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Creditreform Wirtschaftsnews

Handwerk ohne Erben

Die Stimmung im Handwerk hat sich nach dem 15-Jahres-Tief im Vorjahr nur leicht verbessert. Viele Betriebe leiden weiterhin unter den Folgen der Wirtschaftskrise. Dies zeigt die Studie „Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2025/26“, die die Creditreform Wirtschaftsforschung Anfang März vorlegte.

Fehlende Aufträge, steigende Kosten

Das Handwerk kommt nur langsam aus der Krise. Nach dem historischen Stimmungstief im Vorjahr hat sich die Lage 2025 zwar leicht verbessert, von einer echten Erholung kann jedoch keine Rede sein. Der Saldo aus positiven und negativen Geschäftslageeinschätzungen stieg lediglich von 45,8 auf 47,0 Punkte und bleibt damit weiterhin auf niedrigem Niveau. Das zeigt die Studie „Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2025/26“ der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Viele Betriebe leiden weiterhin unter schwacher Nachfrage. In den vergangenen Monaten überwogen erneut die negativen Umsatzmeldungen: 25,5 Prozent der Unternehmen verzeichneten Umsatzrückgänge, während nur 22,2 Prozent ein Umsatzplus meldeten. Vom Anstieg der privaten Konsumausgaben konnte das Handwerk kaum profitieren. Zudem belastet die schwache Industriekonjunktur viele handwerkliche Zulieferbetriebe.

Kfz-Gewerbe und Dienstleistungshandwerk leicht positiv

Besonders verhalten entwickelte sich der Umsatz im Nahrungsmittelhandwerk; hier überwogen die negativen Einschätzungen deutlich. Auch das Handwerk für den gewerblichen Bedarf kämpfte mit rückläufiger Wertschöpfung. Im Bauhauptgewerbe hielten sich Umsatzsteigerungen und Rückgänge noch die Waage, während im Ausbauhandwerk sinkende Umsätze gemeldet wurden. Positiv blieb die Umsatzentwicklung per Saldo lediglich im Kfz-Gewerbe und im Dienstleistungshandwerk, wenngleich auch dort Einbußen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen waren.

Besorgniserregend ist die Entwicklung der Insolvenzen von Handwerksunternehmen. Die Zahl der Betriebe, die 2025 Insolvenz anmelden mussten, lag um 13,3 Prozent höher als im Jahr davor. Mit 4.950 Fällen erreichte sie den höchsten Stand seit gut zehn Jahren (2024: 4.370). Der Anstieg fiel sogar stärker aus als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Die Gründe sind klar: Energie, Material, Löhne – die Kosten laufen davon. Ohne ausreichende Reserven geraten viele Betriebe schnell in eine existenzielle Schieflage. Unternehmensaufgaben, fehlende Nachfolger und steigende Insolvenzzahlen dokumentieren das eindrücklich.

Betriebe bauen Personal ab

Diese Entwicklung hat Folgen für den Arbeitsmarkt. Im Handwerk reduzierten 22,1 Prozent der Betriebe ihren Personalbestand, während 20,6 Prozent zusätzliche Mitarbeiter einstellten. Damit überwiegt die Zahl der Betriebe, die Personal abbauen, nun seit drei Jahren.

Immerhin: Für 2026 rechnet das Handwerk mit einer leichten Belebung der Umsatzentwicklung. 27,0 Prozent der Betriebe – und damit mehr als im Vorjahr (24,3 Pro-zent) – erwarten ein Umsatzplus. Nur noch 18,4 Prozent (Vorjahr: 22,8 Prozent) gehen von rückläufigen Umsätzen aus. Besonders das Bau- und Ausbauhandwerk zeigt sich optimistischer.

Dennoch ist trotz der verbesserten Prognosen nur ein moderates Wachstum zu erwarten, denn die konjunkturellen Rahmenbedingungen bleiben in vielen Bereichen schwierig. Impulse könnte das staatliche Infrastrukturprogramm liefern. Allerdings zeigt die Studie, dass die Investitionsbereitschaft der Handwerksbetriebe zuletzt rückläufig war: Immerhin noch 47,0 Prozent der Betriebe planen aktuell Investitionen. Im Vorjahr lag die Zahl allerdings noch bei 49,2 Prozent.

Auslaufmodell Familienunternehmen?

Ungewöhnlich ist eine andere Entwicklung: Im Handwerk steigt die Zahl eigenkapitalstarker Betriebe. 26,8 Prozent der Unternehmen meldeten eine hohe Eigenkapitalquote – der beste Wert seit 1998. Das ist gut, denn Eigenkapital ist im Handwerk das entscheidende Sicherheitsnetz. Wer seine Ertragskraft stärkt, reduziert die Abhängigkeit von Banken und Fremdkapital. Das gelingt aber trotzdem längst nicht allen Handwerksunternehmen. Rund jeder dritte Betrieb (32,8 Prozent) weist weiterhin eine zu niedrige Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent auf. Besonders betroffen sind hier das Baugewerbe und das Nahrungsmittelhandwerk.

Die Untersuchung von Creditreform nimmt auch das wichtige Thema Unternehmensnachfolge in den Fokus. Hier zeigt sich im Handwerk: Die klassische Betriebsübergabe innerhalb der Familie verliert zunehmend an Bedeutung. Es kommt also verstärkt auf familienexterne Lösungen an – etwa die Übergabe an leitende Mitarbeiter oder der Verkauf an andere Unternehmen. Doch zeigt sich, dass sich auch diese Nachfolgen häufig schwer umsetzen lassen. Dadurch drohen mehr Betriebsschließungen.

Konkret kommt nur noch für gut die Hälfte der Betriebe (50,5 Prozent) eine familieninterne Nachfolge infrage. Das sind fast fünf Prozentpunkte weniger als noch im Jahr 2018. An zweiter Stelle steht mit 40,6 Prozent die Übergabe an Mitarbeiter oder Miteigentümer. Diese Form hat damit gegenüber 2018 um knapp zwei Prozentpunkte zugelegt. Ein Verkauf an Externe wird von 38,2 Prozent in Betracht gezogen – rund drei Prozent mehr als vor acht Jahren. Zugleich steigt der Anteil der Betriebe, die eine Stilllegung erwägen. Jeder sechste Betrieb (16,8 Prozent) dürfte nicht fortgeführt werden – im Jahr 2018 waren es lediglich 12,0 Prozent.

Quelle:
www.creditreform.de



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