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Unternehmensinsolvenzen in der Region Mittelrhein im ersten Halbjahr 2026

Fallzahlen erreichen im April ihren Höchststand – wirtschaftliche Auswirkungen konzentrieren sich auf wenige größere Unternehmen.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland stieg im 1. Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf 12.900 Fälle – das ist der höchste Stand seit 2013. Das zeigt eine aktuelle Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession sind viele Unternehmen finanziell geschwächt. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Öl- und Energiepreisschock hat die Situation zusätzlich verschärft. Auch bei den Privatpersonen stiegen die Insolvenzzahlen weiter. Im 1. Halbjahr 2026 wurden rund 38.800 (plus 2,3 Prozent zum Vorjahr) Verbraucherinsolvenzen gemeldet.

In der Region Mittelrhein wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 174 Unternehmensinsolvenzen erfasst. Die Auswertung enthält Unternehmenspleiten im Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2026. Für 59 der insolventen Unternehmen liegen statistische Umsatzangaben vor. Diese summieren sich auf ein Ausfallvolumen von 117,3 Millionen Euro. Zu 85 Unternehmen sind zudem auch Mitarbeiterzahlen verfügbar. Demnach waren insgesamt 1.152 Beschäftigte betroffen.

 

Koblenz und Neuwied mit den höchsten Fallzahlen
Die meisten Insolvenzen wurden in Koblenz und Neuwied registriert. In Koblenz wurden 20 Fälle verzeichnet, in Neuwied waren es 15 Fälle. Das entspricht einem Fünftel aller erfassten Fälle.  Es folgten Andernach mit neun sowie Ransbach-Baumbach und Mülheim-Kärlich mit jeweils sieben Insolvenzen - in Bendorf wurden fünf Fälle erfasst. Auf Bad Ems und Montabaur entfielen jeweils vier Insolvenzen.

Unternehmen der Stadt Koblenz tragen zugleich den höchsten Beitrag bei den Umsatzausfällen. Die dort betroffenen Unternehmen kommen zusammen auf 20,5 Millionen Euro. In Neuwied wurden 128 betroffene Beschäftigte ausgewiesen. Auch Orte mit wenigen Fällen weisen eine hohe wirtschaftliche Betroffenheit auf. Dazu zählen insbesondere Montabaur, Rhens, Plaidt und Cochem. In diesen Orten sind mehrere größere Arbeitgeber betroffen.

April mit den meisten Insolvenzen
Im ersten Quartal stieg die Zahl der Insolvenzen zunächst deutlich an. Im April wurde mit 37 Fällen der höchste Monatswert erreicht. In den beiden folgenden Monaten sank die Zahl jeweils auf 25 Fälle.

Monat

Insolvenzen

Ausgewiesener Umsatz

Ausgewiesene Beschäftigte

Januar

20

12,1 Mio. Euro

299

Februar

34

29,1 Mio. Euro

133

März

33

26,9 Mio. Euro

277

April

37

3,5 Mio. Euro

40

Mai

25

25,3 Mio. Euro

333

Juni

25

20,4 Mio. Euro

70

Die wirtschaftlichen Auswirkungen entwickelten sich jedoch nicht parallel zu den Fallzahlen. Der höchste ausgewiesene Umsatz entfiel auf den Februar. Die meisten betroffenen Beschäftigten wurden im Mai erfasst.

Wenige größere Unternehmen prägen die Umsatzsumme
Die höchsten Umsatzwerte entfallen auf einzelne Unternehmen. Dazu gehören die Rhenser Mineralbrunnen GmbH aus Rhens mit 18,1 Millionen Euro und Jens Ewen Handel mit Fisch aus Koblenz mit 12,4 Millionen Euro.

Auf die Prävention-mit-Kopf GmbH aus Andernach entfielen 11,4 Millionen Euro. Die Forum Pflege Holding GmbH aus Montabaur erreichte 8,8 Millionen Euro. Bei der Antriebstechnik Saftig GmbH aus Plaidt wurden 8,5 Millionen Euro ausgewiesen. Auf die GRABO Projektbau GmbH aus Bad Ems entfielen 6,9 Millionen Euro. Auf diese sechs Fälle entfallen zusammen rund 76 Millionen Euro des ausgewiesenen Umsatzes. Damit wird ein großer Teil der bekannten Umsatzsumme von wenigen Unternehmen bestimmt.

„Die Umsatzsummen werden in der Region Mittelrhein vor allem durch einzelne größere Unternehmen geprägt“, sagt Daniel Meyer, Pressesprecher Creditreform Koblenz. „Deshalb lassen sich die wirtschaftlichen Folgen nicht allein anhand der Fallzahlen beurteilen.“

Mehr als 1.100 Beschäftigte betroffen
Besonders viele Beschäftigte arbeiten in den folgenden insolventen Unternehmen: Die Forum Pflege Holding GmbH aus Montabaur beschäftigte 180 Mitarbeiter. Bei der Rhenser Mineralbrunnen GmbH aus Rhens waren 137 Beschäftigte betroffen. Die Antriebstechnik Saftig GmbH aus Plaidt beschäftigte 110 Mitarbeiter.

Auf die Francisco Deutschland GmbH aus Cochem entfielen 84 Beschäftigte. Bei der Schunk 2.0 GmbH aus Neuwied waren 72 Mitarbeiter betroffen. Die SEVEN Personalservice GmbH aus Neuwied beschäftigte 50 Mitarbeiter. Diese sechs Unternehmen beschäftigen zusammen 633 Mitarbeiter. Das entspricht mehr als der Hälfte aller ausgewiesenen Beschäftigten.

Bau, Verkehr und Gastronomie besonders häufig vertreten
Bei den Branchen zeigen sich mehrere Schwerpunkte. Die Insolvenzen betreffen damit ein breites Spektrum. Dazu gehören das Baugewerbe, Verkehr und Logistik, Gastronomie sowie verschiedene Dienstleistungen. Besonders häufig vertreten sind Unternehmen, die Isolierungen einbauen oder Güter im Straßenverkehr befördern. Auch Schankwirtschaften und Speditionen sind mehrfach unter den betroffenen Unternehmen vertreten.

Weitere Drehpunkte bilden Dachdeckereien und Bauspenglereien. Auch der Einzelhandel ist unter den Insolvenzfällen vertreten.

Fallzahlen zeigen nicht die gesamte wirtschaftliche Wirkung
Die Auswertung zeigt ein vielfältiges Insolvenzgeschehen in der Region Mittelrhein. Die Fallzahlen konzentrieren sich besonders auf Koblenz, Neuwied und weitere Orte im nördlichen Rheinland-Pfalz. Die finanziellen und beschäftigungspolitischen Folgen verteilen sich jedoch anders. Sie werden vor allem durch einzelne größere Unternehmen geprägt.

„Einzelne größere Insolvenzen können für eine Region weitreichende Folgen haben“, erklärt Daniel Meyer. „Betroffen sind nicht nur die Beschäftigten. Auch Lieferanten, Dienstleister und weitere Geschäftspartner können unter den Auswirkungen leiden. Für die kommenden Monate sehen wir für Unternehmen keine Atempause auf diesem Gebiet.“

Die Auswertung von Creditreform Koblenz basiert auf verschiedenen Datenquellen. Umsatz- und Mitarbeiterangaben liegen nicht für alle Unternehmen vollständig vor. Die genannten Umsatz- und Beschäftigtenzahlen beziehen sich daher ausschließlich auf die Fälle mit verfügbaren Angaben.

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