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Warum Deutschland nur noch kleine Brötchen backt

Liebe Leserinnen und Leser,

Sonntag, 9:14 Uhr. Ein Mann steigt vom Fahrrad und wundert sich: Wo ist denn die Schlange, die sich normalerweise am Wochenendmorgen vor der Bäckerei „Frischbrot“ die Beine in den Bauch steht? Er geht zur Tür und findet statt Brötchen, Laugen, Puddingschnecken und Roggenbrot nur einen Zettel: „Liebe Kunden, herzlichen Dank für die letzten 20 Jahre! Wir haben euch immer gerne Brot gebacken und Teilchen kreiert. Aber jetzt ist leider Schluss. Der Strom ist zu teuer, die Verkäuferin geht in Rente, die Bürokratie zu groß. Alles Gute, eure Bäcker.“ So oder so ähnlich geht es derzeit vielen Bäckereien. Die Gründe dafür sind so vielschichtig wie die Buttercremetorte: Der Mann aus unserem Beispiel geht Wochentags lieber schnell beim Einkaufen an den Backautomat im Supermarkt. Die Rentnerin, früher Stammkundin, hat nicht mehr genug Geld, um die gestiegenen Preise in der handwerklich arbeitenden Bäckerei zu bezahlen. Die Energiekosten sind in den letzten 5 Jahren um 30 Prozent gestiegen. Aushilfen sind rar und im Zweifel auch schnell wieder weg usw. Das deutlich erhöhte Insolvenzaufkommen bei (insbesondere kleinen, traditionellen) Bäckereien ist derzeit in vielen Medien ein Thema. Um rund 40 Prozent stieg die Zahl der Pleiten vom 1. Halbjahr 2025 zum 1. Halbjahr 2026. Ähnlich ergeht es dem stationären (Textil-)Einzelhandel oder unseren Wirten und Gastronomen.

Ich schreibe darüber, weil es eben keine temporären Durststrecken einzelner Branchen sind. Die dauerhafte konjunkturelle Schwäche Deutschlands ist für die meisten Bürger oftmals abstrakt und wird in Talkshows diskutiert sowie von Ökonomen mit makroökonomischen Indikatoren beschrieben (siehe BIP). Bei unseren Bäckern werden die Krise und ihre Auswirkungen plötzlich real und erlebbar. In vielen anderen Bereichen auch – z. B. wenn der eigene Arbeitsplatz beim Automobilzulieferer plötzlich auf der Kippe steht. Aber der Bäcker (ähnlich wie der Metzger, dem es nicht wesentlich besser ergeht) ist jemand, den wir alle kennen und aufsuchen. Hier kommt sozusagen alles zusammen. Wirtschaft betrifft uns alle, ob Schüler, Rentner, Familienvater, Krankenschwester oder Gärtner. Das Beschäftigen mit unserer Wirtschaft ist deswegen eine Bürgerpflicht – gerade heute. Mitreden, mitgestalten und sich selbst am besten risikosicher aufstellen. Das sollte jeder und das kann jeder. Am besten gleich hier und jetzt. Unser Newsletter bietet das volle Programm dafür.

In dieser Ausgabe zeigen wir zunächst, warum die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026 auf den höchsten Stand seit 2013 gestiegen ist und weshalb der Höhepunkt der Entwicklung noch lange nicht erreicht ist.

Anschließend werfen wir einen Blick auf die Schuldentragfähigkeit deutscher Unternehmen. Unsere Auswertung zeigt, dass immer mehr Betriebe Schwierigkeiten haben, ihre Zinslast aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren. Wichtig deshalb, weil dies ein Frühwarnsignal ist, das häufig lange vor einer Insolvenz messbar wird. Abschließend geht es um das 500-Milliarden-Euro-Sonder(schulden)vermögen der Bundesregierung. Trotz gewaltiger Schulden kommt der Mittelabfluss bislang nur schleppend voran.

Viel Erkenntnisgewinn wünschen wir Ihnen. Am besten bei einem Leberkäsbrötchen oder einem Stück Torte.

Ihr
Patrik-Ludwig Hantzsch