ESG-Kriterien: Mehr Nachhaltigkeit für Unternehmen

Immer mehr Unternehmen müssen in Zukunft darüber berichten, wie nachhaltig sie arbeiten. Was hinter dem Kürzel ESG steckt und wie Unternehmen sich darauf vorbereiten.

ESG-Kriterien für Unternehmen: Das steckt dahinter

Nachhaltigkeit ist eins der gesellschaftlichen Megathemen der 2020er-Jahre – und damit auch ein Muss für Unternehmer. Vom Einzelhändler bis zum Automobilzulieferer, vom Handwerksbetrieb bis zum IT-Dienstleister, sie alle stehen vor der Herausforderung, nachhaltiger zu wirtschaften. In einer Studie des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Commerzbank antworteten 77 Prozent der befragten Unternehmen, dass insbesondere der Mittelstand nur dann zukunftsfähig sei, wenn er das Thema Nachhaltigkeit ernsthaft angehe. Viele Kunden und Mitarbeiter erwarten inzwischen Anstrengungen in Sachen Klimaschutz und Ressourceneffizienz. Und auch die Politik macht Druck. Die Europäische Kommission konzentriert sich mit ihrem Green Deal ebenso auf den Umwelt- und Klimaschutz wie die neue Bundesregierung. Und mit dem Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten wird auch der soziale Aspekt unternehmerischer Nachhaltigkeit immer wichtiger.

 

Mit ESG Nachhaltigkeit messbar machen

Die Frage ist nur: Wie kann man Nachhaltigkeit zähl- und messbar machen? Als Standard haben sich die sogenannten ESG-Kriterien etabliert, die von der Finanzbranche entwickelt wurden. Das „E“ steht für Environment, also alle Auswirkungen, die unternehmerische Aktivitäten auf Umwelt und Klima haben. „S“ steht für Social. Hier werden Aspekte wie Arbeits- und Gesundheitsschutz und gesellschaftliches Engagement bewertet. Und „G“ steht für Governance, eine seriöse Unternehmensführung, die die Gesetze achtet und Steuerungs- und Kontrollprozesse pflegt.

ESG-Daten werden für Unternehmen immer wichtiger

Bis heute hat die Finanzbranche großen Anteil daran, dass ESG-Daten für Unternehmen immer wichtiger werden. Laut einer Berechnung der Förderbank KfW müssten in Deutschland rund fünf Billionen Euro öffentlich, privat sowie von der Wirtschaft investiert werden, um das Land bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu machen. Einen Großteil dieses Geldes werden Banken zur Verfügung stellen. Gegenüber ihren Aufsichtsbehörden müssen diese dann dokumentieren, dass die Kredite an nachhaltige Unternehmen und Geschäftsmodelle vergeben wurden. Und genau dafür brauchen sie ESG-Daten der Unternehmen.

Banken achten verstärkt auf Nachhaltigkeit

In einer herkömmlichen Bilanz kommt es darauf an, gegenüber der Bank vor allem den finanziellen Erfolg zu dokumentieren. Unternehmerische Folgen für Umwelt und Gesellschaft spielen darin keine Rolle. Doch das ändert sich gerade grundlegend.

Künftig wollen Banken und andere Geschäftspartner wissen, welche Emissionen die Herstellung eines Produkts verursacht, welchen Klimarisiken wie etwa Hitze, Dürre oder Hochwasser ein Unternehmen ausgesetzt ist und ob es seine Mitarbeiter fair behandelt. Kurz: Wer aktiv die Nachhaltigkeit seines Geschäftsmodells darstellt oder zumindest dokumentiert, dass er mit der Transformation begonnen hat, findet nicht nur leichter eine Finanzierung, sondern erhält auch bessere Konditionen.

Dabei helfen, Geld in nachhaltige Technologien und Unternehmen zu lenken, soll auch die sogenannte EU-Taxonomie. Mit diesem Regelwerk legt die EU-Kommission Standards für ökologisches Wirtschaften fest.

Stream zum Download

ESG - Kein Hype, sondern nachhaltig!

Erfahren Sie in unserem Live-Stream,

  • warum nachhaltige Unternehmensführung künftig nicht mehr wegzudenken ist,
  • wie Nachhaltigkeit einstuft wird
  • und wie die praktische Umsetzung aussehen könnte

Hier kostenfrei downloaden!

