Mittelstand entdeckt KI
Eine aktuelle Auswertung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zeigt: Der Anstieg der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen hält an. Insbesondere die Nutzung von KI-Anwendungen und Cloud-Computing nimmt weiter zu.
Die digitale Transformation schreitet in Deutschland auch in den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) voran. Wie eine aktuelle Auswertung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zeigt, wiesen 2025 mehr als ein Drittel der KMU eine „hohe“ bis „sehr hohe“ digitale Intensität auf. Mit anderen Worten: Sie haben mindestens sieben von zwölf Maßnahmen des „Digital Intensity Index“ ergriffen. Dies ist ein von Eurostat entwickelter Indikator, der den Grad der Digitalisierung von Unternehmen in der Europäischen Union misst und bewertet. Zu diesen Maßnahmen und Technologien gehören etwa Umsätze durch E-Commerce, schnelles Breitband-Internet, Künstliche Intelligenz (KI), Big-Data-Analysen, Nutzung von Cloud-Diensten oder die Nutzung von Robotern.
Laut der IfM-Untersuchung liegen die KMU in Deutschland damit im EU-Durchschnitt. Gegenüber den Großunternehmen zeigt sich hingegen weiterhin ein deutlicher Abstand. Der Digitalisierungsgrad ist in den größeren Unternehmen deutlich höher als in den Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten.
Bei den KMU liegen der Studie zufolge die skandinavischen Länder mit erheblichem Abstand an der Spitze. Auch die Niederlande zählen zu den europäischen Spitzenreitern mit einer sehr hohen oder hohen digitalen Intensität bei den KMU.
Starke Zunahme von KI und Cloud-Computing
Insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud-Computing hat dem IfM Bonn zufolge in den kleinen und mittleren Unternehmen in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen: Jedes vierte KMU in Deutschland nutzt demnach inzwischen KI. Im Vorjahr waren es lediglich 19 Prozent. Mehr als jedes zweite KMU nutzt kostenpflichtige IT-Dienstleistungen aus der virtuellen Cloud. Damit liegen sie in beiden Bereichen insgesamt über dem EU-Durchschnitt. Was die Nutzung von Software und Infrastruktur aus der virtuellen Cloud betrifft, haben allerdings einige andere EU-Staaten die Nase vorn. In Finnland etwa trifft dies laut IfM Bonn auf 78,6 Prozent der KMU zu, in Italien auf 75,3 Prozent und in Malta auf 74,2 Prozent. Bei der Nutzung von KI-Technologien liegen europaweit die KMU in Dänemark (41 Prozent), Finnland (36,4 Prozent) und Schweden (33,6 Prozent) vorne.
In den großen Unternehmen sieht das anders aus. Zwar haben die KMU in Deutschland insbesondere bei der KI-Nutzung deutlich nachgelegt. Laut der IfM-Untersuchung nutzen jedoch mehr als doppelt so viele Großunternehmen KI-Technologien (57 Prozent). Was kostenpflichtige IT-Dienstleistungen aus der virtuellen Cloud betrifft, so nutzen diese sogar 86 Prozent der Großunternehmen in Deutschland. 2021 lag der Verbreitungsgrad noch bei 71 Prozent.
Die digitale Vernetzung ist gestiegen
Wie die IfM-Studie weiter zeigt, ist die digitale Vernetzung bei KMU gestiegen. Rund vier von zehn KMU in Deutschland (42 Prozent) nutzten demnach 2025 Enterprise-Ressource-Planning-Software (ERP) für die Planung und Steuerung ihrer Geschäftsprozesse. Der EU-Durchschnitt lag bei 45 Prozent. Großunternehmen setzen hierzulande diese Software zur digitalen Vernetzung der Unternehmensabteilungen jedoch deutlich häufiger ein: 89 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren stagniert der Studie zufolge jedoch die Nutzung von ERP-Systemen sowohl in den KMU als auch in größeren Unternehmen.
Bereits vor einem knappen Jahr hielt der „KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2024“ fest, dass viele mittelständische Unternehmen den digitalen Wandel als eine dauerhafte, unumkehrbare Entwicklung verstünden und sich trotz widrigem konjunkturellem Umfeld zunehmend darauf vorbereiten würden. Positiv sei zudem, dass in den zurückliegenden Jahren der Abstand bei der Durchführung von Digitalisierungsprojekten zwischen Vorreiter- und Nachzügler-Unternehmen zurückgegangen sei. Demnach konnten weniger aktive Wirtschaftszweige, Unternehmen ohne Hochschulabsolventen, Unternehmen ohne eigene Forschung und Entwicklung oder auch regional agierende Unternehmen zu den jeweiligen Vorreiter-Unternehmen aufschließen. Dies zeige, folgerten die KfW-Forscher, dass die Digitalisierung deutlich an Breite gewonnen habe.
Zahlreiche Hemmnisse erschweren die Digitalisierung
Dass die Digitalisierung trotzdem nicht schon weiter vorangeschritten ist, hat laut KfW Research auch mit Hemmnisfaktoren zu tun. Der Digitalisierungsbericht nennt etwa die Qualität der Internetverbindung, konkrete Probleme bei der Umstellung der vorhandenen IT-Systeme oder Schwierigkeiten bei der Anpassung der Arbeits- und Unternehmensorganisation. Fehlende IT-Fachkräfte und unzureichende Digitalkenntnisse in der Breite der Belegschaft hemmen demnach ebenfalls die Entwicklung gerade bei kleineren Betrieben. Oft herrsche zudem Unsicherheit über die zukünftige technologische Entwicklung. Und nicht zuletzt verweist der KfW-Digitalisierungsbericht auf verschiedene Studien, denen zufolge viele Unternehmen die strategische Bedeutung der Digitalisierung noch zu wenig berücksichtigen würden. Der Anteil der Unternehmen mit einer unternehmensweiten Digitalisierungsstrategie liege „auf einem überschaubaren Niveau“.
Quellen:
https://www.ifm-bonn.org/statistiken/mittelstand-im-einzelnen/digitalisierung-der-kmu-im-eu-vergleich
https://www.ifm-bonn.org/presse/pressemitteilungen/meldung/kmu-in-deutschland-werden-zunehmend-digitaler-und-ki-affiner
https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Digitalisierungsbericht-Mittelstand/KfW-Digitalisierungsbericht-2024.pdf