Niedrigwasser – der Rhein fällt, die Kosten steigen
Anhaltendes Niedrigwasser, Trockenheit, Dürre – die Folgen des Klimawandels waren in diesem Sommer besonders deutlich zu spüren. Das Niedrigwasser stellt Unternehmen vor besondere Herausforderungen – und einmal mehr steigen die Kosten vieler Produkte.
Es war ein trauriger Minusrekord, der vor einigen Tagen verkündet wurde: In Kaub fiel der Pegelstand des Rheins Ende September auf zwei Zentimeter. Laut „Zeit“ gilt der dortige Pegelstand als wichtigster Gradmesser für die Industrie. Der dortige Abschnitt sei ein zentraler Engpass auf der wichtigsten deutschen Wasserstraße. Wie das ZDF und andere Medien berichteten, wurden Ende September auch an einigen Messstationen in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände erwartet – nachdem der Rhein bereits im August Negativrekorde aufgestellt hatte.
Die geringen Wassermengen machen der Schifffahrt seit Monaten zu schaffen. So können Frachtschiffe seit Wochen nur mit erheblich reduzierter Ladung fahren. Viele Flusskreuzfahrt- und Ausflugsschiffe sowie Fähren müssen ihren Betrieb zwischenzeitlich ganz einstellen.
Höhere Kosten, eingeschränkte Produktion
Bereits im August hatte die IHK Rheinhessen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage veröffentlicht. Demnach sind 72 Prozent der Unternehmen, die sich an der Befragung beteiligt haben, vom Niedrigwasser betroffen. In der Pressemitteilung der IHK heißt es: „78 Prozent der betroffenen Unternehmen melden höhere Kosten, 72 Prozent stellen ihre Logistik um. Fast jedes dritte schränkt bereits die Produktion ein, sechs Prozent haben Prozesse gestoppt. 13 Prozent sehen die Existenz ihres Standortes gefährdet. Besonders stark steigen die Logistikkosten: Bei gut der Hälfte der Unternehmen um mindestens 25 Prozent, bei einem Drittel sogar um 50 Prozent oder mehr.“ Laut „Handelsblatt“ haben sich die Frachtkosten von Rotterdam nach Karlsruhe seit Ende Juni von rund 45 auf 150 bis 160 Euro je Tonne mehr als verdreifacht.
Besonders anfällig sind laut IHK Rheinhessen rohstoff- und transportintensive Branchen wie Chemie, Mineralöl, Maschinenbau, Stahl sowie die Getreide- und Futtermittelwirtschaft. Doch auch Tourismus, Gastronomie und Handel würden die Folgen spüren. Ein Ausweichen auf Straße und Schiene sei für viele Unternehmen nur begrenzt möglich – die Gütermengen sind zu groß, die Ersatzkapazitäten begrenzt.
Hoher volkswirtschaftlicher Schaden erwartet
„Es ist eine wirklich kritische Situation“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, Nicole Rabold, Mitte September. Die IHKs gehen demnach von Wirtschaftsschäden in Milliardenhöhe aus. Wie hoch er tatsächlich ausfallen werde, sei noch unklar. „Entscheidend für die Frage, wie stark sich das Rhein-Niedrigwasser auf die Wirtschaft und die Schifffahrt auswirkt, ist der Pegel bei Kaub“, teilte Rabold mit. Wenn er unter die kritische Marke von 78 Zentimetern falle (Wassertiefe 1,6 Meter), würden Versorgungsengpässe bei Rohstoffen drohen. „Unter einem Pegelstand von 40 Zentimetern ist keine sinnvolle Binnenschifffahrt mehr möglich. Ausnahme sind einzelne Schiffe, die aufgrund ihrer Bauart für Niedrigwasser ausgelegt sind.“ Einen Anhaltspunkt für die mögliche Größenordnung des Schadens gibt es: Im Niedrigwasserjahr 2018 habe der volkswirtschaftliche Schaden rund 2,4 Mrd. Euro betragen.
Das passt scheinbar nicht zu der vor einigen Tagen erhöhten Konjunkturprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für 2026. Allerdings schränken die Institute ein: „Im dritten Quartal wird die konjunkturelle Dynamik vorübergehend durch das Niedrigwasser auf wichtigen Wasserstraßen behindert“, heißt es in der Ende September veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose. „Die seit Mitte Juli andauernde Niedrigwasserphase behindert insbesondere die chemische Industrie.“ Bereits Ende Juli hatte die „Zeit“ berichtet, dass die negativen Effekte des niedrigen Wasserstands im Rhein laut Kieler Institut für Weltwirtschaft das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent dämpfen könnten.
Verbraucherpreise werden weiter steigen
Eine Folge von Niedrigwasser und Dürren in der Landwirtschaft, die auch die Verbraucher zu spüren bekommen, sind steigende Preise. Energie, Mobilität, Transporte, Waren und Lebensmittel werden teurer – wegen der geopolitischen Konflikte und zunehmenden Handelshemmnissen, aber eben auch wegen Niedrigwasser und Dürren. Für Haushalte, die ohnehin kaum noch Puffer besitzen, kann eine vergleichsweise kleine zusätzliche Belastung den Ausschlag für eine finanzielle Schieflage geben. Experten halten einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge einen zusätzlichen Anstieg der Inflationsrate um bis zu 0,5 Prozentpunkte für möglich. Das wird viele Verbraucher in Bedrängnis bringen, die Überschuldung könnte weiter zunehmen.
Quellen:
www.gemeinschaftsdiagnose.de
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/inflation-creditreform-warnt-vor-ueberschuldungswelle-in-deutschland/100248547.html
https://www.ihk.de/rheinhessen/servicemarken/pressemitteilungen/pressemeldungen26/pm26-08-07-niedrigwasser-7139332https://www.zdfheute.de/panorama/pegelstand-rhein-rekord-tief-kaub-100.html
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-07/niedrigwasser-rhein-pegel-kaub-binnenschifffahrt-wirtschafthttps://www.zeit.de/wirtschaft/2026-09/niedrigwasser-rhein-schaden-wirtschaft-ihk-rheinland-pfalz-binnenschifffahrt-gxe
Eigene Recherche, 07.10.2026