  • Dauerhaft kostenloser Creditreform Account.
  • Alle exklusiven Inhalte jederzeit abrufbar.
  • Unbegrenzter Zugriff auf wissenswerte Fachartikel, Checklisten & Downloads.

Was gibt die EU-Taxonomie konkret vor?

Mit ihrer Taxonomie-Verordnung legt die EU-Kommission Standards für ökologisches Wirtschaften fest. Im Kern geht es darum, unternehmerische Tätigkeiten dahingehend zu bewerten, ob sie einen „grünen“ Beitrag leisten oder nicht. Anhand dieser Bewertung sollen Investoren oder Geldgeber einschätzen können, ob ein Unternehmen nachhaltig arbeitet. Unterteilt ist die Taxonomie bisher in diese sechs Umweltziele:

  1. Verhinderung des Klimawandels
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltige Nutzung von Wasser- und Meeresressourcen
  4. Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft
  5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  6. Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme

 

Konkret definiert sind bisher die ersten beiden Ziele zur Verhinderung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel. Die Herausforderung: Mit mindestens einem von diesen sechs Zielen müssen Unternehmen ihre Aktivitäten in Einklang bringen – und zwar ohne eins oder mehrere der anderen Ziele zu beeinträchtigen. Zudem müssen sie Mindestanforderungen in sozialen Bereichen und bei der Achtung der Menschenrechte erfüllen.

Für wen gilt die EU-Taxonomie?

Im ersten Schritt gilt die EU-Taxonomie vor allem für große börsennotierte Unternehmen. Im Rahmen der sogenannten Non-Financial Reporting Directive (NFRD) muss jeder eine Erklärung abgeben und offenlegen, ob seine Aktivitäten mit der Taxonomie übereinstimmen, der…

mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt,

… einen Umsatz von mindestens 40 Millionen Euro erwirtschaftet, oder

… eine Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro aufweist.

Im April 2021 wurde beschlossen, diese Richtlinie auch auf kleinere Unternehmen auszuweiten. Als Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) liegt nun ein neuer Vorschlag vor. Sollte er 2022 umgesetzt werden, könnten bald schon notierte Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden berichtspflichtig werden. Experten schätzen, dass dies in Europa rund 50.000 Unternehmen beträfe, in Deutschland gut 15.000.

ESG für Unternehmen: Nachholbedarf im Mittelstand

Die EU-Kommission geht davon aus, dass es unabhängig von den Richtlinien für Unternehmen jeder Größe gängige Praxis wird, Informationen zur Nachhaltigkeit zu erheben und zu teilen. Das benötigt eine gute Vorbereitung. Die Münchner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dr. Kleeberg & Partner hat in einer Studie die Nachhaltigkeitskommunikation von rund 50 großen bayerischen Mittelstands- und Familienunternehmen aus verschiedenen Branchen untersucht. Das Ergebnis: Nach guten ersten Schritten „besteht auch noch wesentlicher Nachholbedarf – sowohl hinsichtlich der Robustheit der Grundlagen als auch der Konsistenz.“ In Zahlen ausgedrückt heißt das: Zwar berichtetet immerhin fast die Hälfte der Unternehmen über ihre nachhaltigen Produkte und Dienstleistungen, aber nur gut ein Drittel veröffentlichte einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht. Zudem zeigte sich, dass die Berichte, die veröffentlicht wurden, keinem einheitlichen System folgten.

An welchen ESG-Vorgaben können sich Unternehmen orientieren?

Ohne einen einheitlichen Standard ist der Vergleich von Nachhaltigkeitsdaten verschiedener Unternehmen aber kaum möglich. Verschiedene Organisationen und Institutionen arbeiten deshalb daran, ein Regelwerk für grüne Bilanzen zu etablieren.

  • GRI: Global Reporting Initiative

    Das am weitesten verbreitete Regelwerk ist das der Global Reporting Initiative (GRI). Dier gemeinnützige Stiftung wurde bereits 1997 gegründet. Laut eigener Aussage nutzen mehr als 10.000 Unternehmen weltweit die GRI-Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Besonders gut für Mittelständler: Die GRI-Standards lassen sich auf Organisationen unterschiedlicher Größe, Struktur und Standorte zuschneiden. Auf ihrer Website bietet die GRI hilfreiche Softwaretools zum Download an, die die Berichterstattung erleichtern.

