Erhöhte Liquidität durch Kapitalfreisetzung

Erhöhte Liquidität durch Kapitalfreisetzung

Sie benötigen flüssige Mittel für eine Investition oder möchten vorübergehende Zahlungsschwierigkeiten überbrücken? Ein Instrument ist die Kapitalfreisetzung.

Gebundenes Kapital freisetzen – Liquidität verbessern

Jedes Unternehmen verfügt über gebundenes Kapital, also Vermögensgegenstände des Anlage- und Umlaufvermögens, die nicht sofort als liquide Mittel freigesetzt werden können. Da die Liquidität eines Unternehmens zentraler Baustein für den Geschäftserfolg ist, ist es besonders wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den flüssigen und gebundenen Vermögensgegenständen zu schaffen.
Ist zu viel Kapital gebunden, verschlechtert das die Liquidität eines Unternehmens. Eine schlechte Liquidität wiederum wirkt sich negativ auf die Bonität aus. Das kann dazu führen, dass das Unternehmen bei Kreditgebern schlechtere Konditionen erhält oder gar zahlungsunfähig wird. Um die Kapitalbindung zu verringern, besteht die Möglichkeit der Kapitalfreisetzung. Bei dieser Form der Innenfinanzierung wird gebundenes Kapital mittels Vermögensumschichtung in flüssige Mittel umgewandelt.

Warum gebundenes Kapital freisetzen?

In der Bilanz auf der Aktiva-Seite sind das Anlage- und Umlaufvermögen von oben nach unten mit zunehmender Liquidität dargestellt. Bei der Kapitalfreisetzung geht es nun darum: Gebundenes Kapital – vor allem im Anlagevermögen, aber auch im Umlaufvermögen – soll möglichst verringert und in flüssige Mittel, zum Beispiel das Bankkonto, umgewandelt werden. So sichert sich ein Unternehmen seine Liquidität und optimiert gleichzeitig auch das Working Capital. Denn durch das höhere Umlaufvermögen erhöht sich entsprechend auch die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Kapitalfreisetzung dient dem Unternehmen also dazu, sich selbst von innen heraus flüssige Mittel zu beschaffen. Dieses Vermögen steht dann für neue Investitionen zur Verfügung – ohne, dass das Unternehmen auf eine Finanzierung von außen, beispielsweise durch eine Bank, angewiesen ist.

Kapitalfreisetzung: Maßnahmen zur Verringerung der Kapitalbindung

  • Vermögensveräußerung

    Wenn Sie eine wichtige Investition ohne Finanzierung von außen tätigen oder einfach Ihre liquiden Mittel steigern möchten, sollten Sie einen Blick auf Ihre Vermögensgegenstände im Anlagevermögen werfen. Besitzen Sie Immobilien oder Grundstücke, die Sie veräußern können, da Sie sie nicht mehr benötigen? Bei der Kapitalfreisetzung spielt die Veräußerung von Vermögen eine entscheidende Rolle, weil es sich hierbei oftmals um hohe Beträge handelt, die in flüssige Mittel umgewandelt werden können. Dazu zählen weiterhin Maschinen, Ihr Fuhrpark, aber auch Wertpapiere.

  • Pachten oder Leasen von Anlagevermögen

    Anstatt Anlagevermögen zu kaufen, ist es auch möglich, Vermögen zu pachten oder zu leasen. Beispielsweise haben viele Unternehmen kein eigenes Firmengebäude in Form von gebundenem Kapital, sondern mieten ein Gebäude an und zahlen monatlich Miete an den Vermieter. Durch eine Anmietung bleiben Sie flexibler. Sollte der Standort einmal nicht mehr ideal sein oder sich die Mitarbeiterzahlen stark nach oben oder unten verändern, können Sie im Rahmen des Mietvertrages ein anderes Gebäude anmieten. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Vermieter für die Instandhaltung des Gebäudes zuständig ist.
    In Kombination mit der ersten Maßnahme, der Veräußerung von Vermögensgegenständen, können Sie verkauftes Anlagevermögen wieder zurückleasen. Das Prinzip nennt sich Sale & Lease Back. Es kommt vor allem dann in Frage, wenn Sie Vermögensgegenstände verkaufen wollen, diese aber noch benötigen. So besteht die Möglichkeit, hochpreisige Maschinen wieder zurück an den Hersteller zu verkaufen; gleichzeitig vereinbaren Sie mit diesem einen Leasingvertrag. Dabei zahlen Sie monatliche Leasingbeiträge, müssen sich nicht mehr um die Wartung kümmern und können den Leasingvertrag fristgerecht kündigen. Bei Bedarf können Sie außerdem weitere Maschinen leasen, ohne dass Sie weiteres Kapital binden.

