Regionale Konjunktur macht Trippelschritt nach vorn - Aufschwung bleibt aber aus

Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft hat sich zur Jahresmitte 2026 leicht verbessert. Der aktuelle Konjunkturklimaindex für die Wirtschaftsregion Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim steigt gegenüber dem Jahresbeginn von 79 auf 86 Punkte. Damit macht die Konjunktur zwar einen Schritt nach vorn, bleibt aber weiterhin deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt und weit entfernt von einer nachhaltigen Erholung. Diese Kernergebnisse stellten die IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim und Creditreform Osnabrück/Nordhorn Unger KG jetzt gemeinsam vor.

„Die Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten etwas stabilisiert. Besonders erfreulich ist, dass sich die Geschäftslage deutlich verbessert hat und erstmals seit drei Jahren wieder in die Nähe des neutralen Bereichs rückt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf. Der Saldo der Lagebewertungen steigt von minus 15 auf minus 3 Punkte. Gleichzeitig bleiben die Unternehmen mit Blick auf die kommenden Monate zurückhaltend. Der Erwartungssaldo liegt per Saldo weiterhin bei minus 23 Punkten. Die größten Konjunkturrisiken aus Sicht der Unternehmen sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die schwache Inlandsnachfrage sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise.

Die aktuellen Creditreform-Daten bestätigen das Bild einer Wirtschaft zwischen Stabilisierung und anhaltendem Belastungsdruck. Die durchschnittliche Ausfallquote – also der Anteil der Unternehmen, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können oder wirtschaftlich als Ausfall gelten – liegt im IHK-Bezirk zur Jahresmitte 2026 bei 1,5 Prozent und damit nahezu unverändert auf dem Niveau des Jahresendes 2025. Im Vergleich zum Vorjahr fällt die Entwicklung sogar leicht günstiger aus. Die Region präsentiert sich damit insgesamt robuster als der Bund. Dort stieg die durchschnittliche Ausfallquote zuletzt von 1,88 auf 1,93 Prozent.

Hinter dem insgesamt positiven Vergleich mit dem Bund verbergen sich allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Während sich die Ausfallquoten in Bauwirtschaft, Handel sowie im Bereich Verkehr und Lagerei gegenüber dem Jahresende 2025 stabil oder sogar rückläufig entwickeln und weiterhin besser als im Bundesdurchschnitt entwickeln, bereitet insbesondere die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe Sorge. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang steigt die Ausfallquote dort wieder deutlich auf 2,0 Prozent und liegt damit über dem Bundeswert von 1,7 Prozent. Die größten Probleme bestehen weiterhin im Gastgewerbe. Dort hat sich die Ausfallquote binnen sechs Monaten von 2,9 auf 3,8 Prozent erhöht. Bundesweit liegt sie sogar bei 4,2 Prozent.

Hinter den Ausfallquoten stehen dabei nicht nur statistische Kennzahlen, sondern ganz konkrete wirtschaftliche Folgen für die Region. Nach der aktuellen Auswertung von Creditreform sind im IHK-Bezirk mindestens 4.200 Beschäftigte von Ausfallunternehmen betroffen. Die 100 größten Ausfälle stehen allein für mehr als 450 Millionen Euro Umsatz und rund 3.500 Arbeitsplätze.

„Die Wirtschaft im IHK-Bezirk zeigt sich zur Jahresmitte zwar etwas stabiler als im Bund. Das ist ein positives Signal. Für Entwarnung ist es aber zu früh. Viele Unternehmen haben an finanzieller Widerstandskraft verloren. Umso wichtiger sind verlässliche und leistungsfreundliche Rahmenbedingungen für den Mittelstand“, sagt Armin Trojahn, Prokurist von Creditreform Osnabrück/Nordhorn.

Mit Blick auf die jüngsten Beschlüsse des Koalitionsausschusses sehen Creditreform und IHK wichtige Signale für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Positiv bewertet werden insbesondere die angekündigten Schritte zum Bürokratieabbau, die geplanten Erleichterungen bei Genehmigungsverfahren sowie die längere sachgrundlose Befristung. „Viele dieser Maßnahmen greifen langjährige Forderungen der Wirtschaft auf. Jetzt kommt es darauf an, dass sie schnell und unbürokratisch umgesetzt werden und tatsächlich in den Betrieben ankommen“, so Trojahn und Graf.

Gleichzeitig bleibe der Handlungsbedarf groß. So fehle bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten weiterhin ein wichtiger Baustein zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Zudem entwickeln sich die Arbeitskosten für viele Unternehmen in die falsche Richtung. Auch bei den Energiekosten bleiben spürbare Entlastungen bislang aus. „Bürokratieabbau allein wird nicht reichen. Deutschland braucht wettbewerbsfähige Energiekosten, eine Begrenzung der Arbeitskosten und deutlich mehr Tempo bei Planungs- und Genehmigungsverfahren. Die Bundesregierung muss sich letztlich daran messen lassen, was tatsächlich bei den Unternehmen ankommt“, so Graf.

Hintergrund: Die IHK-Konjunkturumfrage zum 2. Quartal 2026 wurde vom 18. Juni 2026 bis zum 6. Juli 2026 durchgeführt. 262 Unternehmen nahmen teil.

Detaillierte Ergebnisse der Umfrage sind unter www.ihk.de/osnabrueck (Nr. 7116174) abrufbar. Der Regionen-Risiko-Check von Creditreform ist hier abrufbar: www.creditreform.de/osnabrueck/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/der-regionencheck-7

Weitere Informationen: IHK, Christian Weßling, Tel.: 0541 353-135 oder E-Mail: wessling@osnabrueck.ihk.de