Ablauf & Pflichten
im Überblick

Was wird bei einer Wirtschaftsprüfung eigentlich geprüft? Dieser Beitrag erklärt die gesetzlichen Vorgaben und zeigt, warum das Thema für Bonität und Geschäftsbeziehungen relevant ist.

4 Min. Lesezeit

Was ist eine Wirtschaftsprüfung?

Bei einer Wirtschaftsprüfung handelt es sich um die unabhängige Prüfung von Unternehmensinformationen durch einen zugelassenen Wirtschaftsprüfer oder eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. In der Regel wird der Jahresabschluss und – bei Unternehmensgruppen – der Konzernabschluss begutachtet.

Ziel ist es festzustellen, ob der Abschluss den gesetzlichen Vorgaben entspricht und ein zutreffendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermittelt.1 Dadurch soll auch die Qualität der Berichterstattung des Unternehmens sichergestellt werden.

Welche Aufgaben hat ein Wirtschaftsprüfer?

Die Aufgaben eines Wirtschaftsprüfers gehen weit über das reine Prüfen von Bilanzen hinaus. Er evaluiert, ob die Rechnungslegung und die Berichterstattung des Unternehmens oder Konzerns fehlerfrei, vollständig und nachvollziehbar sind.

Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere:

  • die Prüfung des Jahres- oder Konzernabschlusses
  • die Prüfung des Lageberichts
  • die Beurteilung von internen Kontrollsystemen
  • die Analyse wesentlicher Risiken und Bewertungsannahmen
  • die Einholung und Begründung von Nachweisen
  • die Dokumentation der Prüfung (Prüfungsbericht)
  • die Erstellung eines abschließenden Prüfungsurteils

Wann ist eine Wirtschaftsprüfung gesetzlich vorgeschrieben?

Ob ein Unternehmen seinen Jahresabschluss prüfen lassen muss, hängt von den gesetzlichen Größenklassen ab. Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften (z. B. GmbHs oder AGs) sind nach § 316 HGB zur Wirtschaftsprüfung verpflichtet. Kleine Kapitalgesellschaften sind davon in der Regel befreit.2 Sie können aber freiwillig einen Wirtschaftsprüfer beauftragen.

Größenklassen nach HGB: Wer muss prüfen lassen?

Die Zuordnung der Größenklassen richtet sich nach § 267 HGB:

Kleine Kapitalgesellschaften sind solche, die mindestens zwei der drei nachstehenden Merkmale nicht überschreiten und sind somit von der gesetzlichen Verpflichtung befreit:

  1. Bilanzsumme: 7.500.000 Euro
     
  2. Umsatzerlöse: 15.000.000 Euro in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag
     
  3. Arbeitnehmer: durchschnittlich 50 pro Jahr

Mittelgroße Kapitalgesellschaften überschreiten mindestens zwei der drei Merkmale kleiner Kapitalgesellschaften und überschreiten zugleich mindestens zwei der drei folgenden Merkmale nicht:

  1. Bilanzsumme: 25.000.000 Euro
     
  2. Umsatzerlöse: 50.000.000 Euro in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag
     
  3. Arbeitnehmer: durchschnittlich 250 pro Jahr

Große Kapitalgesellschaften sind solche, die mindestens zwei der drei Merkmale mittelgroßer Kapitalgesellschaften überschreiten.3

Wie läuft eine Wirtschaftsprüfung ab?

Der Ablauf einer Wirtschaftsprüfung ist strukturiert und folgt einem klaren Prüfungsansatz. Ziel ist es, mit vertretbarem Aufwand ein belastbares Prüfungsurteil zu erzielen.

Typischerweise umfasst der Prozess mehrere Phasen:

Das Prüfungsergebnis: Testat vs. Versagungsvermerk

Das sichtbarste Ergebnis einer Wirtschaftsprüfung ist das Prüfungsurteil. Dieses sagt aus, ob der geprüfte Abschluss den maßgeblichen Vorschriften entspricht. Grundsätzlich sind zwei Richtungen besonders relevant:

Testat

Fällt die Prüfung positiv aus, erteilt der Wirtschaftsprüfer einen Bestätigungsvermerk (Testat). Das bedeutet, dass der Abschluss in wesentlichen Punkten ordnungsgemäß durchgeführt wurde.

Versagungsvermerk

Der Wirtschaftsprüfer erteilt ein negatives Urteil, etwa weil wesentliche Mängel bestehen oder nur unzureichende Prüfungsnachweise vorliegen.

