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2026: Wie viel Weltgeschichte passt in zwei Wochen?

Liebe Leserinnen und Leser,

das neue Jahr hat kaum begonnen, da knallen schon die Paukenschläge. Venezuela taumelt, nachdem die USA Präsident Maduro aus dem Land gebracht (oder entführt?) haben: Wer lenkt nun das Land und was bedeutet dieser Präzedenzfall für das Völkerrecht? Im Iran gehen seit Wochen Hunderttausende auf die Straße und das Regime erschießt mindestens Tausende. So genau weiß das keiner, das Internet ist abgeschaltet. In Deutschland entzündet sich der Streit um die Erbschaftssteuer erneut – diesmal nicht als abstrakte Gerechtigkeitsdebatte, sondern als konkrete Bedrohung für Investitionen, Unternehmensnachfolgen und Planungssicherheit. Die Feuer-Tragödie von Crans-Montana hat gezeigt, wie schnell Urlaubsidylle in eine Katastrophe kippen kann, wenn Sicherheit, Organisation und Verantwortung versagen. Grönland ist endgültig aus dem Winterschlaf ins Zentrum geopolitischer Interessen gerückt: Rohstoffe, Militärstrategien und Einflusszonen verdrängen die lange gepflegte Illusion politischer Neutralität. Fünf Ereignisse, fünf Schauplätze – und doch ein gemeinsamer Nenner: Stabilität ist keine Selbstverständlichkeit mehr – sie ist die Ausnahme.

Was diese Lage für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet, zeigen unsere drei Beiträge in diesem Newsletter sehr konkret. Zunächst blicken wir auf ein Thema, das inzwischen jede Beschönigung überlebt hat: Die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland haben ein 10-Jahres-Hoch erreicht. Es trifft längst nicht mehr nur schlecht aufgestellte Betriebe. Hohe Energiekosten, Finanzierungsschwierigkeiten und strukturelle Schwächen setzen vor allem den Mittelstand unter Druck – mit spürbaren Folgen für Arbeitsplätze und Gläubiger.

Daran schließt sich die Frage an, wie es um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland tatsächlich bestellt ist. Eine aktuelle Studie legt offen, was viele ahnen: Der Reformstau ist real, die Kostenbelastung hoch und die Abhängigkeiten groß. Digitalisierung, Innovation und Gründungsdynamik kommen nicht aus dem Quark – und die Zeit, in der sich Deutschland auf seine industrielle Vergangenheit verlassen konnte, ist vorbei. Im dritten Beitrag wechseln wir die Perspektive vom Unternehmen zum privaten Haushalt. Der Hauskauf wird für immer mehr Menschen zur Illusion. Nicht die monatliche Rate ist das Problem, sondern der Einstieg: Eigenkapital, Steuern und Nebenkosten versperren breiten Teilen der Bevölkerung den Zugang zu Wohneigentum. Vermögensbildung wird damit zunehmend zur Frage der Herkunft – mit allen Folgen für soziale Stabilität und Generationengerechtigkeit.

So schließt sich der Kreis zum Anfang: Ob staatliche Ordnung, wirtschaftliche Tragfähigkeit oder private Lebensplanung – überall zeigen sich Bruchlinien. Die Welt ist in Bewegung, und viele Gewissheiten sind es auch. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob wir die Probleme erkennen. Sondern, ob wir bereit sind, die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Ihr
Patrik-Ludwig Hantzsch