Deutschland wächst endlich wieder. Nur warum eigentlich?
Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt sie noch, die guten Botschaften aus der deutschen Wirtschaft. Man muss nur lange genug danach suchen. Nun haben uns die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute die Arbeit abgenommen und ihre Wachstumsprognose für 2026 kräftig angehoben! Immerhin 1,3 Prozent soll unsere Wirtschaft in diesem Jahr zulegen. Die Bundesregierung verweist nicht ohne Stolz (und mit einem hörbaren Aufatmen) auf die gute Nachricht als Folge ihrer Politik. Endlich Aufschwung!
Nur hat die Sache einen Haken – oder besser gesagt mehrere. Denn Deutschlands Wirtschaft wächst wieder, allerdings nicht unbedingt aus eigener Kraft. Der Staat gibt Milliarden aus und die Exporte laufen besser als erwartet. Das ist zunächst erfreulich. Doch ausgerechnet dort, wo das Fundament unseres Wohlstandes liegt – im Mittelstand – sieht es weiterhin ziemlich düster aus.
Unsere aktuelle Creditreform Studie „Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand“ liefert dafür eine bemerkenswerte Zahl: Nur noch 37,3 Prozent der mittelständischen Unternehmen wollen investieren. So wenige wie seit 20 Jahren nicht mehr! Vertreter aus Politik, Verbänden und NGOs fordern Deutschlands Transformation, mehr und schnellere Digitalisierung sowie Wettbewerbsfähigkeit. Die Betriebe sollen durch Investitionen die Voraussetzungen dafür schaffen. Doch das können sie nicht. Nicht unter diesen Umständen. Es fehlen Geld, Planungssicherheit und die Zuversicht, dass dieses Land die Kraft für die nötigen Reformen hat.
Und als wären die hausgemachten Probleme nicht schon groß genug, kommt die nächste Belastung buchstäblich den Rhein herunter. Oder eben auch nicht. Das extreme Niedrigwasser trieb die Transportkosten in die Höhe und zwang bzw. zwingt Unternehmen, ihre Produktion einzuschränken. Auch das zeigt, wie anfällig unser Wirtschaftsstandort inzwischen geworden ist.
Natürlich sollten wir uns über jedes zusätzliche Zehntelprozent Wachstum freuen, dabei aber nicht vergessen, dass ein Aufschwung, der vor allem vom Staat finanziert wird, keine wirtschaftliche Gesundung ist. Er verschafft unseren Unternehmen bestenfalls Zeit. Und die sollten wir besser nutzen und nicht einfach auf das nächste Konjunkturwunder hoffen.
In dieser Ausgabe unseres Newsletters schauen wir deshalb genauer hin: Was steckt hinter den neuen Wachstumsprognosen? Warum investieren mittelständische Unternehmen so wenig wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr? Und weshalb wird ausgerechnet der niedrige Wasserstand des Rheins zunehmend zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Risiko?
Ihr
Patrik-Ludwig Hantzsch