Pressemeldungen, Fachbeiträge & Neuigkeiten

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Creditreform Magazin

Schwarze Schafe entdecken

Wer ist ein stabiler Geschäftspartner? Das ist derzeit schwerer denn je zu erkennen. Staatliche Hilfszahlungen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verschleiern die wahre Verfassung vieler Unternehmen. Creditreform sorgt mit Monitoring-Lösungen und Portfolioanalysen für Transparenz.

Es war schon weit nach 22 Uhr, als Rolf Schmücker an einem Samstag Ende März online den „Antrag auf NRW-Soforthilfe 2020“ stellte. In weniger als 15 Minuten hatte der Inhaber eines Geschäfts für Geschenkartikel das Formular ausgefüllt und die Daten übermittelt. „Schon am folgenden Dienstag war das Geld auf meinem Konto“, berichtet der Krefelder. Ähnliche Erfahrungen wie Schmücker machten in den Wochen des Shutdowns viele kleine Unternehmen und Soloselbstständige. Bund und Länder überwiesen in Rekordgeschwindigkeit nicht rückzahlbare Milliardenbeträge, um Umsatz- und Einnahmeverluste auszugleichen. Zusätzlich sorgte die staatliche Förderbank KfW mit Überbrückungskrediten dafür, dass Unternehmen liquide blieben. Auch Sparkassen und Volksbanken, traditionell wichtige Finanzpartner des Mittelstands, weiteten ihre Kreditvergabe zuletzt kräftig aus. Allein die Sparkassen sagten im April 10,3 Milliarden Euro zu; das waren 2,3 Milliarden Euro oder 22 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. 

Dank Soforthilfen, Überbrückungszahlungen und Krediten haben in den vergangenen Wochen nur wenige Unternehmen aufgeben müssen. Das Statistische Bundesamt registrierte im April 13,4 Prozent weniger Insolvenzen als zwölf Monate zuvor. Dazu beigetragen hat auch die rückwirkend zum 1. März gesetzlich verfügte Aussetzung der Insolvenzantragspflicht. Zuvor musste ein in Bedrängnis geratenes Unternehmen spätestens drei Wochen nach Eintreten des Insolvenzgrunds einen Insolvenzantrag stellen.

Insolvenzwelle im Herbst

Wenn in diesen Wochen die Wirtschaft wieder hochfährt, kommt es zur Bewährungsprobe, insbesondere für Hilfeempfänger: Es muss sich zeigen, ob ihr Geschäftsmodell in der neuen Normalität tragfähig ist. Oder: Ob sie in der Lage sind, es an die nunmehr geltenden Gegebenheiten anzupassen. Manches Unternehmen, das sich zuletzt durch Liquiditätshilfen Luft verschafft hat, steckte bereits vor der Pandemie in Schwierigkeiten und wird nun – wenn es schlecht läuft – möglicherweise zeitverzögert die Türen schließen müssen. „Wir gehen davon aus, dass im Herbst eine Insolvenzwelle anrollen wird“, sagt Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Vereine Creditreform.

Das ist auch für kerngesunde Unternehmen eine bedrohliche Aussicht. Denn sie müssen fürchten, mit in den Abwärtssog zu geraten – indem sie mit Partnern Geschäfte machen, für die sie am Ende kein Geld erhalten. Welche Löcher das reißen kann, zeigt ein einfaches Beispiel: Ein Betrieb mit einer Umsatzrendite von vier Prozent, der eine Forderung in Höhe von 10.000 Euro abschreiben muss, benötigt einen Mehrumsatz von 250.000 Euro, um diese Lücke zu füllen. Nur noch gegen Vorkasse zu liefern, um kein Risiko einzugehen, ist auch keine Lösung. „Das verlangsamt die Prozesse, bremst Lieferketten aus – und findet beim Kunden keine Akzeptanz“, betont Ulbricht.

Der Königsweg lautet: für maximale Transparenz sorgen. Denn wer viel über seine Geschäftspartner weiß, kann das Ausfallrisiko vergleichsweise gut abschätzen und seine Prozesse entsprechend gestalten. Als verlässlicher Lieferant von belastbaren und aktuellen Wirtschaftsinformationen sind die Dienste von Creditreform in diesen Wochen besonders gefragt. Deren Experten werten in jedem Monat etwa neun Millionen Rechnungen aus. Sie erkennen somit zeitnah, wie sich das Zahlungsverhalten einzelner Unternehmen verändert. Zudem sorgt die breite Aufstellung mit 128 Standorten dafür, dass die Analysten engen Kontakt zu den Unternehmen ihrer Region halten und somit Risiken früh erkennen.

Mehr über Geschäftspartner erfahren

„Wir verzeichnen seit März eine verstärkte Nachfrage nach allen unseren Auskunftsprodukten. Die Unternehmen erkennen, dass sie Prävention betreiben müssen – nicht nur mit Blick auf ihre Kunden, sondern auch hinsichtlich ihrer Lieferanten, denn deren Ausfall kann schnell einen Stopp der eigenen Produktion auslösen“, beobachtet Thomas Schulz, verantwortlich für Vertrieb und Wirtschaftsinformation bei Creditreform Dresden.

