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Gasthaus, Kneipe, Italiener: Für viele letzte Runde

Dauerkrise in der Gastronomie: Die Zahl der Unternehmensschließungen und Insolvenzen steigt weiter an – stärker als der Durchschnitt. Das zeigt eine Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung. Vor allem strukturelle Probleme setzen der Branche zu.

Wann waren Sie das letzte Mal bei Ihrem Lieblingsitaliener, im Traditionslokal oder in der Kneipe um die Ecke? Gibt es die überhaupt noch?

Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes e. V. (DEHOGA) verbuchte die Branche 2025 real (preisbereinigt) das sechste Jahr in Folge Umsatzverluste. Gleichzeitig belasten demnach die massiv gestiegenen Kosten die Betriebe, so dass auch die inflationsbedingten nominalen Umsatzsteigerungen in der Regel nicht zu Gewinnsteigerungen führen.

Die Folge: Die Zahl der Unternehmensschließungen und Insolvenzen steigt weiter an. Allein in den Jahren 2024 und 2025 gaben bundesweit rund 24.500 Gaststätten, Restaurants und Lokale auf. Auch die Zahl der Insolvenzen legte zu – 2025 um fast 30 Prozent und damit deutlich stärker als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Bereits vor zwei Jahren haben Creditreform und ZEW in einer Sonderauswertung die Folgen der Pandemie auf die Wirtshäuser untersucht. Damals machten vor allem „exogene Faktoren“ den Lokalen das Leben schwer: Pandemie, Energiekrise, Rohstoffkosten, Inflation. Das hat die Gastronomie damals hart getroffen und nicht wenigen Betrieben das Genick gebrochen. Denn die Zahl der Schließungen und Insolvenzen hat seit der Untersuchung von 2024 wieder zugenommen. Diesmal sind es allerdings weniger die akuten Krisen, die der Gastronomie zusetzen, als vielmehr ein strukturelles Problem.

Nachtisch und das zweite Glas Wein entfallen

Kurz gesagt: Die Verbraucher bleiben häufiger zu Hause. Wenn sie ausgehen, beschränken sich die Restaurantbesuche häufig auf ein Hauptgericht und ein Getränk – Vorspeise, Nachtisch oder das zweite Glas Wein fallen unter den Tisch. Das schlägt auf die Umsätze und hohe Personalkosten tun ihr Übriges.

Lage ist und bleibt angespannt

Eigentlich sollte die Absenkung der Umsatzsteuer von 19 auf sieben Prozent zum 1. Januar 2026 der Gastronomie Luft verschaffen. Für viele Unternehmen kommt diese Entlastung jedoch zu spät. Das illustriert die Entwicklung der Insolvenzzahlen. 2024 bereits nahmen die Insolvenzen in der Branche um 26,5 Prozent zu und 2025 sogar um knapp 30 Prozent, wie die Analyse von Creditreform zeigt. Dieser heftige Anstieg spiegelt die angespannte Lage wider. Allein 2025 mussten rund 2.900 Betriebe Insolvenz anmelden – mehr als doppelt so viele wie 2022. Im Zeitraum von 2020 bis 2025 summierte sich die Zahl der Insolvenzen in der Gastronomie bundesweit auf rund 11.250. Zu den bekanntesten Insolvenzfällen der vergangenen Jahre gehörte die Cocktail- und Restaurantkette „Sausalitos“ mit über 1.000 Beschäftigten.

Besonders stark stiegen zuletzt die Insolvenzen in den Unterbranchen „Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben“ mit einem Plus von 30,5 Prozent sowie „Caterer und Verpflegungsdienstleister“ mit einem Plus von 30,7 Prozent. Etwas weniger deutlich fiel der Anstieg mit plus 23,9 Prozent bei „Diskotheken und Getränkeausschank“ aus.

Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht bald verbessern, steht zu befürchten, dass sich die Gastronomie weiter ausdünnt. Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten sowie der Konsumzurückhaltung der Verbraucher ums Überleben. Besonders in kleinen Städten und Dörfern dürfte dieser Wandel deutlich sichtbar werden.

Finanzielle Lage in der Gastronomie ist schwierig

Wer die Krisen bisher überstanden hat, kann sich dennoch nicht unbedingt ausruhen. Denn die aktuelle Studie von Creditreform zeigt, dass es um die finanzielle Lage vieler Gastronomiebetriebe nicht gut bestellt ist. So liegen die Eigenkapitalquoten deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Bei fast vier von zehn Unternehmen der Gastrobranche beträgt die Quote weniger als zehn Prozent. Knapp ein Drittel der Betriebe weist zudem eine negative Gewinnmarge auf und weitere 30 Prozent arbeiten zwar profitabel, erzielen jedoch nur geringe Margen von unter fünf Prozent.

Das kann schnell zu Problemen führen. Denn oft übersteigen die kurzfristigen Verbindlichkeiten die liquiden Mittel. In solchen Fällen steigt das Insolvenzrisiko. Daher dürfte die Zahl der Insolvenzen 2026 nochmals steigen.

Quellen:
https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/dauerkrise-in-der-gastronomie-mehr-als-11000-insolvenzen-seit-2020
www.dehoga-bundesverband.de/fileadmin/Startseite/04_Zahlen___Fakten/DEHOGA-Zahlenspiegel_4._Quartal_2025.pdf



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