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Gründer kommen nicht auf die Füße

Tendenziell ist das Gründungsgeschehen in Deutschland bereits seit zehn Jahren rückläufig.

Nachdem es im Zug der Finanzkrise 2008 zu einem Aufschwung bei der Selbstständigkeit gekommen war, ist ein weiteres kurzzeitiges Zwischenhoch zwischen 2012 und 2014 in eine Phase der Stagnation übergegangen. Aktuell, für das Jahr 2018, ist ein weiterer deutlicher Rückgang hinzunehmen. Um 3,8 Prozent hat die Zahl der Gründungen gegenüber dem Vorjahr abgenommen. 2018 wurden rund 155.000 Unternehmen gegründet – das sind immerhin 6.000 weniger als noch ein Jahr zuvor und fast 60.000 weniger als vor zehn Jahren.

Über die seit Jahren stagnierenden Gründungszahlen ist viel nachgedacht worden und es sind einige Gründe gefunden worden, diese besorgniserregende Entwicklung zumindest im Ansatz erklären zu können. So wird die positive Lage am Arbeitsmarkt und die Vielzahl von Beschäftigungsmöglichkeiten als Grund dafür gesehen, dass eine Selbstständigkeit mit all ihren Risiken für viele nicht infrage kommt. Der verschärfte Fachkräftemangel und damit einhergehend die guten Verdienstmöglichkeiten für qualifizierte Personen lassen gerade in den mittleren und hohen Einkommensgruppen das Interesse an einer Selbstständigkeit und den entsprechenden Verdienstmöglichkeiten schrumpfen. Hinzu kommt: Die demographische Entwicklung in Deutschland insgesamt sorgt dafür, dass immer weniger junge Personen zur Verfügung stehen, die überhaupt eine Gründung ins Auge fassen würden. Mittlerweile ist die Gründung in den fortgeschrittenen Altersklassen keine Seltenheit mehr, sie kann aber natürlich das Potenzial junger Menschen nicht aufwiegen.

Zahl der Start-ups geht zurück

Ein Blick auf die Wirtschaftssektoren, die unter der geringeren Gründungstätigkeit leiden, macht deutlich, dass vor allem die Industriebranchen – dazu ist hier auch der Bau zu zählen – unter der rückläufigen Gründungsaktivität zu leiden haben. Noch gefährdeter allerdings zeigt sich der Handel. Das Minus in den Handelsbranchen ist deswegen besonders prekär, weil in diesem Sektor, vor allem aber auch in den konsumorientierten Dienstleistungsbranchen, die meisten neuen Unternehmen gegründet werden. So entstanden 2018 nur rund 51.000 neue Betriebe im Bereich der konsumorientierten Dienstleister und 27.000 neue Betriebe im Handel. Zu fragen ist in diesem Zusammenhang, ob die aktuelle Schwächung des internationalen Handels, die Handelsbarrieren und Zölle, die für eine Eintrübung der globalen Konjunktur sorgen, auch für die Schwächen bei den Gründungen im Handel und den konsumorientierten Dienstleistungen eine Rolle spielen.

Wirklich beunruhigend ist der Rückgang des Gründungsgeschehens bei den forschungs- und entwicklungsintensiven Industriezweigen, die Spitzentechnologie und höherwertiger Technologie zur Verfügung stellen sollen. Auch wenn die Abnahme, die sich bereits im industriellen Bereich in Deutschland abzeichnete, möglicherweise zu einer Zurückhaltung auch beim Gründungsgeschehen in den verbundenen industrienahen Spitzentechnologien führte, kann dies noch nicht die schwierige Situation insgesamt erklären. Es ist viel die Rede von der Digitalisierung und der Rolle, welche die sogenannten Start-ups dafür spielen. Da fällt es schwer hinzunehmen, dass im Jahr 2018 noch etwas mehr als 1.100 Unternehmen und damit 15 Prozent weniger als im Vorjahr aus dem Bereich der forschungs- und entwicklungsintensiven Unternehmen gegründet wurden. Das Innovationspotenzial der deutschen Wirtschaft im Zeichen der Digitalisierung steht mit einer Verringerung der Gründungszahlen in diesen damit verbundenen Branchen auf dem Spiel. Auch wenn viele neuen Technologien durch große und etablierte Unternehmen auf den Markt gebracht werden, bleibt es doch dabei, dass ohne die Start-ups – und sei es nur als Katalysator des Geschehens im etablierten Unternehmen – die Ausbildung neuer Technologien zu wünschen übrig lassen wird.

Der Rückgang des Gründungsgeschehens in den Hightech Branchen ist bundeslandübergreifend. Durchschnittlich beträgt die prozentuale Abnahme zwischen 8 Prozent in Bayern und Berlin sowie 25 bis 27 Prozent in Rheinland-Pfalz, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Quelle: „JUNGE unternehmen“, September 2019 (u. a.)