    Tipp: Das Prinzip Sale & Lease Back macht nur Sinn, wenn die Erlöse der Veräußerung den Buchwert übersteigen.

  • Abschreibungen

    Abschreibungen stellen den Wertverlust eines Vermögensgegenstandes, zum Beispiel einer Maschine, dar. Sie werden als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht. Ziel ist es, den genauen Wert des Vermögensgegenstandes aufzuzeigen. Am Ende der Nutzungsdauer soll mit den angesammelten Abschreibungsgegenwerten die Ersatzbeschaffung der Maschine vorgenommen werden. Dazu müssen die Abschreibungen jedoch durch die Umsatzerlöse erwirtschaftet worden sein, indem sie im Verkaufspreis mit eingerechnet sind. So sinkt einerseits das Sachanlagevermögen um die Abschreibungen, andererseits nimmt der Bestand an liquiden Mitteln zu. Der Kapitalfreisetzungseffekt entsteht nun durch die zeitliche Diskrepanz zwischen dem Eingang der Zuflüsse – also die durch die Umsatzerlöse erwirtschafteten zusätzlichen liquiden Mittel – und dem Abfluss durch die Reinvestition für die Maschine. Die über die Umsatzerlöse erwirtschafteten zusätzlichen liquiden Mittel werden für einen bestimmten Zeitraum bis zur Reinvestition nicht benötigt und können somit zwischenzeitlich für andere Investitionen verwendet werden.

  • Verringerung von Vorräten

    Bei einer Prüfung der Bestände lassen sich meist Optimierungen vornehmen, die dazu führen, dass Vorräte reduziert werden. Je mehr Vorräte über einen längeren Zeitraum lagern, desto mehr Kapital in Form von Umlaufvermögen wird gebunden und Lagerkosten entstehen. Eine Möglichkeit, dies zu verhindern, ist der Bezug von Just-in-time-Lieferungen. Hierbei werden Vorräte nicht zwischengelagert, sondern sofort verarbeitet. Dies bedarf allerdings der Einführung eines angepassten Bestellsystems, welches Neubestellungen ad-hoc auslösen kann.

  • Reduzierung des Forderungsbestands

    Viele Forderungen, die lange offene Posten bleiben, binden Ihre Liquidität. Das Ziel lautet also: Der Forderungsbestand sollte reduziert werden. Dies erreichen Sie, indem Sie dafür sorgen, dass Ihre Schuldner schneller zahlen, beispielsweise durch die Verkürzung des Zahlungsziels. Indem Sie Skontoabzug anbieten, schaffen Sie Anreize, die den Schuldner dazu bewegen, schneller zu zahlen, als ihm das Zahlungsziel maximal Zeit gibt. Grundsätzlich ist ein strikteres Mahnwesen empfehlenswert, damit überfällige Rechnungen schneller eingezogen werden können. Wenn Sie nach dem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen Ihre Liquidität sofort sichern möchten, können Sie Ihre Forderungen in Form von Factoring an ein Factoringunternehmen verkaufen.

Rechenbeispiel: Wie sich Forderungsausfälle auf die Liquidität auswirken


Die Beispiel GmbH mit einem Jahresumsatz von 1.000.000 Euro und einer Umsatzrendite von 2 Prozent, erzielt einen Gewinn von 20.000 Euro. Wenn im Laufe eines Jahres Forderungen in Höhe von nur 0,5 Prozent vom Umsatz ausfallen – das sind 5.000 Euro –, beträgt der Gewinn nach Forderungsausfall nur noch 15.000 Euro. Um den Verlust auszugleichen und die Umsatzrendite zu halten, muss die Firma 250.000 Euro zusätzlich erwirtschaften, also 25 Prozent. Das ist in vielen Fällen kaum zu schaffen und zudem auch unnötig, wenn ein Betrieb ein systematisches Liquiditäts- und Forderungsmanagement betreibt.

Durch die Verringerung des Kapitals, das in Forderungen gebunden ist, verbessert sich die Rentabilität sowie die Bonität und der Unternehmenswert steigt.
Sie möchten ein strikteres Mahnwesen einführen, um offene Rechnungen einzufordern und so Außenstände zu reduzieren?

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