Besonders gefragt sind Monitoring-Produkte, also Lösungen, die Unternehmen zeitnah über Veränderungen bei Kunden oder Lieferanten informieren, die sich unmittelbar auf die Zahlungsfähigkeit auswirken. „Wer kleine Risiken absichern möchte oder im Rahmen eines großen Portfolios bei einzelnen Geschäftsbeziehungen auf dem neusten Stand sein will, entscheidet sich häufig für die Produkte Signal Bonität beziehungsweise Signal Adresse“, sagt Jutta Büchel, Produktmanagerin Wirtschaftsinformation bei Creditreform. In diesen Fällen erhält der Kunde einen kurzen Hinweis per E-Mail, wenn sich die Bonität signifikant ändert oder der Geschäftspartner umzieht. Wünscht er zusätzliche Informationen, bucht er ein weiteres Auskunftsprodukt, etwa eine Wirtschaftsauskunft. Wer sich für die Produkte Monitoring oder Monitoring Plus entscheidet, erhält zeitnah umfassende Informationen, sobald sich Bonität oder Stammdaten der beobachteten Unternehmen ändern.

Verborgene Risiken, so erläutert Jutta Büchel, lassen sich häufig mit einer Portfolioanalyse von Creditreform aufspüren. „Dabei wird das Kundenportfolio nach unterschiedlichen Struktur- und Risikoaspekten analysiert. So zeigen sich beispielsweise Klumpenrisiken.“ Bei existenzgefährdenden Risiken rät die Produktmanagerin zum Abschluss einer Warenkreditversicherung, die Creditreform über Partner wie Atradius und R+V Versicherungen anbietet und die aktuell ebenfalls stark nachgefragt wird. „Der Mix aus allen Produkten ermöglicht es den Kunden, ihre Geschäftspartner wirkungsvoll zu überwachen und die richtigen Entscheidungen zu treffen“, fasst Thomas Schulz zusammen.

Sein Rat: Abläufe im Forderungsmanagement und in der Risikobewertung neu denken. Es sei gefährlich, wenn Unternehmen aufgrund langjähriger Geschäftsbeziehungen darauf vertrauten, ihre Kunden gut zu kennen, und keine weiteren Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. „Die Corona-Krise beschleunigt viele Veränderungsprozesse. Was früher Jahre gedauert hätte, passiert nun innerhalb von Monaten. Deshalb ist es so wichtig, zusätzliche Informationen einzuholen und Abläufe anzupassen“, sagt Schulz. Er hat eine einfache Erklärung, warum dies vielen Unternehmen schwerfällt: „Nach neun Boom-Jahren ist der Blick für Risiken nicht mehr geschärft. Und viele junge Unternehmer erleben gerade ihre erste Krise überhaupt. Sie verfügen über keine Erfahrungen auf diesem Feld.“

Eigene Finanzkommunikation verbessern

Viel Zeit zum Lernen gibt es nicht. Zunächst geht es vor allem darum, durch ein konsequentes Forderungsmanagement die Liquidität zu sichern. „Forderungen bezahlt zu bekommen, um eigene Verbindlichkeiten bedienen zu können, wird in den nächsten Wochen ein Wettlauf, den derjenige gewinnt, der als Erstes startet“, sagt Thomas Schulz. Über das Portal „Meine Creditreform“ ist es besonders einfach, offene Forderungen zum Inkasso zu übergeben: Rechnungen oder Mahnungen hochladen und schon beginnt das wirksame Creditreform-Inkasso.


„Forderungen bezahlt zu bekommen, um eigene Verbindlichkeiten bedienen zu können, wird in den nächsten Wochen ein Wettlauf, den derjenige gewinnt, der als Erstes startet.“
Thomas Schulz, Creditreform Dresden


Um ihre finanzielle Stabilität zu wahren, dürfen Unternehmen ihren Blick jedoch nicht auf Kunden und Lieferanten verengen. Wichtig ist auch eine aktive eigene Finanzkommunikation. „Gerade jetzt sollte jeder darauf achten, welche Informationen Dritte in seiner Creditreform-Auskunft finden, und prüfen, ob es Optimierungsmöglichkeiten gibt, etwa durch eine Zertifizierung der Bonität. Denn diese Angaben werden wiederum verstärkt von Geschäftspartnern, Banken und Kreditversicherern abgefragt“, betont Thomas Schulz.


Liquidität sichern, Risiken minimieren

  • Klare Regeln bei Limitvergabe und Zahlungsarten definieren
     
  • Bonität der wichtigsten Kunden und Lieferanten prüfen und überwachen
     
  • Zahlungsbedingungen in Abhängigkeit von der Bonität anpassen, zum Beispiel Zahlungsziele verkürzen
     
  • Einführung und Pflege von Kreditlimits
     
  • Konsequente, zeitnahe Mahnungen. Nach der zweiten Mahnung strittige Forderungen an den Anwalt und unstrittige Forderungen an den Inkassop­artner abgeben
     
  • Existenzgefährdende Risiken mit einer Warenkreditversicherung absichern

 

Quelle: Magazin "Creditreform"
Text: Stefan Weber