Presse, Fachbeiträge & Neuigkeiten
Hier finden Sie eine Übersicht unserer aktuellsten Veröffentlichungen.
Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2026
Der Mittelstand scheint trotz Energiepreisschock, wirtschaftlicher Flaute und Iran-Krieg zuversichtlicher zu sein. Der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK) ist nach zwei Jahren wieder in den positiven Bereich gestiegen und liegt bei plus 5,3 Punkten. Gleichzeitig bleibt die Bewertung der aktuellen Lage im vierten Jahr in Folge mehrheitlich negativ. Der Blick auf die einzelnen Indikatoren zeigt eine strukturelle Unsicherheit, die den Mittelstand schwer belastet.

Mittelstand stemmt sich gegen steigende Energiepreise
Der militärische Konflikt im Nahen Osten bremst die leichte Erholung der deutschen Wirtschaft deutlich. Die aktuelle Stimmungslage in den Unternehmen ist aber grundsätzlich positiver als in den Vorjahren. Das zeigt die Frühjahrsstudie der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss zur Wirtschaftslage im Mittelstand, für die rund 1.850 kleine und mittlere Unternehmen befragt wurden.
Demnach kletterte der Creditreform Geschäftsklimaindex für den Mittelstand (CGK) nach zwei Jahren im Minus wieder in den Plusbereich und liegt mit 5,3 Punkten auf dem höchsten Stand seit vier Jahren.
„Der Iran-Krieg trifft den Mittelstand ins Mark. Er verteuert Energie, verlängert die Unsicherheit und bremst Investitionen. Die Folgen werden weit über die aktuelle Krise hinausreichen. Der vom Staat befeuerte Aufschwung wird flacher und anfälliger sein als angenommen“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Hantzsch schränkt ein: „Die Konjunkturerholung wird aber wohl hinter den ursprünglichen Prognosen zurückbleiben.“
Erholung bleibt fragil
Die ermittelte Belebung im Mittelstand bleibt daher sehr fragil. In der Bewertung der aktuellen Geschäftslage überwiegen weiterhin die negativen Einschätzungen – und das bereits im vierten Jahr in Folge. Belastend wirken nach wie vor die schwache Industrieproduktion und geopolitische Unsicherheiten. Die Trendwende kündigt sich jedoch an: Die Geschäftserwartungen im Mittelstand sind deutlich positiver als in den Vorjahren. Der Teilindex der Geschäftserwartungen hat sich gegenüber dem Vorjahresstand verdoppelt und liegt mit plus 14,3 Punkten etwa auf dem Niveau der Jahre 2021 bis 2023. Die Energiepreiskrise dürfte eine noch optimistischere Einschätzung verhindert haben, wobei das ganze Ausmaß der Irankrise noch nicht absehbar ist. Ob die Einschätzung der Unternehmenslenker so positiv bleiben, hängt stark von der Dauer des Konflikts und den Folgen ab.
„Der Mittelstand profitiert kurzfristig von steigenden Ausgaben und staatlichen Impulsen, was auch die Erwartungen steigen lässt. Das ist allerdings kein nachhaltiges Wachstum, sondern eine konjunkturelle Stütze auf Zeit. Wer nur die Nachfrage ankurbelt, ohne die Standortprobleme zu lösen, erkauft sich Aufschwung mit wachsender Verwundbarkeit“, so Hantzsch weiter. Gleichzeitig verweist der Sprecher von Creditreform. „Die Konjunkturwende muss durch Strukturreformen flankiert werden, sonst bleibt sie ein schuldenfinanziertes Strohfeuer.“
Umsatzbelebung bleibt schwach
Die Umsatzentwicklung im Mittelstand war in den ersten drei Monaten 2026 besser als im Vorjahreszeitraum. Die Belebung reichte jedoch nicht für einen deutlichen Anstieg. Per Saldo bleiben die Umsatzmeldungen im Negativbereich. Zwar berichteten 26,6 Prozent der befragten Unternehmen von einem Umsatzplus (Vorjahr: 20,4 Prozent), gleichzeitig verzeichneten aber noch 27,1 Prozent ein Umsatzminus (Vorjahr: 31,0 Prozent).
Immerhin jeder dritte Befragte (32,8 Prozent) erwartet aber für die kommenden Monate steigende Umsätze. Das ist ein höherer Anteil als in der Vorjahresumfrage (27,8 Prozent). Nur 14,5 Prozent der Befragten befürchten eine rückläufige Umsatzentwicklung (Vorjahr: 18,1 Prozent).
„Grundsätzlich zeigen die Umsatzerwartungen eine Verbesserung. Aus allen Bereichen des Mittelstandes kommen positive Signale. Die Konjunkturaussichten sind jedoch von großen Unsicherheiten geprägt. Der Aufschwung ist von der Krise im Nahen Osten bedroht und dürfte sich nur bei einer dauerhaften Lösung des Konflikts entfalten“, so Hantzsch.

Unternehmen zögern mit Investitionen
Die Verunsicherung zeigt sich auch bei den Investitionen. Der Mittelstand bleibt hier noch sehr zurückhaltend. Derzeit planen 44,7 Prozent der Befragten ein Investitionsvorhaben. Das liegt zwar über dem niedrigen Vorjahreswert von 41,7 Prozent, bleibt aber deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Die Investitionsbereitschaft wird auch von strukturellen Schwächen am Standort Deutschland gebremst.
Mittelstand fehlt Personal
Mit Ausnahme des Dienstleistungssektors ist die Beschäftigung im Mittelstand rückläufig. Fast 20 Prozent der befragten Unternehmen meldeten einen Rückgang der Mitarbeiterzahl, während nur 16,2 Prozent von einer Personalaufstockung berichteten. „Der Aufschwungstrend war in den letzten Monaten noch zu schwach, um wieder mehr Personal einzustellen. Neben der Konjunkturschwäche führt auch der demografische Wandel im Mittelstand tendenziell zu einem Beschäftigungsabbau“, sagt Hantzsch weiter.
Die weiteren Personalplanungen sind zwar expansiv, etwa durch saisonale Effekte im Frühjahr, allerdings ist der Optimismus deutlich gedämpft. 12,8 Prozent der Unternehmen werden ihre Belegschaft im kommenden halben Jahr verkleinern – ein so hoher Wert wurde zuletzt 2009 gemessen. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe dürfte sich der Stellenabbau fortsetzen.

Eigenkapitalquoten höher, Ertragslage weiterhin schwach
Die Eigenkapitalquoten im Mittelstand haben sich in den vergangenen Krisenjahren überraschend entwickelt: Der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen sinkt, während immer mehr Betriebe eine hohe Eigenkapitalquote aufweisen. Mittlerweile gelten 36,0 Prozent der Unternehmen als eigenkapitalstark (Eigenkapitalquote über 30 Prozent) – der höchste Wert seit drei Jahrzehnten. Gleichzeitig ist der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen mit weniger als 10 Prozent Eigenkapital auf 27,6 Prozent zurückgegangen.
„Diese Entwicklung ist kein Ausdruck steigender Gewinne, sondern spiegelt die Zurückhaltung der Unternehmen bei Investitionen. Bankkredite, etwa zur Erweiterung des Anlagevermögens, wurden seltener nachgefragt oder nicht verlängert. Entsprechend stieg die Eigenkapitalquote“, so Hantzsch.
Die Ertragslage im Mittelstand bleibt weiterhin angespannt und steht unter dem Eindruck der Krisen der vergangenen Jahre. Immerhin sind die Ertragserwartungen erstmals seit 2021 wieder mehrheitlich positiv.
Jetzt mit uns chatten!
Jetzt mit uns chatten!