Presse, Fachbeiträge & Neuigkeiten

Hier finden Sie eine Übersicht unserer aktuellsten Veröffentlichungen.

Creditreform Wirtschaftsnews

Wo soll ich wohnen?

Deutschland braucht mehr Wohnraum. Tatsächlich jedoch entstehen zu wenige neue Wohnungen, wie jetzt beim „Wohnungsbau-Tag 2026“ in Berlin deutlich wurde. Das hat Folgen für die Menschen – und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

In Berlin kamen am 26. März zahlreiche Experten zum diesjährigen „Wohnungsbau-Tag 2026“ zusammen, der von sieben Verbänden und Organisationen der Bau- und Wohnungswirtschaft veranstaltet wurde. In den Medien war im Vorfeld nichts Gutes zum Thema zu lesen. „Wohnungsbau in der Krise“, „Absoluter Tiefpunkt“, „Sozialer Sprengstoff“ – Überschriften wie diese ließen aufhorchen.

Genau am 26. März meldete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), für 2026 könnte ein neuer Tiefpunkt beim Wohnungsneubau in Deutschland in Sicht sein. Das RND zitierte den Bundesvorsitzenden der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger, mit den Worten: „Die Zahl neu gebauter Wohnungen wird auf unter 200.000 sinken.“ Das sei nicht einmal mehr die Hälfte von dem, was mindestens gebaut werden müsste. Damit wird eine rote Linie gerissen.“

Dem Bericht zufolge bezog sich der IG-Bau-Chef auf die Auswertung verschiedener Bauindikatoren, etwa die Vorbestellungen für Material und Einschätzungen aus der Branche.

Notwendig seien laut Feiger neben neuen Sozialwohnungen vor allem bezahlbare Wohnungen. Diese seien die Voraussetzung für funktionierende Arbeitsmärkte und damit auch für die Zuwanderung von Fachkräften. „Wenn die Babyboomer in Rente gehen, dann müssen die Menschen, die deren Jobs übernehmen, auch wohnen können. Schon heute fahren viele stundenlang und kilometerweit zum Arbeitsplatz. Die Menschen, die sich das Wohnen am wenigsten leisten können, leiden unter der Wohnungsnot am meisten“, zitierte das RND den IG-Bau-Vorsitzenden.

Laut RND warnte Feiger gleichzeitig vor den wirtschaftlichen Folgen der Wohnungskrise. Demnach hänge jeder siebte Arbeitsplatz und jeder siebte Euro in der Bruttowertschöpfung mit dem Wohnungsbau zusammen. Deshalb ist dem Bericht zufolge für Feiger klar: „Ohne deutlich mehr Wohnungsbau wird es keine wirtschaftliche Erholung geben. Mehr Wohnungsbau ist der Schlüssel für mehr Wirtschaftswachstum.“

Dieses Wirtschaftswachstum würden sich zum Beispiel die vielen Betriebe des Bauhandwerks wünschen. Wie die im März veröffentlichte Studie „Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2025/26“ von der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt, sahen sich die Handwerksbetriebe insgesamt in den vergangenen Monaten einem schwierigen Konjunkturumfeld gegenüber. Eine Folge: Weiterhin überwiegen in fast allen Teilbranchen des Handwerks die negativen Umsatzmeldungen. Der Saldo der Umsatzentwicklung im Handwerk sank auf -3,3 Prozentpunkte. Im Bauhandwerk gaben 23,6 Prozent der Unternehmen an, der Umsatz sei zuletzt gestiegen, während 24,3 Prozent hingegen gesunkene Umsätze meldeten. Zudem sorgt die anhaltend schwache Konjunktur – und somit auch die anhaltend schwache Baukonjunktur – dafür, dass im Handwerk insgesamt der Beschäftigtenabbau weitergeht, während die Entwicklung im Bauhandwerk stagniert. Hier haben etwa gleich viele Befragte den Personalbestand aufgestockt oder verkleinert. Von einem Stellenzuwachs ist insgesamt nicht die Rede.

Aufgehellt haben sich hingegen – auch im Bau- und Ausbauhandwerk – die Umsatzerwartungen. Allerdings berücksichtigt die Studie noch nicht die jüngste Entwicklung infolge des Iran-Krieges und der damit einhergehenden erheblichen Energiepreissteigerungen.

Aktuelle Studie zeigt Wege zu billigerem Bauen

Zurück zum Wohnungsbau-Tag. Dort lautete die Bilanz am Abend: „Deutschland steckt beim Wohnen in der Krisenstarre“, wie es etwa auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e. V. heißt. Wie diese Starre aufgelöst werden könnte, zeigt eine Studie des Bauforschungsinstituts ARGE aus Kiel und des Berliner Forschungsinstituts RegioKontext, die beim Wohnungsbau-Tag vorgestellt wurde. Ein Hebel ist demnach offenbar günstigeres Bauen.

Die Studie plädiert für ein einfaches, erleichtertes Bauen. Die Rede ist vom sogenannten „Gebäudetyp E“, einem Planungsansatz, bei dem sich durch den Verzicht auf nicht zwingend erforderliche Normen und Standards Baukosten und Bauzeit reduzieren lassen. Heute würde ein Quadratmeter Wohnfläche in deutschen Großstädten und Metropolregionen im Schnitt über 4.600 Euro kosten – mit Grundstückskosten liege der Neubau sogar bei 5.400 Euro pro Quadratmeter. In Schleswig-Holstein würden aktuell Wohnungen mit Baukosten unter 3.500 Euro pro Quadratmeter gebaut. „Warum also um ein Drittel teurer bauen – und dies auch noch fördern“, zitiert das „architekturblatt“ den Chef des Kieler Bauforschungsinstituts Prof. Dietmar Walberg. Er sieht enorme Chancen durch günstigeres Bauen: Der Staat könne mehr Wohnungen fördern und damit auch mehr Wohnungen bauen – und das bei Einhaltung aller Vorschriften. Allerdings brauche es dazu ein „Gebäudetyp-E-Gesetz“, heißt es im „architekturblatt“. Die Bundesregierung sei seit einem Jahr dabei, das auf den Weg zu bringen. Dabei müssten allerdings auch wirklich Erleichterungen im Vordergrund stehen, keine neuen Anforderungen.

Quellen:
https://www.architekturblatt.de/absturz-auf-unter-200-000-neubau-wohnungen-droht-mangel-an-kleinen-wohnungen-verschaerft-krise-enorm/
https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/wirtschaftslage-und-finanzierung-im-handwerk-2025-26
https://www.dgfm.de/aktuelles/artikel/wohnungsbau-tag-2026
https://www.rnd.de/wirtschaft/ig-bau-chef-feiger-wohnungsbau-in-deutschland-erreicht-neuen-tiefpunkt-KH5UIVH2YVBTVJUXEOS5WCUPJU.html



KontaktKontakt