Fachbeiträge &Neuigkeiten

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ESG: Wie Mittelständler Nachhaltigkeitsdaten erheben und kommunizieren

#5 Unternehmen stehen vor der Aufgabe ihre Nach­haltigkeit in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unter­nehmensführung (Environment, Social, Governance, kurz ESG) zähl- und messbar zu machen. So gelingt der Anfang.

Bernd Bütow (CEO des Verbands der Vereine Creditreform) erläutert im Gespräch mit Jana Samsonova (Handelsblatt Media Group), wie wichtig das verantwortungsbewusste Handeln gegenüber Mensch und Umwelt künftig für Unternehmen wird. Messbar wird dies über sogenannte ESG-Kriterien - was das konkret für Mittelständler und die Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit bedeutet, hören Sie hier.

Lesen statt hören: Podcast Folge #5 zum Nachlesen

Jana Samsonova [00:00:00] (Moderatorin): Bisher waren die Regeln recht einfach. Entscheidend für eine Kreditvergabe war die gute Bonität. Doch das allein reicht bald nicht mehr aus. Wie kreditwürdig ein Unternehmen ist, wird in Zukunft auch daran gemessen, wie verantwortungsbewusst das Unternehmen gegenüber Menschen und Umwelt ist. Aufschluss darüber geben die Kriterien Environment, Social und Governance - oder kurz ESG. Was das konkret für Mittelständler bedeutet, welche Timings zu berücksichtigen sind und was Unternehmer jetzt tun sollten, darüber spreche ich mit Bernd Bütow, Geschäftsführer des Verbands der Vereine Creditreform. Mein Name ist Jana Samsonova und damit: Herzlich willkommen bei "Gute Geschäfte". 

Jingle [00:00:39] Gute Geschäfte. Business Wissen in zehn Minuten. Der Creditreform Podcast. 

Jana Samsonova [00:00:56] Hallo Herr Bütow. 

Bernd Bütow [00:00:57] Hallo Frau Samsonova. 

Jana Samsonova [00:00:59] Einerseits scheint das Thema ESG ja allgegenwärtig zu sein. Ob in Wirtschaft oder Gesellschaft, gefühlt sprechen alle davon und das schon seit einer ganzen Weile. Andererseits gewinnt man, sobald man sich mit dem Thema beschäftigt, schnell den Eindruck, als seien viele Fragen rund um ESG noch längst nicht beantwortet. Was macht das Thema Ihrer Meinung nach denn so undurchsichtig? 

Bernd Bütow [00:01:21] Wissen Sie, zum aktuellen Zeitpunkt gibt es bereits eine Vielzahl an Definitionen und ganz unterschiedliche Spieler auf dem Feld der Nachhaltigkeit. Zum einen sind da private Unternehmen zu nennen, zum anderen Gesetzgeber einzelner Länder. Aber auch internationale Organisationen beschäftigen sich hiermit. Was allerdings noch wenig vorhanden ist, sind klare Definitionen zu guten und schlechten Ausprägungen von Unternehmen. Man weiß einfach noch nicht ganz genau, an welchen Kriterien möchte man das festmachen. Aber auf der anderen Seite besteht schon heute ein großer Bedarf, Informationen über die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu erhalten. Und aufgrund dieser Gegensätze, einerseits die Vielzahl an verschiedenen Initiativen und andererseits der unmittelbare Bedarf, gibt es jetzt ganz unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Nachhaltigkeit. Dadurch wird die Vergleichbarkeit von Bewertungen natürlich reduziert. 

Jana Samsonova [00:02:26] Seit Kurzem müssen ja nicht nur die Konzerne, sondern auch kleinere und mittelgroße Unternehmen immer häufiger Fragen zu ihren ökologischen und sozialen Standards beantworten. Dafür sorgen nicht nur der Gesetzgeber und der soziale Druck, sondern zum Beispiel auch Banken und Leasinggesellschaften. Erhoben werden diese Daten unter anderem mithilfe von Fragebögen, die von den Finanzdienstleistern an die Unternehmen geschickt werden. Wofür genau werden diese Daten denn genutzt? 

Bernd Bütow [00:02:51] Diese Daten werden dafür genutzt, die Nachhaltigkeit von Unternehmen quantitativ einzuschätzen. Jedes Unternehmen wird auf die Frage, ob das Thema Nachhaltigkeit heute relevant ist, sicher mit einem "Ja" antworten. Wenn wir allerdings quantitative Daten erheben und nutzen, können wir die Performance der Unternehmen entsprechend vergleichen und einordnen. Darüber hinaus benötigen Finanzdienstleister selbst Informationen zur Nachhaltigkeit ihres Exposures, da auch sie die Frage beantworten müssen, wie nachhaltig ihr Portfolio tatsächlich ist. Zusätzlich ermöglichen es Nachhaltigkeitsdaten, relevante Faktoren für die Geschäftsentwicklung von Unternehmen abzuleiten und einzuordnen. Wenn zum Beispiel ein Unternehmen eine deutlich überdurchschnittliche Fluktuationsrate aufweist, dann liegt der Schluss nahe, dass durch den Verlust von Wissen künftige Ertragspotenziale reduziert werden. Analog dazu: Haben wir Informationen über den CO2 Ausstoß eines Unternehmens, lässt sich einschätzen, ob und wenn ja, wie sehr dieses Unternehmen im Rahmen der Transition der Wirtschaft zu einer Niedrigemissionswirtschaft betroffen sein wird. 

