Einzelhandel: Unsere Läden sterben
Die anhaltende wirtschaftliche Krise macht auch vor dem Einzelhandel nicht halt. Die Lage in den Innenstädten ist weiterhin schwierig. Nach jüngsten Prognosen des Handelsverbandes Deutschland werden 2026 fast 5.000 Geschäfte verloren gehen.
Am Rande des Handelsimmobilienkongresses in Berlin Ende März veröffentlichte der Handelsverband Deutschland (HDE) seine aktuelle Prognose zur Entwicklung des Handels in den Innenstädten. Die unmissverständliche Botschaft: Es sieht nicht gut aus. Im Laufe des Jahres 2026 werden demnach 4.900 Geschäfte in Deutschland verloren gehen. Neueröffnungen sind bereits gegengerechnet – die Zahl der Geschäfte, die dauerhaft schließen, liegt also sogar noch höher.
„Seit zehn Jahren verlieren wir in Deutschland jährlich mindestens 4.500 Geschäfte oder mehr“, sagte HDE-Präsident Alexander von Preen. Während der Corona-Jahre habe der Wert teilweise sogar bei über 11.000 gelegen. Der Verlust verheiße nichts Gutes. „Viele Innenstädte leiden heute schon sichtlich unter Leerständen“, sagte der HDE-Präsident, „Besserung erscheint bei den Zahlen der letzten Jahre nicht in Sicht.“
Erstmals könnte die Zahl der Geschäfte in Deutschland bis zum Jahresende auf unter 300.000 sinken, nämlich auf 296.600, teilte der HDE mit. Vor zehn Jahren seien es noch knapp 367.000 gewesen. Innerhalb einer Dekade ist also ungefähr ein Fünftel der Ladenlokale verschwunden.
Viele Geschäfte schließen, weil sich keine Nachfolge findet oder weil die Inhaber keine Perspektive mehr sehen. Allerdings steigt auch die Zahl derjenigen, die Insolvenz anmelden müssen, weil die Liquidität nicht mehr reicht. Wie die im Dezember von Creditreform vorgelegte Untersuchung „Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025“ zeigt, steigt die Zahl der Unternehmen, die Insolvenz anmelden müssen, besorgniserregend. Besonders gefährdet sind Kleinstunternehmen, das Verarbeitende Gewerbe – und der Handel. So nahmen im Handel die Fälle 2025 um über zehn Prozent zu. Im gleichen Monat hatte auch Allianz Trade eine Untersuchung vorgestellt, die ebenfalls einen enormen Anstieg der Insolvenzen im deutschen Einzelhandel konstatiert. „In den zwölf Monaten zwischen August 2024 und August 2025 verzeichnete der deutsche Einzelhandel 2.490 Insolvenzen und blieb so nur knapp unter dem Negativrekord von 2.520 Insolvenzen zwischen Oktober 2015 und Oktober 2016“, teilte Allianz Trade mit.
Mangelnde Konsumlaune verschärft das Problem
„Die Lage ist bei vielen vor allem mittelständischen Händlern ernst“, kommentierte von Preen. „Das Umfeld mit der seit Jahren vor sich hindümpelnden Konsumlaune ist schwierig.“
In der Tat bereitet die mangelnde Konsumlaune vielen Unternehmen enorme Schwierigkeiten. In ihrer „Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026“ gehen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute davon aus, dass die Inflationsrate 2026 auf durchschnittlich 2,8 Prozent ansteigen wird, im Jahr darauf auf 2,9 Prozent. Sie erwarten, dass dies den privaten Konsum dämpfen werde.
Aus Nürnberg kommt die gleiche Einschätzung. „Der Iran-Krieg belastet die Verbraucherstimmung. Der Konsumklima-Indikator sinkt den Erwartungen der Verbraucher nach für April 2026 auf -28,0 Punkte“, heißt es im jüngsten „NIM Konsumklima powered by GfK“ vom 26. März. Dies sei im Vergleich zum Vormonat (revidiert -24,8 Punkte) ein Minus von 3,2 Punkten. Das Nuremberg Institute für Market Decisions (NIM) meldet einen starken Rückgang der Einkommenserwartungen der Verbraucher um 12,6 Prozent und spricht von einer „spürbaren Eintrübung des Konsumklimas“. 60 Prozent der Deutschen geben einer aktuellen NIM-Studie zufolge an, dass sie davon ausgehen, dass die Preise für Öl, Gas und Benzin dauerhaft hoch bleiben. „Das drückt natürlich auf die Verbraucherstimmung“, heißt es vom NIM.
Der HDE fordert bessere Rahmenbedingungen für den Einzelhandel. Er sei das Rückgrat lebendiger Innenstädte. „Einkaufen ist der Hauptgrund für einen Innenstadtbesuch. Wer sein Stadtzentrum vital erhalten oder gestalten will, braucht deshalb Geschäfte. Jeder Leerstand ist einer zu viel“, sagte HDE-Präsident von Preen Ende März in Berlin.
Quellen:
https://www.allianz-trade.de/presse/pressemitteilungen/einzelhandel-insolvenzen-in-deutschland-steigen-weiter-an.html
https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/insolvenzen-10-jahres-hoch-erreicht
https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/15122-schlechte-nachrichten-fuer-die-innenstaedte-hde-prognose-fuer-2026-einzelhandel-in-deutschland-verliert-4900-geschaefte
https://www.ifo.de/pressemitteilung/2026-04-01/gemeinschaftsdiagnose-fruehjahr-2026-energiepreisschock-daempft
https://www.nim.org/konsumklima/detail-konsumklima/konsumklima-iran-krieg-drueckt-verbraucherstimmung
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