  • SASB: Sustainability Accounting Standards Board

    Das Sustainability Accounting Standards Board (SASB) ist ebenfalls eine unabhängige und gemeinnützige Organisation. Ähnlich wie das International Accounting Standards Board für die finanzielle Berichterstattung, legt das SASB Regeln für die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsinformationen fest. Bisher gibt es diese Standards für 77 Branchen. Im November 2021 wurde eine deutsche Übersetzung veröffentlicht.

  • TCFD: Task Force on Climate-related Financial Disclosures

    Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) ist die Initiative eines internationalen Gremiums, das mit Unterstützung der G20-Mitglieder gegründet wurde. Die 2017 veröffentlichten Empfehlungen für eine einheitliche Klimaberichterstattung haben einen etwas anderen Schwerpunkt. Sie bewerten besonders die finanziellen Risiken, die der Klimawandel auf ein Geschäftsmodell hat.

  • Vereinheitlichung der Standards

    Neben den genannten arbeiten zahlreiche weitere Organisationen an eigenen Reporting-Standards. Im September 2020 haben fünf große Organisationen, darunter auch die GRI und das SASB, eine Absichtserklärung veröffentlicht. Darin kündigen sie an, dass sie Standards harmonisieren.

     

Wie unterstützt Creditreform Unternehmen in Sachen ESG?

Durch die Gesetzgebung, die Anforderungen von Banken an Kreditnehmer sowie von Unternehmen an Geschäftspartner entwickeln sich Nachhaltigkeitsdaten sich zu einem neuen Bereich der Wirtschaftsinformation. Als führende Auskunftei in Europa wird Creditreform diesen Prozess mit validen Daten begleiten. „Unser Ziel ist es, zu jedem wirtschaftsaktiven Unternehmen in Deutschland eine belastbare Aussage zum Thema Nachhaltigkeit treffen zu können“, sagt Dr. Michael Munsch, Vorstand der Creditreform Rating AG, „und das schon in absehbarer Zeit“.

Mit seiner großen Erfahrung im Bereich der Bonitätsanalyse und Auskunft besitzt Creditreform die Technologien und das Know-how dazu. Der Creditreform ESG-Score 1.0 bewertet bereits die Nachhaltigkeit von 76 Wirtschaftszweigen in 25 europäischen Ländern. Banken und Finanzdienstleister können damit schon heute ihre Kreditportfolios beurteilen. Grundlage dafür sind öffentlich verfügbare Daten aus Nachhaltigkeitsberichten von rund 9.000 internationalen Unternehmen sowie Daten aus internationalen Quellen wie Eurostat, der Weltbank und Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). 

Parallel entwickelt Creditreform seine ESG-Auskunft in Richtung eines unternehmensindividuellen ESG-Scores kontinuierlich weiter.

ESG-Beratung

Vorausschauende Unternehmer nehmen ESG und daraus entstehende Chancen und Risiken in ihr Compliance Management System mit auf – und holen sich dabei Hilfe an Bord. Zum Beispiel von den Experten der Creditreform Compliance Services (CCS). Sie erweitern ihr Portfolio, das bisher Themen wie Geldwäscheprävention, Datenschutz, MaRisk- und Wertpapier-Compliance bestand, um maßgeschneiderte ESG-Beratungen.

Jetzt informieren


Das könnte Sie auch interessieren

Wie Sie Ihren Bonitätsindex verbessern

Wenn Sie Ihre eigene Bonitätsbewertung kennen, dann wissen Sie, auf welcher Grundlage Ihre Geschäftspartner Ihr Ausfallrisiko einschätzen. Wir erklären, wie Sie Ihren Bonitätsindex verbessern.

Zum Artikel

Wirtschaftsauskunft: Geschäftspartner im Blick

Kennen Sie Ihre Geschäftspartner durch und durch? Eine Wirtschaftsauskunft sorgt für die nötige Transparenz und sichere Geschäfte. Doch wer darf sie einholen und was steht in einer Auskunft?

Zum Artikel

7 Top-Strategien fürs Kreditgespräch

Sie brauchen einen Kredit? Wer gut vorbereitet ist, erhöht seine Chancen bei der Bank. Auf welche erfolgversprechenden Strategien Sie beim Kreditgespräch setzen sollten, damit die Finanzierung klappt.

Zum Artikel
Kontakt Kontakt