Jana Samsonova [00:04:09] Was genau tut denn jetzt Creditreform, um die mittelständischen Unternehmen in Sachen ESG zu unterstützen? 

Bernd Bütow [00:04:16] Creditreform entwickelt laufend Produkte, die auf die Anforderungen des Mittelstandes zugeschnitten sind. So auch jetzt mit Blick auf ESG. Im ersten Schritt haben wir bereits den Creditreform ESG-Score entwickelt, der die schnelle und genaue Einschätzung der Nachhaltigkeit von Unternehmen erlaubt. Zudem arbeiten wir aktiv an der Erhebung von Nachhaltigkeitsdaten mithilfe von Fragebögen direkt bei Unternehmen. Das ermöglicht uns, die Nachhaltigkeit von Unternehmen einzuschätzen, die keinen eigenen Nachhaltigkeitsbericht aufstellen. Diese Informationen können dann beispielsweise aktiv von Unternehmen in der Kommunikation mit Kunden oder bei Finanzgesprächen genutzt werden. Indem wir diese Daten direkt bei mittelständischen Unternehmen erheben, können auch diese Unternehmen ESG-Daten für interessierte Ansprechpartner bereitstellen und damit wertvolle Informationen dorthin liefern. Zudem entwickeln wir Produkte, die eine Einschätzung der Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette ermöglichen, was besonders für die Einschätzung von Lieferantenportfolios interessant ist. 

Jana Samsonova [00:05:26] Und zum besseren Verständnis wie unterscheidet sich Creditreform hier von zum Beispiel einer ESG-Ratingagentur? 

Bernd Bütow [00:05:33] Das ist leicht erklärt. Üblicherweise wird eine ESG-Ratingagentur Daten, die ein Unternehmen veröffentlicht hat, für eine Aussage über dessen Nachhaltigkeit nutzen. Oder sie verwendet Daten aus Drittquellen, zu dem Land, zu der Ökonomie, zu den Wirtschaftsdaten et Cetera. Im Gegensatz dazu erhebt Creditreform die Daten selbst, um für unsere Kernkundschaft Produkte anbieten zu können. Denn gerade Informationen über die Nachhaltigkeit des Mittelstandes sind besonders interessant, aktuell jedoch nur sehr wenig verfügbar. Dennoch sehen wir durchaus auch Ähnlichkeiten zum Geschäft der ESG-Ratingagenturen. Denn die Bereitstellung und Einordnung von Informationen wird auch Creditreform vornehmen. Nur jetzt wieder der Unterschied: Er besteht in der Breite des Angebotes. Während ESG-Ratingagenturen sich tendenziell auf große und börsennotierte Unternehmen fokussieren, möchten wir Daten und Produkte vor allem auch über kleine und mittelständische Unternehmen bereitstellen. 

Jana Samsonova [00:06:42] Gibt es denn so was wie bestimmte Timings, die die mittelständischen Unternehmen jetzt mit Blick auf ESG berücksichtigen müssen? 

Bernd Bütow [00:06:49] Oh ja, die gibt es tatsächlich. Am wichtigsten hierbei ist sicherlich die Weiterentwicklung der europäischen Nachhaltigkeitsberichtspflichten. Bereits heute müssen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern bestimmte Angaben zu ihrer Nachhaltigkeit machen. Bereits ab 2024, also für das Berichtsjahr 2023, werden alle Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern neue Berichtspflichten erfüllen müssen, die deutlich tiefgreifender und quantitativer als bislang sein werden. Übrigens: Am Kapitalmarkt gelistete Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern werden diese Berichtspflichten ebenfalls betreffen. Die entsprechenden Standards werden durch die Europäische Beratungs Gruppe zur Rechnungslegung, die sogenannte EFRAG, erarbeitet und im Laufe des Jahres veröffentlicht. Erste Entwürfe hierzu liegen bereits vor. Zu Beginn nächsten Jahres tritt zudem das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz in Kraft. Dies betrifft zwar primär sehr große Unternehmen, also zunächst Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern, später Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Aber auch hier sehen wir schon heute, dass diese kleinere und mittelständische Unternehmen, die sich in deren Lieferkette befinden, mit Blick auf dieses Gesetz ansprechen werden. 

Jana Samsonova [00:08:15] Da kommt also etwas auf die Wirtschaft zu - und Creditreform steht dem Mittelstand zur Seite. Herr Bütow, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und Ihnen, liebe Zuhörer, danke ich fürs Zuhören. 

Jingle [00:08:24] Gute Geschäfte. Business Wissen in zehn Minuten. Der Creditreform Podcast. 



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