Liquiditätsengpass: Das können Sie tun

Liquiditätsengpass: Das können Sie tun

Aufgrund hoher Fixkosten oder Käufern, die Ihre Rechnung verspätet zahlen, befürchten Sie einen Liquiditätsengpass? Wie Sie vorübergehende Zahlungsschwierigkeiten vermeiden.

Was ist ein Liquiditätsengpass?

Unter Liquidität versteht man die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachzukommen. Ist eine Firma liquide, verfügt sie über ausreichende flüssige Mittel, beispielsweise in Form von Bankguthaben und dem Kassenbestand. Sind zu wenige flüssige Mittel vorhanden, kann sie nicht mehr allen Zahlungsverpflichtungen nachkommen.
Solche vorrübergehenden Zahlungsschwierigkeiten werden als Liquiditätsengpass bezeichnet.
Dieser kann weitreichende Folgen haben: Die Bonität verschlechtert sich und damit auch die Verhandlungsposition gegenüber Banken und Lieferanten. Bleibt der Engpass über einen längeren Zeitraum bestehen, kann ein Unternehmen sogar zahlungsunfähig werden und es muss Insolvenz anmelden.

Ursachen für den Liquiditätsengpass finden

Zu Liquiditätsengpässen kann es schnell kommen, auch wenn die Auftragslage sehr gut ist: Gebundenes Kapital, hohe monatliche Fixkosten sowie viele Außenstände sind nur einige der zahlreichen Ursachen, die zu Liquiditätsproblemen führen. Sie deuten immer auf Schwachstellen des Unternehmens hin und sollten deshalb genauer untersucht werden.
Firmen müssen stetig laufende Kosten bedienen, darunter fallen zum Beispiel Löhne und Gehälter, Mieten oder Wareneinkäufe. Neben solchen laufenden Verbindlichkeiten treten gelegentlich auch unerwartete Kosten auf, wie beispielsweise Steuernachzahlungen oder Reparaturen. Ein genauer Blick auf Ihre Einnahmen und Ausgaben hilft, die Übersicht zu behalten und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Nur so fällt Ihnen rechtzeitig auf, wenn Sie langfristig mehr Ausgaben als Einnahmen verzeichnen oder ungeplante Zahlungen Grund für die Liquiditätsprobleme sind.

Liquiditätsplanung leicht gemacht

Ein wichtiges Tool zur regelmäßigen Überprüfung Ihrer finanziellen Lage ist die Liquiditätsplanung. Dieses Instrument zur Risikoeinschätzung ist nicht nur in Krisenzeiten sinnvoll, sondern sollte fester Bestandteil Ihres Finanzplans sein. Die Liquiditätsplanung stellt Ihre Ausgaben und Einnahmen gegenüber. Hierfür gibt es spezielle Softwareprogramme. Diese erleichtern das Controlling und erstellen automatische Forecasts und Reports, sodass keine Unregelmäßigkeiten unentdeckt bleiben.

Eine vereinfachte Planung kann jedoch bereits per Exceldatei vorgenommen werden. Entsprechende Vorlagen bieten zum Beispiel die Industrie- und Handwerkskammern.

5 mögliche Ursachen für Liquiditätsprobleme:

  • Hohe Kapitalbindung

    Gebundenes Kapital bezeichnet Vermögen, das nicht sofort als einsetzbares Geld zur Verfügung steht. Dazu gehören Grundstücke, Lagerräume sowie Maschinen und Werkzeuge. Sie sind Teil des Anlagevermögens. Aber auch im Umlaufvermögen gibt es gebundenes Kapital in Form von Rohstoffen oder auch Verpackungsmaterialien. Durch die Kapitalbindung ist das investierte Geld fest angelegt und steht demnach nicht für andere Ausgaben zur Verfügung. Zu viel gebundenes Kapital kann daher zur Kostenfalle werden. Wir haben für Sie wertvolle Tipps zur Kapitalfreisetzung zusammengefasst.

  • Hohe Fixkosten

    Miete, Versicherungen und Strom zählen zu den typischen Fixkosten. Sie treten regelmäßig (monatlich, vierteljährlich oder jährlich) und in konstanter Höhe auf. Je mehr Fixkosten, desto unflexibler werden Sie in Bezug auf andere Investitionen. Fällt dann zum Beispiel die Reparatur einer Maschine an, kann es passieren, dass die flüssigen Mittel knapp werden.

  • Viele Außenstände

    Indem Sie Ihren Kunden Zahlungsziele einräumen, erfolgt die Bezahlung erst nach der erbrachten Leistung. Der Kauf auf Rechnung gehört zu den beliebtesten Zahlungsarten, dient der Kundengewinnung und sorgt für einen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig verschlechtert er Ihre eigene Zahlungsfähigkeit. Wenn Kunden Ihre Rechnungen verspätet zahlen oder Zahlungen ausfallen, wirkt sich dies noch stärker aus: Es fehlen flüssige Mittel, um andere Kosten begleichen zu können.

  • Zu hohe Privatentnahmen

    Während in einer GmbH der Inhaber fest angestellt ist und Gehalt bekommt, wird beispielsweise in einer GbR über Privatentnahmen gearbeitet. Hier kann es vorkommen, dass Firmeninhaber oder Selbstständige zu hohe Privatentnahmen tätigen. Gerade bei unerwarteten Nachzahlungen oder einem wegfallenden Kundenauftrag, kann dann schnell Geld auf dem Konto fehlen.

  • Zu geringe Marge

    Wenn bei der Preisberechnung Ihrer Produkte oder Dienstleistungen eine zu geringe Marge eingerechnet ist, ist die Gewinnspanne sehr niedrig. Trotz hohem Umsatz bleibt am Ende nicht genügend Gewinn übrig. Dadurch können Sie nur wenige Liquiditätsreserven aufbauen. Bricht plötzlich ein guter Kunde weg, können Liquiditätsprobleme entstehen.

