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Risiken eines Embargos für Russland

Bereits die Besetzung der Krim hatte wirtschaftliche Folgen für Russland. Die westliche Welt protestierte auch mit einem Embargo gegen den völkerrechtswidrigen Akt. Jetzt hat sich die Situation noch einmal massiv verschlechtert.

Die russische Führung führt einen Krieg gegen die Ukraine – und die Folgen sind für die dortige Wirtschaft deutlich gravierender als 2014. Mit bisher unbekannter Solidarität und Schärfe bemüht sich Westeuropa darum, den wirtschaftlichen Austausch nicht ganz auszusetzen, aber doch markant zu vermindern. Dabei gilt es allerdings im Auge zu behalten, dass wirtschaftliche Beziehungen nicht einseitig sind – jedes Embargo schadet auch dem, der es ansetzt.

Zunächst bleibt festzuhalten, dass der gesamte Handelsumsatz zwischen Russland und Deutschland 2021 um 3,4 Prozent gegenüber 2020 zugenommen hat. Damit lag er nicht nur höher als im ersten Jahr der Pandemie 2020, sondern auch über dem Vorkrisenniveau von 2019. 2021 war man so wieder bei der Handelsbilanz angekommen, die seit dem Jahr 1994 den Außenhandel zwischen Russland und Deutschland bestimmt: Die deutschen Importe lagen stets höher als die Exporte. 2021 stieg der Wert der Waren, die aus Russland importiert wurden um 54 Prozent. Exporte aus Deutschland legten dagegen nur um gut 15 Prozent zu. Es waren die Preise für Rohöl und Gas, für die die russischen Exporteure 2020 noch weniger Geld erhalten hatten und die 2021 für die deutliche Steigerung beim Wert der Importe sorgten. Die Preise für Energie aber haben nicht nur im letzten Jahr bereits rasant zugenommen, es drohen aktuell weitere Preissteigerungen.

Öl und Gas

Mit Erdgas und Öl ist man im Zentrum der Sanktionen angekommen. Sie spielen eine entscheidende Rolle beim Warenaustausch zwischen den beiden Ländern und die Devisen sind für das Funktionieren der russischen Wirtschaft von höchster Bedeutung. Deutschland kann es sich leisten, den Anschluss von Nord Stream 2 auszusetzen, die Energielieferungen auf anderen Wegen aber sind notwendig für uns. Ein Verzicht ist kaum möglich, alternative Energien können die Lücke nicht füllen. Norwegen und die Niederlande sind zwar auch wichtige Lieferanten von Erdgas, können Russland aber nicht ersetzen. Im letzten Jahr wurden aus Russland Erdöl und Erdgas im Wert von fast 20 Milliarden Euro eingeführt. Das macht 59 Prozent aller Importe aus und bedeutet einen Zuwachs von über 49 Prozent. Russland ist in erster Linie Rohstofflieferant, so werden auch Metalle, Mineralöl- und Kokerei-Erzeugnisse sowie Kohle nach Deutschland geliefert. Interessant ist, dass gerade im Zeichen des Bemühens um eine Energiewende die Lieferung von Kohle um 153 Prozent zugenommen hat und mehr als zwei Milliarden Euro kostete. Auch Deutschlands Exporte nach Russland nahmen 2021 zu. Es handelte sich vor allem um Maschinen, Kraftwagen sowie chemische Erzeugnisse. Dabei fällt das Plus hier deutlich geringer aus als bei den Importen.

Russland steht an fünfter Stelle, wenn es um Exporte geht. Beim Import steht das Land an vierter Stelle. Der Handel mit China und den USA ist deutlich größer. Im Hinblick auf ein Embargo noch wichtiger ist aber der Stellenwert, den Deutschland für den russischen Außenhandel besitzt. Deutschland steht hier an zweiter Stelle – 7,4 Prozent des russischen Außenhandelsvolumens entfielen 2020 auf Deutschland. Wichtigster Partner mit 18,4 Prozent ist China. Die Position Chinas im Außenhandel spielt sicher auch eine Rolle bei den Befürchtungen, dass sich Russland und China annähern könnten und vor allem für Erdgas neue Pipelines in die Volksrepublik die Lieferungen nach Westen ersetzen könnten.

Handel hat abgenommen

Immerhin hat sich das Handelsvolumen zwischen Russland und Deutschland bereits in den letzten Jahren deutlich verringert. So machte im Rekordjahr 2012 der Russland-Handel für die deutschen Exporte noch 4,1 Prozent aus. Wie deutlich die Spuren von Sanktionen sind, lässt sich an der Wirkung der Maßnahmen ablesen, die bereits nach der Annexion der Krim in die Wege geleitet wurden. So betrug das Handelsvolumen zwischen der EU und Russland 2013 noch 393 Milliarden Euro, im Jahr 2020 waren es nur noch 192 Milliarden Euro. Insgesamt sind die Abhängigkeiten des deutschen Außenhandels für den Export nach Russland nicht allzu wichtig – bei der Energie sieht die Situation jedoch anders aus. Russland ist zurzeit als Importeur nicht zu ersetzen.

Kaum russische Betriebe hierzulande

Das Statistische Bundesamt und die Bundesbank liefern auch Zahlen zu den Unternehmensverflechtungen zwischen beiden Ländern. Die Statistik zählt Unternehmen unter ausländischer Kontrolle in Deutschland, wenn die hierzulande ansässigen Unternehmen von einer Muttergesellschaft mit Sitz in Russland zumindest mit einem Anteil von 50 Prozent kontrolliert werden. Nur knapp 2 Prozent des Umsatzes aller auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland wurde von Unternehmen erwirtschaftet, die ihren Hauptsitz in Russland haben. Davon gibt es 164 Unternehmen, die mehr als 8.000 Menschen beschäftigen und einen Umsatz in Höhe von gut 31 Milliarden Euro rreichen. Der Vergleich mit den US-amerikanischen Unternehmen in Deutschland zeigt das Ranking: Unternehmen aus den USA erwirtschafteten hierzulande fast 18 Prozent des Gesamtumsatzes der ausländischen Investoren. Viel stärker ist Deutschland in Russland vertreten: Hier nennt die Bundesbank 472 Unternehmen unter deutscher Kontrolle, die immerhin 129.000 Beschäftigte zählen und 2019 einen Jahresumsatz von 38 Milliarden Euro vorweisen konnten. Insgesamt aber fällt die Rolle Russlands für die deutschen Investitionen im Ausland klein aus. Ein Vergleich mit den USA zeigt die geringe Bedeutung: 2019 wurden über 545 Milliarden Euro Umsatz von Unternehmen aus Deutschland in den USA erreicht.

Ein Rückzug der EU und Deutschlands aus dem Handel mit Russland würde den Osten schwerer treffen als den Westen. Die Schäden insgesamt wären jedoch auf beiden Seiten groß. Letztlich bleibt nur die Hoffnung, dass Russland zum Frieden zurückfindet.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesbank, IW