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Es wird kein leichtes Jahr

Mit der Corona Krise sind die Prognosen zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland (aber auch weltweit) ständig korrigiert worden.

Immer wieder wurde ein „kräftiger Wachstumsschub“ prognostiziert, der dann mit der nächsten Welle und einer neuen Variante oder Mutation des Virus zu berichtigen war. Seit einigen Wochen leben wir in der vierten Welle der Pandemie, ein Ende ist nicht abzusehen und Omikron lässt befürchten, dass die Inzidenzwerte, die ohnehin schon Höchststände markieren, im weiteren Verlauf des Winters noch anziehen.

Das Jahresgutachten des Sachverständigenrats war im November vorgelegt worden. Die Wirtschaftsweisen schätzten das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für 2022 auf rund 4,6 Prozent. Einen Monat später senkte das Ifo-Institut seine Angaben zur Konjunktur und sprach davon, dass die anhaltenden Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle die deutsche Wirtschaft spürbar ausbremsen würden. Um 1,4 Prozentpunkte wurde das Wachstum des BIP auf 3,7 Prozent gesenkt. Ifo-Konjunkturchef Wollmershäuser: „Die zunächst erwartete kräftige Erholung für 2022 verschiebt sich weiter nach hinten.“

Die Lieferung bleibt aus

Es sind vor allem die coronabedingten Lieferengpässe, die im Gutachten zur weiteren Entwicklung eine zentrale Rolle spielen. Gerade in Deutschland mit seiner wichtigen Industrieproduktion sind die Unterbrechungen in den Lieferketten fatal. Hinzu kommt, dass die Engpässe auch ein wesentlicher Inflationstreiber sind. Für das Jahr 2022 jedenfalls gehen fast alle Experten von einer Verbraucherpreisinflation von über 3 Prozent aus. Das von der EZB einmal gesetzte und nach wie vor noch gültige Ziel einer Rate von unter oder 2 Prozent wird damit deutlich verfehlt. Angetrieben wird die Inflation von gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen. An der Inflation entzündet sich mancher Streit, der in der Geldpolitik der EZB schon angelegt war, nun aber, beim Portemonnaie des Verbrauchers angekommen, politisches Gewicht bekommt. In Deutschland spricht man von „Geldentwertung“, was in einer traditionell auf Sparen und Solidität ausgerichteten Gesellschaft ein sensibles Thema darstellt. Auch wenn die Inflationsraten in den folgenden Jahren, schon aufgrund der statistischen Ausgangslage, wieder geringer werden, warnt der SVR, „dass sich die höhere Inflationsrate verfestigen könnte, auch wenn er dafür aktuell keine Anzeichen sieht.“

Arbeit geht nicht aus

Der private Konsum war in Krisenzeiten und trotz der Schließung der Ladenlokale vieler Einzelhändler ungebrochen und eine Stütze der Konjunktur. Das Konsumklima hängt aber unmittelbar mit der Situation auf dem Arbeitsmarkt zusammen. Dabei war es gelungen, trotz der Rückgänge in der Produktion und bei den Aufträgen eine große Arbeitslosigkeit durch das wirkungsmächtige Instrument der Kurzarbeit zu verhindern. Das Ifo-Institut geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten beiden Jahren weiter fällt. Von 5,7 (2021) auf rund 5,2 Prozent im Jahr 2022. Die Zahl der Erwerbstätigen würde sich 2022 erhöhen und die Kurzarbeit, die 1,7 Millionen Beschäftigte in den Corona-Zeiten durchschnittlich betroffen hat, könnte 2022 auf 310.000 Personen zurückgehen. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im Dezember 2021 seine Konjunkturumfrage veröffentlicht und sieht im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Arbeitsmarkts weniger positive Antworten bei den Befragten. So gehen die Dienstleister zwar zum größten Teil davon aus, neue Mitarbeiter einstellen zu wollen, gleichzeitig aber stieg der Anteil der Betriebe, die Arbeitskräfte abbauen wollen, seit dem Sommer 2021 um 5 Prozentpunkte.

Unternehmen zuversichtlich

Insgesamt macht sich in der IW-Konjunkturumfrage spürbarer Optimismus bei den Unternehmen bemerkbar. Trotz Corona schätzen die Betriebe „ihre Aussichten für das Jahr 2022 insgesamt positiv ein.“ Die Zuversicht für das begonnene Jahr macht sich bei den Unternehmen auch daran fest, dass die deutliche Mehrheit angab, in 2022 mehr investieren zu wollen als im Vorjahr. Branchenübergreifend gaben die Befragten dem Institut der deutschen Wirtschaft zu verstehen, dass sie für das Jahr 2022 eine bessere Lage erwarten. Die Hälfte Unternehmen rechnet mit einer höheren Geschäftstätigkeit als im Vorjahr und nur 15 Prozent gehen angesichts der schwierigen Lage von einem Einbruch aus. Im Zeichen eines vorsichtigen Optimismus stehen aber nicht nur die privaten Investitionen, die für den weiteren Wirtschaftsausblick entscheidend sind, sondern nach Aussage der Sachverständigen auch staatliche Investitionsmaßnahmen.

Die weitere Zukunft im Blick

Das alljährliche Gutachten des SVR, das der Regierung vorgelegt wird, soll für die politische Arbeit Erkenntnisse und Rat bringen. Entsprechend geht der Inhalt über die aktuelle Prognose zu den wichtigsten Wirtschaftsindikatoren hinaus. Es geht vielmehr darum, für die Wirtschaft strategische Weichen zu stellen. In diesem Jahr war dies vor allem die Herausforderung durch die Transformation, die mit drei Worten beschrieben werden kann: Bildung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Dafür gilt es „Geld auszugeben“. Dass die drei Begriffe für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands bereits in der nahen Zukunft zentral sind, ist wohl unbestritten. Weniger unstrittig ist aber die Frage, wie diese Investitionen zu finanzieren sind. Wenn tatsächlich ein mittlerer, zweistelliger Millionenbetrag nötig wird, dann bleibt die Frage, wie es mit der Verschuldung, Stichwort „Schuldenbremse“, weitergeht. Die Corona-Krise und die Vielzahl von Hilfsmaßnahmen hat einiges gekostet. Immer wieder wurde vorgebracht, dass man über die akut schwierige Lage nicht die Themen „Umwelt“ oder „Digitalisierung“ vergessen dürfe. Tatsächlich war der Lockdown ein Katalysator in Hinblick auf die weitere Digitalisierung, zumindest für die Arbeitsplätze.

Zunächst aber gilt es, bei allen dringend erforderlichen Zukunftsperspektiven, im Jahr 2022 den Arbeitsmarkt zu stabilisieren, die Produktion zu erhöhen und den Ausbau betrieblicher Kapazitäten voranzutreiben. Vielleicht gelingt beim Bruttoinlandsprodukt ja eine Drei vor dem Komma – wenn wir Corona in den Griff bekommen.

Quellen: IW, Sachverständigenrat, Ifo



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