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Wachstumsprognose: Zahlen gut, Betriebe schwach

„Aufschwung“ – dieses Wort haben wir schon lange nicht mehr gehört. Nun taucht es in der Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute auf. Diese haben Ende September ihre Prognose vom Frühjahr nach oben korrigiert und erwarten nun ein BIP-Plus von immerhin 1,3 Prozent für dieses Jahr.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. „Die deutsche Wirtschaft ist seit Ende 2025 im Aufschwung. Die Erholung fällt stärker aus als noch im Frühjahr erwartet“, meldeten die fünf deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute DIW Berlin, ifo Institut, Kiel Institut für Weltwirtschaft, IWH und RWI Ende September. Sie erwarten nun für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent – nachdem sie im Frühjahr noch von einem Anstieg um lediglich 0,6 Prozent ausgegangen waren.

Der Dämpfer folgt aber auf dem Fuße. Schon im Vorspann der Pressemitteilung heißt es: „Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet. Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten.“ Im dritten Quartal bremse zudem Niedrigwasser die Aktivität vorübergehend. Eine weitere Warnung vorab: Das staatliche Defizit nehme weiter zu, sodass sich ein wachsender Konsolidierungsbedarf aufstaue.

Vor allem Exporte tragen zur positiven Entwicklung bei

Doch zunächst zum positiven Teil der Nachricht. Dass sich die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr 2026 so positiv entwickelt hat, führen die Institute vor allem auf die Exporte und die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe zurück. Beide Sektoren hätten überraschend stark zugelegt.

In der Tat entwickelte sich das grenzüberschreitende Geschäft erfreulich. Laut DIW Berlin stiegen die Exporte im zweiten Quartal 2026 um zwei Prozent. Im gesamten 1. Halbjahr 2026 wurden 3,7 Prozent mehr Waren aus Deutschland exportiert, meldete das Statistische Bundesamt (Destatis) im August.

Impulse kamen laut der Gemeinschaftsdiagnose auch von einer robusten Weltkonjunktur und dem weltweiten KI-Boom, außerdem seien Wettbewerber aus der Golfregion wegen des Iran-Kriegs erheblichen Produktionsbeeinträchtigungen ausgesetzt gewesen. Was ebenfalls zunahm, war laut den Instituten der Staatsverbrauch.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht sogar noch einen Schritt weiter: „Die deutsche Wirtschaft wächst seit sechs Jahren nur noch, weil der Staat mehr ausgibt“, ließ das Kölner Institut Anfang Oktober wissen. Aus eigener Kraft schaffe die gesamte Privatwirtschaft derzeit kein Wachstum. Das IW legte jetzt eine Studie vor, der zufolge allein dem Staatskonsum und den staatlichen Investitionen mit einem positiven Beitrag von 0,6 Prozentpunkten pro Jahr zu verdanken sei, dass Deutschland zwischen 2020 und 2025 auf ein dürres Wachstum von 0,2 Prozent pro Jahr kam. „Eine Konjunktur, die allein aus staatlichen Impulsen resultiert, ist für eine freie Marktwirtschaft weder normal noch nachhaltig – vor allem, wenn sie wie aktuell mit höherer Verschuldung erkauft ist“, heißt es in der Presseerklärung zur Studie.

Abschwächung im dritten Quartal

Nun schreiben wir das dritte Quartal 2026 – und da sieht die Lage schon wieder ein bisschen anders aus. „Im dritten Quartal hat sich die Erholung vorübergehend verlangsamt“, lassen die fünf Institute wissen. Da ist zum einen das anhaltende Niedrigwasser – es behindere zum Beispiel die Produktion in der Chemischen Industrie. Zudem würden die höheren Energiepreise die Kaufkraft und damit den privaten Konsum belasten.

Ein Blick aufs aktuelle Konsumklima des Nürnberg-Instituts für Marktentscheidungen (NIM) vom 25. September zeigt: Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland erleidet im September einen kräftigen Rückschlag. Das Konsumklima verliert nach den Erwartungen der Verbraucher für Oktober demnach 3,8 Punkte und sinkt auf -30,6 Punkte. „Der markante Rückgang ist neben einer gestiegenen Sparneigung vor allem auf das deutliche Abrutschen der Einkommenserwartung zurückzuführen“, teilte das NIM mit. Auch die Anschaffungsneigung gehe leicht zurück.

2028 könnte es mit dem Aufschwung fast schon wieder vorbei sein

Die Institute bleiben dennoch optimistisch. Mit steigenden Pegelständen der Flüsse würden die Produktionshemmnisse nachlassen, zugleich bleibe die Nachfrage aus dem Ausland robust. Außerdem sehen die Institute steigende öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Und 2027 soll sich der Aufschwung fortsetzen. Die Schätzung: ein BIP-Plus von 1,1 Prozent.

Für die Zeit danach treten die Wirtschaftsforschungsinstitute jedoch wieder auf die Bremse: Bloß noch um 0,4 Prozent soll die Wirtschaft dann zulegen. Der Grund: Zunehmend zeige sich eine strukturelle Grenze des Aufschwungs. „Das Erwerbspersonenpotenzial schrumpft demographiebedingt, und das Potenzialwachstum geht weiter zurück“, heißt es in der Gemeinschaftsdiagnose. „Bereits geringe Zuwachsraten reichen daher künftig aus, um die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten auszulasten.“

Klar ist jedenfalls: Die Wachstumsschwäche Deutschlands ist nicht behoben. Es „braucht dringend mehr Wirtschaftswachstum, um trotz der gesellschaftlichen Alterung das Sozialsystem und damit den sozialen Frieden zu erhalten, die Verteidigungsfähigkeit herzustellen und das ausufernde Staatsdefizit wieder in den Griff zu bekommen“, kommentierte etwa der Bonner „General-Anzeiger“ Ende September. Kernproblem seien die seit Jahren ausbleibenden privaten Investitionen. „Sie kommen nicht wieder, wenn Investoren kein Vertrauen in die deutsche Politik haben“, heißt es in dem Kommentar. „Ein Zick-Zack-Kurs bei den vereinbarten Reformen ist daher Gift für die wirtschaftliche Zukunft.“

Quellen:
www.destatis.de
www.diw.de
https://ga.de/news/wirtschaft/ueberregional/herbstprognose-reformen-durchhalten-ist-jetzt-die-devise_aid-155356389https://gemeinschaftsdiagnose.de/
https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/michael-groemling-konjunktur-wachstum-kommt-seit-2020-nur-vom-staat.html
www.nim.org



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