Sofort-Maßnahmen bei bestehendem Liquiditätsengpass

Um einen Liquiditätsengpass abzuwenden, gibt es verschiedene kurzfristige und langfristige Handlungsoptionen. Dabei unterscheidet man, ob Maßnahmen von innen getroffen – also vom Unternehmen selbst ­– oder mit externer Unterstützung umgesetzt werden.

Maßnahmen mit externer Unterstützung:

  • Kontokorrentkredit nutzen: Das Überziehen Ihres Geschäftskontos kann schnelle Abhilfe schaffen. Jedoch fallen hierbei höhere Zinsen an.
  • Tilgung aussetzen: Wenn Sie einen bestehenden Kredit abzahlen, können Sie die Bank um Aussetzung der Tilgungsrate bitten.
  • Bankkredit aufnehmen: Stehen unerwartete Zahlungen an, sorgt ein neuer Kredit für schnelles Geld. Allerdings prüfen Banken vor Kreditvergabe die Bonität des anfragenden Unternehmens. Bei einem bestehenden Liquiditätsengpass haben Sie daher eine schlechtere Verhandlungsposition und müssen so auch mit schlechteren Konditionen rechnen. Unsere Tipps für das Kreditgespräch bereiten Sie vor.
     

Unternehmensinterne Maßnahmen:

  • Gibt es Liquiditätsreserven, auf die Sie zurückgreifen können, zum Beispiel in Form von Schecks, Anleihen oder Wertpapieren?
  • Sehen Sie Kosteneinsparungspotenziale, zum Beispiel durch die Kündigung von Leasingverträgen für Firmenfahrzeuge, geringere Privatentnahmen oder Personalentlassung?
  • Gibt es Firmeneigentum, zum Beispiel ungenutzte Grundstücke oder Lagerräume, die Sie veräußern oder vermieten können?
  • Sehen Sie längerfristig Einsparungspotenziale durch einen sparsameren Umgang mit Rohstoffen, Energie und Wasser?
  • Können Vorräte Just-In-Time geliefert werden?
     

Einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen, bringt zwar schnelles Geld. Allerdings müssen Kredite auch zurückgezahlt werden. Sie sind daher keine dauerhafte Lösung bei Liquiditätsproblemen. Besondere Bedeutung haben daher die Maßnahmen, durch die Sie selbst Einsparungen vornehmen können und Ihre Liquidität verbessern. Idealerweise schaffen Sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ihren Einnahmen und Ausgaben und bauen gleichzeitig Liquiditätsreserven auf. Dann sind Sie auch für schlechtere Zeiten besser gewappnet.

Die Corona-Krise hat die gesamte Wirtschaft schwer getroffen: Fast alle Branchen, darunter die Bereiche Event, Gastronomie und Handel, leiden unter Beschränkungen und Schließungen. Unternehmer müssen in dieser Zeit besonders auf Ihre Liquidität achten. Denn auch wenn Einnahmen ausbleiben, müssen Fixkosten gezahlt werden. Staatliche Hilfen sollen in dieser Zeit Engpässe überbrücken. Erfahren Sie mehr über die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung.

Dem Liquiditätsengpass vorbeugen


Außenstände minimieren

Wer von Anfang an auf ein konsequentes Forderungsmanagement setzt, lässt Außenstände erst gar nicht entstehen und minimiert sein Zahlungsausfallrisiko.

Eine zeitnahe Rechnungsstellung und das Anbieten von Skonto als Zahlungsanreiz sind erste Schritte. So schließen Sie die Lücke zwischen Verkauf und Zahlungseingang. Darüber hinaus sollten überfällige Rechnungen im System sofort erkannt und angemahnt werden. Das Risiko von Zahlungsausfällen verringern Sie durch umfassende Wirtschaftsinformationen, die Sie vor Geschäftsabschluss über Ihre Kunden und Geschäftspartner einholen sollten. Stellen Sie eine schlechte Bonität fest, können Sie auf sichere Zahlungskonditionen zurückgreifen, wie zum Beispiel die Vorkasse.

Sie möchten Ihr Forderungsmanagement effizienter gestalten? Mit unseren 6 Tipps für Ihr Forderungsmanagement erfahren Sie mehr.

Gerne unterstützen wir Sie im gesamten Forderungsmanagement. Von unserem professionellen Mahnservice über das vorgerichtliche Mahnverfahren bis zur Titelüberwachung sind wir an Ihrer Seite.

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Factoring für sofortige Liquidität

Um verspätete Zahlungseingänge oder Forderungsausfälle gänzlich zu vermeiden, ist Factoring eine gute Alternative. Nach abgeschlossenem Vertrag und Vereinbarung über die Provision treten Sie Ihre offenen Forderungen an einen Factoring Dienstleister ab. Von diesem erhalten Sie direkt den offenen Rechnungsbetrag. Ihr Kunde begleicht seine Verbindlichkeit an den Factoring Dienstleister. Dabei übernimmt der Dienstleister das gesamte Forderungsausfallrisiko. Sollte Ihr Kunde verspätet oder gar nicht zahlen, ist dies nicht mehr Ihr Problem. Dadurch reduzieren Sie auch Ihren buchhalterischen Aufwand.

Sie möchten Ihre offenen Forderungen abtreten? Auch im Bereich Forderungsverkauf sind wir der richtige Partner an Ihrer Seite.

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Unsere Texte dienen dem unverbindlichen Informationszweck und ersetzen keine spezifische Rechts- oder Fachberatung. Für die angebotenen Informationen geben wir keine Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.


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