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Aktuelle KfW-Studie: „Wettbewerb(sfähigkeit) neu denken“

Vor allem die deutsche Industrie steckt in einer heftigen Krise, die Wettbewerbsfähigkeit ist bedroht. Eine aktuelle KfW-Studie analysiert die Lage, diskutiert Szenarien und leitet konkrete Forderungen ab.

„Die Kraft unseres Landes gründet ganz maßgeblich auf unserem Zusammenhalt“ und „ebenso maßgeblich auf unserer Wirtschaftsleistung“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Neujahrsansprache. Deutschland brauche die „Kreativität und Schaffenskraft unserer Wirtschaft. Aber hausgemachter Reformstau lähmt das Potenzial, das unsere Unternehmen haben: Es wird für sie immer schwieriger, im internationalen Wettbewerb zu bestehen“. Der Kanzler verspricht: „Wir setzen die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit ganz oben auf die politische Prioritätenliste.“

Wie genau, das führt Merz in seiner Neujahrsansprache nicht aus. Gut beraten wäre die Bundesregierung jedenfalls, wenn sie dabei einen Blick in eine aktuelle Studie von KfW Research werfen würde: „Wettbewerb(sfähigkeit) neu denken: Deutschlands Industrie am Scheideweg“, erschien Ende November 2025. Auf über 120 Seiten legt das volkswirtschaftliche Forschungsteam der KfW Bankengruppe detailliert dar, in welcher Lage sich insbesondere die mittelständische Industrie befindet. Die Studie analysiert die Gründe für die gegenwärtige Schwäche und wirft einen dezidierten Blick auf „schwelende“ Standortnachteile. Sie diskutiert zudem die Frage, ob und welche staatlichen Antworten die vielen parallelen Herausforderungen erforderlich machen und was insgesamt zu tun wäre, damit sich die Lage wieder verbessert. Sie lässt sich kostenlos aus dem Internet herunterladen – wir empfehlen die Lektüre ausdrücklich.

Weiteres Schrumpfen der Wertschöpfung unvermeidlich

Auf Basis einer ausführlichen Datenanalyse bestätigt die Studie die Erkenntnisse, wie sie auch die Creditreform Wirtschaftsforschung und andere deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute in den vergangenen Monaten und Jahren vorgetragen haben: Die deutsche Industrie befindet sich in einer schweren Krise. Die Herausforderungen, mit denen die Unternehmen in Deutschland konfrontiert sind, seien ungewöhnlich groß und träten in geballter Form auf. „Ein weiteres trendmäßiges Schrumpfen der industriellen Wertschöpfung scheint vorerst unvermeidlich“, schlussfolgern die KfW-Experten. Sie begründen ihre Einschätzung damit, dass positive Sonderfaktoren, die der deutschen Industrie in der Vergangenheit Rückenwind gegeben hätten – etwa die Integration Chinas in das globale Handelssystem und eine allgemeine Ausweitung des globalen Handels – sich nun umgekehrt hätten. China sei nicht mehr insbesondere Kunde, sondern längst Konkurrent. Zudem würden Handelshemmnisse zunehmen.

Die Schrumpfung des deutschen Industriesektors könnte voranschreiten, wenn sich der Welthandel weiter fragmentiert, der Handelskonflikt mit den USA weitergeht und China seinen Kurs unvermindert fortsetzt. Die Studie beschreibt dazu mehrere Szenarien.

Das Problem liegt der Analyse zufolge darin, „dass das Schicksal der deutschen Industrie, mehr als dies in der Vergangenheit der Fall war, von Faktoren abhängt, die sich der direkten Einflussnahme der Unternehmen und der Bundesregierung entziehen.“

Mehr Digitalisierung, mehr Innovation, mehr Gründung

Die KfW-Experten sehen aber dennoch eine Reihe von Stellschrauben, an denen der Staat oder auch die Unternehmen selbst im positiven Sinne drehen können. Ihrer Erkenntnis nach sind traditionelle Standortfaktoren – Arbeits- und Energiekosten, die Steuerbelastung von Unternehmen, die Flexibilität des Arbeitsmarktes und eine überbordende Bürokratie – zunehmend eine Achse, entlang welcher Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen werden muss. Es bedürfe hier starker Reformanstrengungen. Wie weit diese gehen müssen, hänge vom Tempo ab, das andere Länder vorgeben.

Doch selbst wenn die Kostenstruktur verbessert und bürokratische Hürden gefallen wären, würde das allein laut der Studie nicht ausreichen. Es braucht den Forschern zufolge verstärkte Anstrengungen bei Digitalisierung und Innovation – in den Unternehmen selbst ebenso wie Form und Stärkung des Innovationssystems insgesamt. Ein weiterer wesentlicher Faktor: eine bessere Gründungsdynamik, damit mehr neue Unternehmen das Wirtschaftsgeschehen bereichern. „Hierfür müssen die regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Start-ups verbessert werden“, fordern sie konkret.

Ein Dauerbrenner der vergangenen Jahre rückt in diesem Zusammenhang auch in der KfW-Studie erneut ins Rampenlicht: mehr und bessere Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. „Viele Industrieunternehmen sehen im Angebot an gut qualifizierten Fachkräften immer noch eine Stärke des Standorts Deutschland“, heißt es im entsprechenden Kapitel. „Staat, Wirtschaft und die erwerbsfähige Bevölkerung tun gut daran, dafür zu sorgen, dass dies so bleibt, denn Humankapital ist die wertvollste Ressource, über die Deutschland verfügt.“ Fachkräfte mit einschlägiger Expertise seien die Triebkraft hinter der Innovations- und Exportstärke der deutschen Industrie.

Nicht zuletzt fordert die Studie von KfW Research einen aktiven staatlichen Beitrag zur Verringerung wirtschaftlicher Abhängigkeiten, „damit Deutschland und Europa in einer veränderten Welt ihre Interessen kraftvoller durchsetzen können als dies bislang der Fall ist“. Auch Zölle samt entsprechender Strategie sollten „Teil des wirtschaftspolitischen Werkzeugkastens“ sein.

Quellen:
www.bundeskanzler.de
www.creditreform.de
www.kfw.de



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