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Konjunkturerwartungen im Mittelstand – das Prinzip Hoffnung

Pandemie und kein Ende – auch Deutschlands Mittelstand ist von den Maßnahmen im Zuge des Lockdowns betroffen.

Die kleinen und mittelgroßen Unternehmen des Mittelstandes werden oft als das Rückgrat der Wirtschaft bezeichnet. Tatsächlich gehören dieser Unternehmensgröße mehr als 90 Prozent der Betriebe hierzulande an. Die Creditreform Wirtschaftsforschung fragt im Frühjahr und im Herbst eines jeden Jahres schon seit Jahrzehnten nach der aktuellen Lage der Unternehmen, vor allem aber nach den Erwartungen für die Zukunft.

Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK)

Der Creditreform Geschäftsklimaindex fasst die wichtigsten betrieblichen Größen, wie Umsätze, Aufträge, Ertragslage und Personalsituation, zusammen. Diese Parameter werden im Hinblick auf die aktuelle Lage, aber auch auf die Erwartungen hin für die Zukunft erfragt. Die beiden Teilkomponenten ergeben zusammen einen aktuellen Stand für den Geschäftsklimaindex von 1,8 Punkten. Dieser Wert liegt noch einmal deutlich unter dem bereits von Corona geprägten Vorjahr 2020 als er bei 7,7 Punkten stand. Seit der Finanzkrise im Jahre 2009 notierte der Creditreform Geschäftsklimaindex nicht mehr so schwach. Das ist vor allem den Beurteilungen zur aktuellen Lage geschuldet. Hier rutschte der Index mit minus 10,1 Punkten gegenüber 2020 noch einmal deutlich ab. Aber es gibt auch einen Silberstreifen am Horizont: Die weitere Geschäftsentwicklung wird positiver als vor einem Jahr beurteilt. 14,5 Indexpunkte in diesem Frühjahr gegenüber einem vorjährigen Wert von 10,8 Punkten bedeuten eine klare Verbesserung. Dies ist wohl der Tatsache geschuldet, dass gegenüber der Lage vor einem Jahr jetzt mehr Klarheit über den weiteren Verlauf herrscht. Ein Jahr Erfahrung im Umgang mit der Pandemie und die Hoffnung auf ein Ende im Zuge der Impfkampagnen bestimmen die positiveren Aussichten. Doch bleibt festzuhalten, dass die Erwartungen insgesamt immer noch schlechter sind als in den Jahren zuvor.

Aufträge, Umsätze und Personal

In der Corona-Krise 2021 sind die Auftragseingänge bei den KMU noch einmal überwiegend gefallen. Ein Viertel konnte von steigenden Ordern berichten, aber fast 30 Prozent der repräsentativ Befragten schaute auf rückläufige Aufträge. Dem entsprechen die Einschätzungen zur aktuellen Umsatzsituation, bei der ein gutes Drittel sinkende Umsätze registriert hatte und nur ein Fünftel von aktuell gestiegenen Umsätzen sprechen konnte. Angesichts dieser Situation haben sich die Angebotspreise gegenüber dem Vorjahr kaum verändert.

Der Mittelstand ist Deutschlands größter Arbeitgeber und mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten finden Lohn und Brot bei kleinen und mittleren Betrieben. Der Frage nach der Personalsituation kommt angesichts von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit besondere Bedeutung im Lockdown zu. Aktuell hat sich beim Mitarbeiterstamm gegenüber dem Vorjahr wenig verändert. 19 Prozent der Befragten konnten Personal hinzunehmen und 16 Prozent mussten sich von Mitarbeitern trennen. Die Ertragslage konnte sich auf Basis dieser Zahlen kaum verbessern. So berichteten 15 Prozent der Unternehmen von gestiegenen Gewinnen, während 36 Prozent mit sinkenden Erträgen konfrontiert waren. Wie stark diese Situation von den Maßnahmen zum Lockdown bestimmt waren, zeigen Deutschlands mittelständische Groß- und Einzelhändler: In dieser Branche waren fast 40 Prozent von rückläufigen Gewinnen betroffen.

Zukunft stimmt verheißungsvoller

Wie sieht es im Einzelnen bei den Erwartungen im Mittelstand aus? Der Erwartungsindex hatte ja gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Und so setzen nun über 30 Prozent der KMU auf steigende Aufträge – ein leichter Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (27 Prozent). An erster Stelle stehen die Dienstleister, wenn es um positive Auftragserwartungen geht. Auch bei den Erwartungen zum weiteren Umsatz in diesem Jahr liegen die Dienstleister zusammen mit dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Bau vorne. Der Handel ist auch hier das Schlusslicht, wenn es um die weitere Entwicklung der Umsätze geht.

Im Zusammenhang mit dem Lösen des Lockdowns wird die Befürchtung laut, dass die konjunkturelle Erholung zu einem Inflationsschub führen könnte. Jetzt bereits klagten viele Betriebe über gestiegene Einkaufspreise. Tatsächlich geht ein Drittel der KMU von steigenden Angebotspreisen aus – vor einem Jahr war es nur ein Viertel der Befragten. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe, etwa eine Vielzahl von Handwerksbetrieben, geht für die nahe Zukunft von steigenden Angebotspreisen aus. 43 Prozent haben sich entsprechend geäußert – bei den Dienstleistern waren es nur 24 Prozent. Höhere Umsätze und bessere Preise haben allerdings noch nicht auf die Personalplanungen durchgeschlagen. So liegt der Anteil der Unternehmen, die im nächsten halben Jahr vorhaben, ihren Personalbestand zu vergrößern, auf der Höhe des Vorjahres. Dies gilt aber auch für Personalverkleinerungen, so dass der Saldo etwa im Vorjahresbereich liegt. Insgesamt markiert der Wert für die Personalplanungen aber den schlechtesten Saldo der letzten zehn Jahre.

Der Creditreform Geschäftsklimaindex ist im Frühjahr 2021 schlechter ausgefallen als noch im Vorjahr. Dies ist aber vor allem der Erschöpfung in der aktuellen Lage geschuldet. Im Hinblick auf die Komponente „Geschäftserwartungen“ und die dazugehörigen betrieblichen Kennzahlen konnte der Index zulegen. Die Hoffnung im Mittelstand hat sich in schwieriger Lage wieder gefestigt.

Quelle: Creditreform