Cyberangriffe als wirtschaftlicher Risikofaktor
Warum Sicherheit zur betriebswirtschaftlichen Pflicht geworden ist
Der Neujahrsempfang der Oldenburgische IHK hat das Thema klar gesetzt: Wirtschaft und Sicherheit sind untrennbar miteinander verbunden. In ihrer Festrede machte Daniela Behrens, Niedersächsische Ministerin für Inneres, Sport und Digitalisierung, deutlich, dass Cybersicherheit längst keine IT-Detailfrage mehr ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und Handlungsfähigkeit.
Die Schadensdimension: kein Randthema, sondern Systemrisiko
Die Zahlen sind eindeutig. Der wirtschaftliche Schaden durch Cyberangriffe in Deutschland belief sich im vergangenen Jahr auf rund 280 Milliarden Euro. Diese Summe umfasst Produktionsausfälle, Betriebsunterbrechungen, Datenverluste, Wiederherstellungskosten sowie Reputationsschäden. Aus Sicht der Creditreform-Beratung ist entscheidend: Es handelt sich um Kosten ohne Gegenwert. Cyberangriffe erzeugen keinerlei Wertschöpfung, sondern binden Liquidität, Managementkapazität und Investitionsspielräume.
Besonders relevant für den Mittelstand ist die Verbreitung der Angriffe. Rund 87 % der deutschen Unternehmen waren bereits von Cyberattacken betroffen, gleichzeitig führen nur etwa 50 % regelmäßige Sicherheitsschulungen für Mitarbeitende durch. Diese Lücke zwischen Bedrohung und Prävention erhöht die Anfälligkeit erheblich und verschärft im Schadensfall die finanziellen Folgen.
Bedrohungslage: gezielt, strategisch, dauerhaft
In den sicherheitspolitischen Einordnungen, unter anderem beim Neujahrsempfang, wurde deutlich, dass Cyberangriffe zunehmend staatlich oder staatlich gesteuert erfolgen. Angriffe aus Russland und China werden europaweit flächendeckend beobachtet, mit klarer strategischer Logik: Ausspähen von Know-how, Störung kritischer Prozesse und Schwächung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Behrens betonte, dass Unternehmen Teil der gesamtgesellschaftlichen Resilienz sind und damit auch Teil der Angriffsfläche.
Wirtschaftliche Folgen über den Einzelfall hinaus
Cyberangriffe wirken nicht isoliert. Sie beeinflussen Lieferketten, Finanzierungsbedingungen und Versicherbarkeit. Unternehmen mit unzureichender IT-Sicherheitsstruktur sehen sich zunehmend mit höheren Prämien, Ausschlüssen in Cyberversicherungen oder kritischeren Kreditprüfungen konfrontiert. Für Kreditgeber und Wirtschaftsauskunfteien ist Cyberresilienz damit ein relevanter Faktor der Risikobewertung geworden.
Schutz ist keine Option, sondern Investition
Aus Beratungssicht der Creditreform-Gruppe ist der Schluss eindeutig:
- IT-Sicherheit ist betriebswirtschaftliche Vorsorge, vergleichbar mit Liquiditäts- oder Versicherungsmanagement
- Prävention – insbesondere Schulungen, klare Notfallpläne und technische Mindeststandards – ist deutlich günstiger als Schadensbewältigung.
- Unternehmen, die Cybersicherheit systematisch angehen, stärken nicht nur ihre Abwehrfähigkeit, sondern auch ihre Kreditwürdigkeit und Zukunftsfähigkeit.
Fazit
Die Botschaft aus Politik, Sicherheitsbehörden und Wirtschaft ist konsistent: Eine realistische Einschätzung der Sicherheitslage ist Grundlage unternehmerischer Entscheidungen. Wer Cybersicherheit vernachlässigt, geht ein kalkulierbares, aber unnötig hohes wirtschaftliches Risiko ein. Oder, zugespitzt formuliert: Jeder Euro, der heute nicht in Schutz investiert wird, kann morgen ein Vielfaches kosten.
