Ich sehe Licht!
Liebe Leserinnen und Leser,
Wien, Anfang Mai. Im Herzen Europas stellt die Creditreform Wirtschaftsforschung zusammen mit den Kollegen aus Österreich eine Studie vor. Der Titel: „Unternehmensinsolvenzen in Europa, Jahr 2025“. Kein besonders „schönes“ Thema und viele können die schlechten Nachrichten auch gar nicht mehr hören. Dennoch ist der Andrang zur Pressekonferenz sehr groß. Die Anfragen im Vorfeld sind so zahlreich wie nie. Das liegt vor allem an der Brisanz der Studie selbst. Für Westeuropa musste wir für 2025 197.610 Unternehmensinsolvenzen ausweisen – so viele Fälle wie noch nie. Ein Negativrekord! „Nicht schon wieder eine Hiobsbotschaft“, wird sich der eine oder andere gedacht haben, als er die zahlreichen Zeitungsartikel und Medienberichte sah. Da ist sicherlich etwas dran.
Ich sehe hingegen etwas ganz anderes. Mir zeigt das große Interesse an so einem eher sperrigen Thema, wie sehr die „Öffentlichkeit“ mittlerweile auf der Hut ist. Und das ist erstmal sehr positiv. Denn was wäre die Alternative? Den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass das Gewitter aus dem Fernen Osten, dem Nahen Osten oder dem Westen vorüberzieht? Journalisten, mit denen die Creditreform Wirtschaftsforschung ein vertrauensvolles Verhältnis pflegt, haben in diesem Fall besonders gut und genau nachgefragt. Sie haben Interesse gezeigt an der Studie und der Einordnung. Nicht für den schnellen medialen Erfolg, sondern aus echter Neugier. Sie haben erkannt, dass es nicht reicht, auf Deutschland, die Regierung hier oder die nächste Schrumpfung des prognostizierten BIPs zu schauen. Heute müssen wir die ganze Welt im Blick haben. Das gilt umso mehr für deutsche Unternehmer. Das ganze Land sucht sich selbst. Jeder weiß, dass unser Selbstverständnis damals wie heute eng an unseren wirtschaftlichen Erfolg geknüpft ist. Vieles – sehr vieles – deutet darauf hin, dass das bisherige Erfolgsmodell der Bundesrepublik Deutschland am Ende ist. Der Dreiklang aus billiger Energie, starkem Export und umfänglichen Sicherheitsgarantien ist passé. Dies aber waren die Faktoren, die unseren Wohlstand sicherten. Das ist vorbei. Seit der Corona-Pandemie erkennen wir das deutlich und befinden uns gerade auf einer großen Sinn- und Identitätssuche. Wer sind wir? Womit verdienen wir in 2, 5, 10, oder 20 Jahren „unser“ Geld. Wie können wir in dieser radikal veränderten Welt bestehen? Das sind die großen Fragen unserer Zeit. Eine Antwort steht aus. Der schonungslose Blick auf die strukturellen Versäumnisse bei uns und unseren Nachbarn ist ein schmerzhafter, aber essenzieller Schritt. Wenn Sie also das nächste Mal bei vermeintlichen „Horrormeldungen“ mit den Augen rollen, denken Sie daran: Nur wer durch den dunklen Tunnel geht, kann am Ende auch wieder im Licht herauskommen.
Wer genau wissen will, wie es um Europa bestellt ist, findet unsere komplette Studie mit Einordnung hier: Unternehmensinsolvenzen in Europa, Jahr 2025
Ihr
Patrik-Ludwig Hantzsch