Erholt sich der ehemalige „Exportweltmeister“?
Die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute korrigierten ihre Wachstumsprognosen soeben nach oben. Ein Grund: Offenbar entwickelte sich der Außenhandel besser als zunächst angenommen. Wichtigster Handelspartner bleibt China – allerdings vor allem wegen der Einfuhren.
„Exportüberraschung hebt Wachstumsaussichten“, meldete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) Anfang September. Das Institut hob, wie die anderen führenden Wirtschaftsforschungsinstitute einen Tag später ebenfalls, seine Konjunkturprognose für 2026 an – die deutsche Wirtschaft dürfte um 1,2 Prozent wachsen. Interessant ist die Begründung für die Korrektur: Neben Energiepreissteigerungen, die geringer ausgefallen seien als zunächst befürchtet, sei „vor allem der im Frühsommer unerwartet kräftige Außenhandel“ ausschlaggebend.
Wie das DIW mitteilte, wuchs die deutsche Wirtschaft nach einem starken Jahresauftakt im zweiten Quartal um 0,3 Prozent. „Maßgeblich war der Außenhandel: Die Exporte stiegen um 2,0 Prozent, besonders bei Mineralölerzeugnissen und chemischen Vorprodukten. Dabei dürften Vorzieheffekte infolge der Energiemarktunsicherheit eine Rolle gespielt haben“, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch Hersteller von Datenverarbeitungs- und Elektronikprodukten hätten vom weltweiten Ausbau von Rechenzentren im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI) profitiert.
Diese Entwicklung griff auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel auf. „Die deutsche Wirtschaft hat sich trotz des Krieges im Nahen Osten nicht ausbremsen lassen“, sagte er vor einigen Tagen bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Treffens der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure in den USA. Die Weltwirtschaft zeige sich insgesamt durch den Handel mit Technologiegütern in Zusammenhang mit KI robust und der Welthandel trotz des immer wieder aufflackernden Konflikts am Persischen Golf weiterhin dynamisch.
China weiterhin wichtigster Handelspartner
Wenige Tage zuvor hatte das Statistische Bundesamt (Destatis) aktuelle Exportzahlen veröffentlicht. Demnach sind die deutschen Exporte im ersten Halbjahr 2026 um 3,9 Prozent gestiegen und erreichten einen Wert von 817,8 Mrd. Euro. Damit lagen sie um 31 Mrd. Euro über dem Vorjahreszeitraum. Auch die Einfuhren legten zu: Nach Deutschland importiert wurden demnach zwischen Januar und Juni 2026 insgesamt Waren im Wert von 712,1 Mrd. Euro – ein Plus von 31,7 Mrd. Euro oder 4,7 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025.
Wichtigster Handelspartner im ersten Halbjahr 2026 – wie bereits im gesamten Jahr 2025 – war laut Destatis China. Der Umsatz aus Exporten und Importen betrug 125,5 Mrd. Euro. Es folgten die USA mit 123,7 Mrd. Euro und die Niederlande mit 109,3 Mrd. Euro.
USA bedeutendstes Abnehmerland deutscher Exporte
Die USA blieben – trotz aller Schwierigkeiten – das wichtigste Abnehmerland deutscher Exporte, teilte Destatis weiter mit. Insgesamt gingen Waren im Wert von 73,1 Mrd. Euro aus Deutschland in die Vereinigten Staaten. Das waren allerdings 6,1 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Besonders stark gingen dabei offenbar die Exporte von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen zurück – der Anteil sank laut Destatis um 17,2 Prozent. Auf Platz 2 und 3 folgen Frankreich und Niederlande, dorthin nahmen die deutschen Ausfuhren um 7,6 bzw. 9 Prozent zu. Die Exporte nach China wiederum reduzierten sich um 12,2 Prozent. Damit lag China in der Rangfolge der wichtigsten Abnehmerländer deutscher Waren laut Destatis auf Platz 9.
Während aus Deutschland Waren im Wert von 36,4 Mrd. Euro nach China gingen, summierten sich die Einfuhren im ersten Halbjahr 2026 auf 89,1 Mrd. Euro. Damit rangiert China mit großem Abstand auf Platz 1 der wichtigsten deutschen Lieferländer. Auf den Plätzen 2 und 3 landeten demnach die USA mit 50,6 Mrd. Euro und die Niederlande mit 48,9 Mrd. Euro.
Wichtigste Export- und Importgüter Deutschlands waren weiterhin Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile sowie Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse. Weiteres Top-Exportgut (Platz 2): Maschinen.
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