Nach der Prüfung: Bonität und Vertrauen im B2B-Geschäft stärken

Für Unternehmen ist das Ergebnis einer Wirtschaftsprüfung von hoher Bedeutung. Ein Testat unterstützt die Glaubwürdigkeit gegenüber Geschäftspartnern, Banken und potenziellen Investoren. Ein Versagungsvermerk kann hingegen erheblichen Klärungsbedarf auslösen und das Vertrauen in die Finanzberichterstattung beeinträchtigen. 

Besonders im B2B-Geschäft spielt Vertrauen eine zentrale Rolle: Lieferanten gewähren Zahlungsziele, Kreditgeber prüfen Ausfallrisiken und potenzielle Neukunden bewerten die Stabilität der Geschäftspartner. Ein geprüftes Zahlenwerk kann hier ein wichtiges Signal sein.

 

Neben einer erfolgreichen Wirtschaftsprüfung ist es sinnvoll, die Kreditwürdigkeit und finanzielle Stabilität sichtbar zu machen.

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Fazit: Warum ist die Wirtschaftsprüfung für Unternehmen so wichtig?

Die Wirtschaftsprüfung hilft Unternehmen dabei, die Verlässlichkeit ihrer Finanzberichterstattung sicherzustellen, Risiken frühzeitig zu erkennen und so ihre Vertrauenswürdigkeit gegenüber Geschäftspartnern zu stärken. Sie ist daher weit mehr als nur eine gesetzliche Pflicht.

Gleichzeitig ist es wichtig, die Bonität des eigenen Unternehmens im Blick zu behalten. Denn während eine Wirtschaftsprüfung vor allem die Ordnungsmäßigkeit und Aussagekraft des Abschlusses beurteilt, liefert eine Bonitätsprüfung wichtige Hinweise zur wirtschaftlichen Zuverlässigkeit und Zahlungsmoral.

 

Mehr zur Selbstauskunft für Unternehmen

FAQ zur Wirtschaftsprüfung

Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema

  • 1. Was ist das Hauptziel einer Wirtschaftsprüfung?

    Das Hauptziel einer Wirtschaftsprüfung ist es zu beurteilen, ob der Jahresabschluss und die Buchführung eines Unternehmens im Wesentlichen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und ein verlässliches Bild seiner wirtschaftlichen Lage vermitteln.

  • 2. Wann ist eine Wirtschaftsprüfung verpflichtend?

    Eine Wirtschaftsprüfung ist verpflichtend, wenn das Gesetz für das betreffende Unternehmen eine Abschlussprüfung vorsieht. Das betrifft vor allem mittelgroße und große Kapitalgesellschaften sowie bestimmte Unternehmensgruppen im Rahmen der Konzernrechnungslegung4.

  • 3. Was ist der Unterschied zwischen einem Wirtschaftsprüfer und einem Steuerberater?

    Ein Wirtschaftsprüfer übernimmt die gesetzliche oder freiwillige Prüfung von Jahresabschlüssen und anderen betriebswirtschaftlichen Unterlagen und muss dabei unabhängig urteilen.

    Ein Steuerberater unterstützt Unternehmen oder Privatpersonen vor allem bei Steuererklärungen, Buchhaltung und der Vertretung gegenüber dem Finanzamt.

  • 4. Was ist eine Konzernabschlussprüfung?

    Bei der Konzernabschlussprüfung untersucht ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer den Konzernabschluss und den Konzernlagebericht. Dabei wird beurteilt, ob die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns nach den geltenden Rechnungslegungsstandards zutreffend dargestellt ist.

  • 5. Was unterscheidet ein Testat von einer Bonitätsauskunft?

    Ein Testat (Bestätigungsvermerk) ist das Urteil eines Wirtschaftsprüfers zum Jahresabschluss eines Unternehmens oder Konzerns. Es bescheinigt, dass der Abschluss in wesentlichen Punkten den geltenden Vorgaben entspricht.

    Die Bonitätsauskunft enthält Informationen zur Zahlungsmoral von Unternehmen oder Privatpersonen. Sie gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Vertragspartner seinen Verbindlichkeiten nachkommen wird. Beide Instrumente schaffen Vertrauen bei Geschäftsbeziehungen, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

    Mehr zu Bonitätsprüfung von Unternehmen

  • 6. Wie lange dauert eine Wirtschaftsprüfung in der Regel?

    Die Dauer einer Wirtschaftsprüfung hängt von der Größe, Komplexität, Vorbereitung und Datenqualität des zu prüfenden Unternehmens ab. Je größer das Unternehmen und je komplexer die Strukturen, umso länger dauert sie. Eine gut vorbereitete und ordnungsgemäße Buchführung kann den Prozess deutlich beschleunigen.

Unsere Texte dienen dem unverbindlichen Informationszweck und ersetzen keine spezifische Rechts- oder Fachberatung. Für die angebotenen Informationen geben wir keine Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

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