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Wenn der Nachfolger fehlt

Liebe Leserinnen und Leser,

der deutsche Mittelstand gilt als Rückgrat der Wirtschaft. Familienunternehmen prägen ganze Regionen, sichern Arbeitsplätze und sorgen für Stabilität – oft über Generationen hinweg. Doch ausgerechnet dieses Erfolgsmodell gerät zunehmend unter Druck: Immer mehr Unternehmer finden keinen Nachfolger.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Tausende Betriebe stehen in den kommenden Jahren zur Übergabe an. Doch während die Generation der Babyboomer langsam aus dem aktiven Geschäftsleben ausscheidet, bleibt die nächste Generation häufig aus. Immer öfter endet die Suche nach einem Nachfolger ergebnislos – innerhalb der Familie ebenso wie außerhalb.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen hat sich das wirtschaftliche Umfeld deutlich verändert. Unternehmerisches Risiko ist heute schwerer kalkulierbar als noch vor einigen Jahrzehnten. Energiepreise, Fachkräftemangel, geopolitische Spannungen, steigende Regulierung und eine hohe Steuer- und Abgabenlast schaffen ein Umfeld, in dem unternehmerische Entscheidungen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sind. Wer ein Unternehmen übernimmt, übernimmt nicht nur Chancen, sondern auch eine wachsende Zahl struktureller Risiken. Zum anderen spielt auch ein Generationenwechsel eine Rolle. Die Frage nach der Nachfolge ist längst nicht mehr nur eine betriebswirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle. Während frühere Generationen Selbstständigkeit oft als Ausdruck von Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten verstanden, bewertet ein Teil der jüngeren Generation Stabilität und Planbarkeit höher als unternehmerisches Risiko. Der klassische Weg „vom Sohn oder der Tochter im Betrieb“ wird damit seltener. Das bedeutet nicht, dass Unternehmergeist verschwunden wäre, aber er äußert sich heute oft anders. Start-ups erscheinen vielen attraktiver als die Übernahme eines bestehenden Betriebs mit gewachsenen Strukturen, Mitarbeitern, Verpflichtungen und teilweise erheblichem Investitionsbedarf. Die Übernahme eines Unternehmens bedeutet Verantwortung für gewachsene Strukturen – und genau das schreckt viele potenzielle Nachfolger ab. Die Folge ist eine stille strukturelle Veränderung im deutschen Mittelstand. Wo früher Familiennachfolgen selbstverständlich waren, müssen heute zunehmend externe Lösungen gefunden werden – etwa durch Management-Buy-outs, Verkäufe an andere Unternehmen oder Beteiligungsgesellschaften. Doch auch diese Wege sind nicht immer einfach umzusetzen. Wenn kein Käufer gefunden wird, bleibt am Ende manchmal nur die Stilllegung eines funktionierenden Betriebs. Diese Entwicklung betrifft längst nicht nur einzelne Branchen. Besonders sichtbar wird sie jedoch im Handwerk – einem Bereich, der traditionell stark familiengeprägt ist und in dem viele Betriebe über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurden.

Und damit sind wir bei einem der zentralen Themen unseres aktuellen Newsletters. Unsere aktuelle Analyse zur Wirtschaftslage im Handwerk zeigt: Die Branche kämpft weiterhin mit schwierigen Rahmenbedingungen. Steigende Kosten, schwache Nachfrage und zunehmende Insolvenzen prägen das Bild vieler Betriebe. Gleichzeitig verschärft sich auch hier die Nachfolgeproblematik. Immer häufiger stehen Betriebe zur Übergabe an, ohne dass ein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Die Folgen sind spürbar: Funktionierende Betriebe verschwinden vom Markt, obwohl Aufträge vorhanden wären. Damit geht nicht nur unternehmerisches Know-how verloren, sondern auch ein Stück wirtschaftlicher Substanz in vielen Regionen.

Neben dem Handwerk werfen wir in diesem Newsletter auch einen Blick auf weitere Entwicklungen im Mittelstand – etwa auf den Fortschritt der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen sowie auf aktuelle Trends bei Finanzierung, Investitionen und wirtschaftlicher Stabilität.

Ein ganz besonderes Highlight erwartet Sie zum Schluss. Zum ersten Mal bieten wir Ihnen ein exklusives Interview mit der führenden Koryphäe der Weinwirtschaft! Professor Dr. Simone Loose erläutert, warum selbst vermeintlich stabile Branchen in strukturellen Wandel geraten können. Lange galt der Weinanbau als vergleichsweise krisensicher – schließlich trinken die Menschen immer Wein, so die verbreitete Annahme. Doch genau dieses Geschäftsmodell gerät zunehmend unter Druck. Sinkender Alkoholkonsum, demografische Veränderungen und steigende Kosten stellen viele Weingüter vor grundlegende Herausforderungen.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre – bei Sonnenschein gerne mit einem Gläschen Weißwein. So lässt sich vieles deutlich besser ertragen.

Ihr
Patrik-Ludwig Hantzsch



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