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Kein Alligator im Baggersee

Liebe Leserinnen und Leser,

tja, es gibt ja nur wenige Dinge, bei denen sich die Experten dieser Tage weitgehend einig sind. Beim Sommer 2026 scheint das ausnahmsweise der Fall zu sein. 2026 ist ein richtiger (Hitze-)Sommer. Hitzeperioden, ausgetrocknete Böden, Waldbrände und Wassermangel – meteorologisch mangelt es in diesen Wochen wahrlich an wenig. In Südeuropa brennen seit Wochen große Flächen, aber auch in Deutschland stehen Felder und Wälder in Flammen. Gleichzeitig erreichen Rhein, Elbe und Donau immer neue Tiefstände.

Nun ist es mit dem Sommer wie mit so vielem im Leben: Die Dosis macht’s. Drei Tage Sonne gelten als Geschenk, zwei Wochen Hitze bereits als Zumutung. Der Rasen wird braun und die Regentonne leer. Irgendwann beginnt selbst der überzeugteste Sonnenanbeter morgens den Himmel nach Regenwolken abzusuchen. Zu viel Sommer ist offenbar auch nicht recht. Nur eine sommerliche Erscheinung lässt in diesem Jahr (und auch schon in den letzten) auffällig auf sich warten: Wo ist das berühmte Sommerloch, der Alligator im Baggersee? Der Wels im Freibad? Wer eines sucht, sollte derzeit besser nicht in den medialen Blätterwald der Zeitungen schauen. Das einzige echte Sommerloch findet sich vielmehr am Rhein. Wo sonst Wasser ans Ufer schwappt, treten Sand- und Kiesbänke hervor und dazwischen gähnen ausgetrocknete Krater, in denen mit etwas Glück noch eine Pfütze steht.

Die Politik liefert gerade mehr als ausreichend Stoff. Bundeskanzler Merz wollte eigentlich mit einer Kabinettsumbildung für einen Neustart sorgen. Heraus kam ein bemerkenswertes Personalkarussell. Und die Wirtschaft? Ausgerechnet BMW, lange der vergleichsweise robuste Musterknabe der deutschen Autoindustrie, kündigte Ende Juli den Abbau von bis zu 8.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2027 an. Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche hatten bereits zuvor Sparprogramme und Stellenstreichungen auf den Weg gebracht. Der Strukturwandel in der deutschen Schlüsselindustrie macht also auch bei 35 Grad keinen Betriebsurlaub.

Und damit sind wir ziemlich genau bei den Themen dieser Ausgabe. Denn während die großen Schlagzeilen keine Pause machen, zeigen die Zahlen darunter, wie angespannt die Lage vieler Unternehmen weiterhin ist. Unser aktueller Zahlungsindikator offenbart eine regelrechte Zweiklassengesellschaft: Große Unternehmen bekommen deutlich mehr Zeit, ihre Rechnungen zu bezahlen, während kleine und mittlere Unternehmen mit engeren Zahlungszielen und steigenden Verzugszeiten kämpfen. Dabei sind doch gerade diese KMU das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Mehr als 99 Prozent aller Unternehmen zählen dazu. Umsatz und Gewinne haben sich zuletzt zwar etwas erholt, bei den Investitionen bleibt die Zurückhaltung jedoch groß. Und schließlich schauen wir auf ein Allzeit-Thema: den berühmten Bürokratieabbau.

Ein Sommerloch also? Schön wär’s.

Ihr
Patrik-Ludwig Hantzsch