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Pleite - die zweite

Es ist wieder soweit: GALERIA Karstadt Kaufhof ist insolvent. Und das zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren. Bereits 2020, im Zeichen des Lockdowns, hatte sich das Unternehmen unter einen Schutzschirm gestellt. Die Sanierung ist wohl gescheitert und das zweite sogenannte Schutzschirmverfahren auf dem Weg.

Nun hat sich das Unternehmen mit seinen großen Gläubigern, und dazu gehört vor allem der Wirtschaftsstabilisierungsfond (WSF), darauf geeinigt, dass ein solches Schutzschirmverfahren durchgeführt werden kann. Das letzte Verfahren hatte zu massiven Einschnitten bei der traditionsreichen Handelskette geführt, und auch jetzt sind Arbeitsplatzverluste und Kürzungen bei den Gläubigerforderungen wohl kaum abzuwenden.

Dabei wird vielfach gefragt, ob es sich bei dem Kaufhaus nicht um einen Saurier handelt, der akut vom Aussterben bedroht ist. Die aktuellen Krisen bringen nur ans Licht, was eigentlich ganz klar ist: Angesichts des boomenden Internethandels und eines Facheinzelhandels, der sich vornimmt, auf ganz individuelle Kundenwünsche eingehen zu können, hat das Modell vom „Kaufhof bietet tausendfach, alles unter einem Dach“ in der bisherigen Form keine Überlebenschance.

Mitarbeiter müssen gehen

GALERIA Karstadt Kaufhof betreibt den Handel mit rund 17.000 Mitarbeitern. Jetzt hat man einen besonderen Sanierungstarifvertrag gekündigt und es ist davon auszugehen, dass die anstehenden Sanierungen etwa das gleiche Ausmaß haben werden wie vor zwei Jahren. Damals waren vierzig Filialen geschlossen worden, 4.000 Mitarbeiter verloren ihre Stelle und mehr als zwei Mrd. Euro an Schulden waren für die Gläubiger abzuschreiben. Galeria Chef Miguel Müllenbach hat in einem Interview erklärt, dass mindestens ein Drittel der Niederlassungen gestrichen werden. Das bezieht sich auf 131 Warenhäuser, die auf 97 deutschen Städten verteilt sind.

Müllenbach sieht die Schuld für den erneuten Einbruch im Krieg in der Ukraine, der hohen Inflation und der damit verbunden der Zurückhaltung der Verbraucher. Das aber ist nicht ganz richtig. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte für August Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen, die sogar preisbereinigt um 0,9 Prozent zulegen konnten. Nominal, also inklusive der massiven Inflation, beträgt der Zuwachs gegenüber dem Vorjahresmonat sogar 9,9 Prozent. Insbesondere beim Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen war eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 11,8 Prozent zu erzielen. Dabei ist durchaus festzuhalten, dass – wie der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes ausführte – „insbesondere die höheren Kosten in der Beschaffung und Logistik sowie die stark gestiegenen Energiekosten (...) sich in den höheren nominalen Umsätzen“ spiegeln. GALERIA Karstadt Kaufhof hat den Zwischenboom, der sich nach dem Auslaufen der Corona-Schutzmaßnahmen als nachholender Konsum bildete, nicht nutzen können.

Eigenverwaltung mit Schutzschirm

Es bleibt also mehr als fraglich, ob der neue Schutzschirm den Durchbruch bringt. Das Schutzschirmverfahren ist eine Sonderform im deutschen Insolvenzrecht, das 2012 grundlegend mit dem Ziel verändert wurde, eine Sanierung von Unternehmen auch außerhalb eines Insolvenzverfahrens geregelt möglich zu machen. Im Verfahren bleibt das Management im Amt. Anders als beim regulären Insolvenzverfahren und bei der Insolvenz in Eigenverwaltung allgemein wird ein Sachwalter, kein Insolvenzverwalter, bestellt, der vom betroffenen Unternehmen frei wählbar ist. Voraussetzung dafür ist, dass keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Und:  Die Sanierung darf nicht offensichtlich unmöglich sein. Dafür ist ein Gutachten vorzulegen. Das Verfahren ist nur für größere Unternehmen geeignet, an seinem Ende steht dann schließlich ein Sanierungsplan oder ein reguläres Insolvenzverfahren.

Das Kaufhaus stellte jüngst noch einen Antrag für Beihilfe von staatlicher Seite in Höhe von 250 Mio. Euro. Dieser Antrag, der viel Staub aufgewirbelt hatte, ist nun obsolet. Es bleibt zu hoffen, dass das Management zusammen mit dem Sachwalter und den anderen Beteiligten dieses Mal erfolgreicher sein wird. Fragen sind erlaubt, war doch das Management in letzter Zeit von einer hohen Fluktuation geprägt. Und hinzu kommen auch weitere Fragen an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko, der über beträchtliche Mittel verfügt und wohl auch in der Pflicht wäre, seine Unterstützung zu leisten.