Die neue Farbenlehre für Kredite

Das Thema Nachhaltigkeit wird Kreditgespräche in Zukunft mitprägen. Neben dem Rating, der Kapitaldienstfähigkeit und der Sicherheitensituation entscheidet sie als vierter Parameter maßgeblich über die Verhandlungsposition eines Kreditnehmers.

Kennen Sie grüne, gelbe und braune Kredite? Diese Kategorisierung nutzten die EZB und die Bundesbank erstmals im zweiten Quartal 2023 anlässlich einer Umfrage bei Kreditinstituten. Grün bedeutet: Unternehmen tragen nicht oder nur wenig zum Klimawandel bei. Gelb heißt: Unternehmen tragen zwar zum Klimawandel bei, erzielen jedoch bei der Umstellung auf klimafreundliche Geschäftsprozesse relevante Fortschritte. Und Braun bedeutet: Unternehmen tragen in hohem Maße zum Klimawandel bei und haben die Umstellung auf klimafreundliche Geschäftsprozesse noch nicht begonnen oder bisher nur geringe Fortschritte erzielt.  

Damit stellt sich die Frage, wie Kreditgeber künftig ihre Kunden einteilen und ob diese Einteilung Konsequenzen für die Kreditvergabe hat? Die Umfrage von EZB und Bundesbank ließ bereits eine deutliche Tendenz erkennen: Banken und Sparkassen verschärften ihre Kreditbedingungen im zweiten Quartal 2023 deutlich stärker bei braunen als bei gelben oder gar grünen Krediten.  

Strenger Blick auf ESG-Risiken  

Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) richtet ihren Blick in den „Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute (MaRisk)“ auf ESG-Risiken. Banken und Sparkassen werden angehalten, jede Kreditvergabe hinsichtlich möglicher Umwelt-, Sozial- und Governancerisiken zu beurteilen. Aktuell orientieren sich viele Institute dabei noch an Branchenwerten und dem Unternehmensstandort. Doch dabei wird es nicht bleiben.  

Banken und Sparkassen entwickeln bereits ESG-Fragebögen für ihre Firmenkunden. Einen Einblick konnten Mitglieder der Fachgruppe Sanierung im Bundesverband Die KMU-Berater im Juli 2023 durch eine Genossenschaftsbank erhalten. Sie fragt etwa, ob es Maßnahmen zur Reduktion von CO2 Emissionen gebe, worauf noch sehr allgemeine Antwortmöglichkeiten vorgegeben waren. Doch so holen Bankmitarbeiter eine Reihe von ESG-Informationen ein, aus denen mit einer bestimmten Gewichtung ein ESG-Score ermittelt wird. Dieser entscheidet in Zukunft maßgeblich über die Kreditvergabebereitschaft der Bank – und die Verhandlungsposition der Kunden.  

Wie reagieren Unternehmen?  

Machen Sie eine Bestandsaufnahme zu Ihren ESG-Aktivitäten. Legen Sie darüber hinaus konkrete Ziele und Maßnahmen fest. Vielleicht stellen Sie dabei fest, dass Sie schon eine ganze Menge tun, aber einfach noch keinen systematischen Überblick haben. Aus den Ergebnissen können Sie eine zusammengefasste Übersicht für Ihre Kreditgeber erstellen, aber auch für Ihren Internetauftritt und für Ihre Lieferanten und Kunden. Denn auch diese werden Sie zunehmend nach Ihren ESG-Aktivitäten fragen.

Zur Person 

Carl-Dietrich Sander berät seit 1998 kleine und mittlere Unternehmen, vor allem in Finanzierungs- und Ratingfragen. Zuvor war er Prokurist einer Großbank und Vorstandsmitglied einer Volksbank. Sander ist Ehrenmitglied im Bundesverband „Die KMU-Berater“, in dem er viele Jahre die Fachgruppe Finanzierung und Rating geleitet hat.   


Quelle: Magazin "Creditreform"
Text: Carl-Dietrich Sander
Bildnachweis: papierlos-geduldig