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Creditreform Zahlungsindikator Deutschland – Sommer 2026
Das durchschnittliche Zahlungsziel stieg im 1. Halbjahr 2026 auf den höchsten Stand seit 2019. Unter den Betrieben verfestigt sich allerdings eine Zweiklassengesellschaft. Großunternehmen erhielten im Schnitt gut neun Tage länger Zeit zum Bezahlen als kleine und mittlere Unternehmen. Bei Letzteren erhöhte sich auch deshalb der Zahlungsverzug.

Lieferanten räumen Kunden mehr Zeit zum Bezahlen ein
Der Trend zu längeren Zahlungszielen setzte sich in den vergangenen Monaten fort. Das zeigt eine Auswertung des Creditreform Debitorenregisters für deutsche Unternehmen. Lieferanten und Kreditgeber gewährten ihren Kunden demnach im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich ein Zahlungsziel von 32,21 Tagen. Das waren 0,75 Tage mehr als im Vorjahreszeitraum und gut zwei Tage mehr als noch im Jahr 2023.
„Im Zuge der angespannten Wirtschaftslage haben Lieferanten ihre Zahlungsfristen ausgeweitet. Vor allem die sprunghaft gestiegenen Material- und Kraftstoffpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten belasteten in den vergangenen Monaten viele Unternehmen. Hier war ein Entgegenkommen der Kreditgeber erforderlich“, kommentiert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Hantzsch weiter: „Von der Ausweitung der Zahlungsfristen profitieren allerdings häufig nur große, bonitätsstarke Abnehmer, die gegenüber ihren Lieferanten eine entsprechend starke Verhandlungsposition haben.“
Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten wurde durchschnittlich ein Zahlungsziel von 35,51 Tagen gewährt. Das waren drei Tage mehr als noch 2023. Kleinunternehmen wurde dagegen lediglich eine Zahlungsfrist von 26,37 Tagen eingeräumt.
Kleine und mittlere Unternehmen zahlen später
Im 1. Halbjahr 2026 war ein deutlicher Anstieg des Zahlungsverzugs bei kleinen und mittleren Unternehmenskunden gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen. Deren Lieferanten und Kreditgeber meldeten eine durchschnittliche Überfälligkeit von 10,52 Tagen (+ 0,78 Tage) bei kleinen und 10,66 Tagen (+ 1,87 Tage) bei mittleren Unternehmen. Für Gläubiger bedeutet dies ein erhöhtes Risiko. Großkunden mit mehr als 250 Beschäftigten beglichen ihre Rechnungen dagegen mit einer durchschnittlichen Verzögerung von lediglich 6,71 Tagen (- 0,20 Tage).
„Kleine und mittlere Unternehmen stehen in der aktuellen Wirtschaftskrise unter besonderem Druck. Sie erhalten kaum längere Zahlungsziele und müssen gleichzeitig steigende Kosten schultern“, erklärt DRD-Experte Jörg Urbscheit. „Fast 80 Prozent aller Debitoren sind kleine Unternehmen. Durch regelmäßige Bonitätsprüfungen und eine konsequente Überwachung der Zahlungseingänge können sich Lieferanten wirksam gegen mögliche Zahlungsausfälle absichern“, ergänzt Urbscheit.

Zahlungsverzug bleibt bei rund acht Tagen
Die durchschnittliche Verzugsdauer überfälliger Rechnungen lag im 1. Halbjahr 2026 bei 8,14 Tagen. Das war erneut ein niedriger Wert (1. Halbjahr 2025: 7,89 Tage). Bis 2023 waren Zahlungsverzüge von mehr als zehn Tagen im B2B-Geschäft üblich. Die längeren Zahlungsziele haben tendenziell also zu einer Verkürzung der Verzugsdauer beigetragen.
Geschäftsvolumen gesunken
Das ausstehende Forderungsvolumen pro Schuldner verringerte sich weiter. Im 1. Halbjahr 2026 lag es bei 19.564 Euro – rund 4.000 Euro weniger als noch vor zwei Jahren. Auch der durchschnittliche Rechnungswert im B2B-Geschäft sank von 1.960 auf 1.899 Euro.
Für die Studie analysierte die Creditreform Wirtschaftsforschung rund vier Millionen überfällige Rechnungsbelege aus dem Creditreform Debitorenregister Deutschland (DRD).
„Die aktuelle Entwicklung dürfte mit der schwachen Konjunktur zusammenhängen. Das gesamte Transaktionsvolumen ist dadurch zurückgegangen. Gleichzeitig kann diese Entwicklung als Zeichen eines verbesserten Risikomanagements gewertet werden. Die Vergabe von Lieferantenkrediten erfolgt nach strengeren Vorgaben, wodurch besonders risikoreiche Kunden ausgeschlossen werden. Viele Lieferanten konnten auf diese Weise finanziell stabilere Kunden gewinnen“, erläutert Dr. Michael Kresse, Ansprechpartner Vertrieb für DRD.
Gläubiger warten 40 Tage auf ihr Geld
Durch die Ausweitung der Zahlungsziele ist die durchschnittliche Forderungslaufzeit um einen Tag auf 40,35 Tage gestiegen. Lieferanten mussten entsprechend länger auf den Zahlungseingang für gelieferte Waren und erbrachte Leistungen warten. Besonders lange Forderungslaufzeiten zeigen sich derzeit bei Geschäftsbeziehungen mit dem Baugewerbe, den unternehmensnahen Dienstleistern sowie dem Einzelhandel. Trotz des jüngsten Anstiegs liegt die Außenstandsdauer weiterhin deutlich unter früheren Werten. Zwischen 2016 und 2021 betrug sie zeitweise mehr als 42 Tage.
„Lieferanten und Kreditgeber müssen derzeit Kompromisse eingehen. Sie räumen ihren Kunden mehr Zeit für die Begleichung offener Rechnungen ein. Dass diese Strategie funktionieren kann, zeigen die derzeit geringe Verzugsdauer und die vergleichsweise niedrigen Forderungsbestände“, fasst Hantzsch die Ergebnisse zusammen. „Allerdings könnte sich die Lage schnell verschlechtern, wenn die Konjunktur nicht bald wieder anspringt“, warnt Hantzsch.
Datenbasis:
- Zu rund 1,23 Mio. Firmen aus 1.154 Branchen liegen Zahlungsinformationen im Debitorenregister Deutschland (DRD) vor.
- Das gesamte Belegvolumen beträgt rund 90 Mrd. Euro.
- In die aktuelle Auswertung wurden rund 4,0 Mio. überfällige Belege mit einem wertmäßigen Volumen von 7,3 Mrd. Euro einbezogen.
- Die Auswertungen zum Zahlungsverhalten beruhen auf überfälligen, aber ausgeglichenen Belegen.
Der nächste „Creditreform Zahlungsindikator Deutschland“ erscheint im Februar 2027.
Ansprechpartner:
Patrik-Ludwig Hantzsch
Leitung Wirtschaftsforschung
Tel.: 02131/109-172
E-Mail: p.hantzsch@verband.creditreform.de
Jörg Urbscheit
Business Analyst DRD
Tel.: 02131/109-179
E-Mail: j.urbscheit@verband.creditreform.de
Dr. Michael Kresse
Vertriebsunterstützung DRD
Tel.: 02131/109-5217
E-Mail: m.kresse@verband.creditreform.de