Schließungszahlen: Deutschland verliert zu viele gesunde Betriebe
In Deutschland haben im vergangenen Jahr so viele Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit eingestellt wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus einer gemeinsamen Untersuchung von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hervor. Demnach wurden im Jahr 2025 bundesweit rund 188.000 Unternehmen geschlossen. Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

„Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft. Die Zahl der Marktaustritte steigt deutlich an. Große Unternehmen und Konzerne beherrschen derzeit die Nachrichten. Die Zahl an kleinen und mittleren Unternehmen, die leise verschwinden, ist aber ist um ein Vielfaches größer,“ sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Pressesprecher von Creditreform in Neuss. Hantzsch berichtet weiter, dass mittlerweile auch Unternehmen mit guter oder zumindest mittlerer Bonität schließen müssen.
„Anders als in früheren Jahren beenden nun auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit. Das geht zunehmend an die Substanz des Landes“, so Hantzsch. Dieser Trend sei nicht allein auf Finanzierungsschwierigkeiten zurückzuführen. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: technologischer Wandel, zunehmender Wettbewerbsdruck und Arbeitskräftemangel.
Als weiteren Grund für die steigende Zahl der Firmenschließungen nennt die Untersuchung die demografische Entwicklung. „Immer mehr Betriebe schließen, weil Firmeninhaber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden. Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgt mittlerweile aus Altersgründen – deutlich mehr als noch vor 10 oder 15 Jahren“, sagt Dr. Sandra Gottschalk, Senior Researcher beim ZEW Mannheim. Gottschalk weiter: „Die Mehrzahl der Geschäftsaufgaben, etwa 87 Prozent, erfolgt dabei ohne Insolvenzverfahren und nahezu geräuschlos. Lediglich rund 13 Prozent der im Jahr 2025 erfassten Unternehmensschließungen gehen auf ein Insolvenzverfahren zurück.“
11.000 Industrieunternehmen gaben auf
Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich der Anstieg der Schließungszahlen leicht abgeschwächt fortgesetzt. Gut 11.000 Industrieunternehmen haben 2025 ihren Betrieb eingestellt, was einem Plus von zehn Prozent entspricht. Auch das Baugewerbe verzeichnete erneut eine hohe Zahl an Firmenschließungen: Rund 24.000 Bauunternehmen wurden geschlossen – zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.
Viele Betriebsschließungen gab es zudem im Gastgewerbe. Im Jahr 2025 stellten gut 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen ihren Betrieb ein (plus 15 Prozent). Die schwierige Lage der Branche wird zusätzlich durch die Zurückhaltung der Verbraucher, die starke Konkurrenz von Lieferdiensten und den Mangel an Arbeitskräften verschärft. Im Handel nahmen die Schließungen zuletzt jedoch ebenfalls wieder zu (plus 8 Prozent).
Gesundheitsbranche in der Krise
Einen erneut starken Anstieg der Schließungen gab es im Gesundheitswesen. Die seit etwa zehn Jahren anhaltende Negativentwicklung setzte sich fort. Die Zahl der Schließungen in diesem Bereich ist mittlerweile etwa doppelt so hoch wie im Jahr 2008. Mit insgesamt rund 11.000 Marktaustritten im Jahr 2025 wurde der Vorjahreswert um zwölf Prozent übertroffen.
Besonders betroffen waren hierbei Arztpraxen: Bundesweit wurden knapp 5.500 Praxen geschlossen – ein Plus von 23 Prozent gegenüber 2024. Überdurchschnittlich hoch war die Schließungsrate auch bei Gesundheitsdiensten in ländlichen Regionen. „Die steigenden Schließungszahlen im Gesundheitswesen zeigen die äußerst schwierige Lage der Branche. Trotz vieler Menschen, die ein höheres Alter erreichen, sinkt so die flächendeckende medizinische Versorgung, beispielsweise durch Apotheken und Fachärzte“, so Hantzsch.
Bremen besonders stark betroffen
Regional betrachtet weist das Land Bremen die höchste Schließungsrate auf. Dort sind 7,8 Prozent aller Unternehmen, die 2024 noch bestanden, inzwischen vom Markt verschwunden. Hohe Schließungsraten sind zudem in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen zu verzeichnen. Vergleichsweise gering fielen die Schließungsraten dagegen unter anderem in Baden-Württemberg und Hamburg aus (jeweils 5,3 Prozent). Neben Bremen und Schleswig-Holstein (jeweils plus 21 Prozent) verzeichnete auch Rheinland-Pfalz (plus 16 Prozent) 2025 einen überdurchschnittlich starken Anstieg der Unternehmensschließungen.
Inhaltliche Rückfragen beantwortet:
ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische
Wirtschaftsforschung GmbH, Mannheim
Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik
Frau Dr. Sandra Gottschalk
Senior Researcher
Tel.: +49 621 1235-267
E-Mail: sandra.gottschalk@zew.de
Internet: www.zew.de
Hinweis zur Methodik:
Die Berechnung der Schließungszahlen wurde angepasst. Bei im Handelsregister eingetragenen Unternehmen gilt nun – sofern durch Creditreform bereits früher festgestellt – das Datum der Geschäftseinstellung statt das der späteren Handelsregisterlöschung als Schließungsdatum. Dadurch wurde die Zeitreihe rückwirkend revidiert.
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