Pressemeldungen, Fachbeiträge & Neuigkeiten

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Creditreform Magazin

Geschenktes Geld

Deutschland braucht Innovationen. Doch kleine und mittlere Unternehmen haben oft zu wenig Wagniskapital, um Projekte zu realisieren. Bund und Länder unterstützen mit Zuschüssen. Warum sich der Aufwand lohnt, einen Förderantrag einzureichen.

Auf den Millimeter genau müssen die Kisten konzipiert und gebaut sein. Die Werner Kuhlmann GmbH fertigt individuelle, containergerechte Exportverpackungen und bietet das gesamte Handling rund um den Versand von Gütern und Waren ins Ausland. „Wir haften, falls beispielsweise teure Maschinen auf ihrer Reise Schaden nehmen“, erklärt  Thomas Behrens, Geschäftsführer des Unternehmens in Marl. Entsprechend muss alles passgenau sein.

Dabei arbeitet die Firma mit komplexen mathematischen Modellen, für deren Berechnung Behrens eine eigene Software entwickelt hat. „Wir verkaufen unser Programm auch an andere Dienstleister aus unserer Branche und ins Ausland“, sagt er. Die Software wird täglich verbessert. Bereits jetzt wurden mobile Apps sowie die Anbindung an Sägestationen implementiert. Zwei weitere große Projekte wie die automatische statische Berechnung, verifiziert durch die numerische Finite-Elemente-Methode (FEM), sollen dieses Jahr abgeschlossen werden. „Die automatische Nachberechnung durch die FEM ist sehr aufwendig und schwierig. Wir arbeiten in unserer Forschung und Entwicklung mit der Westfälischen Hochschule als Kooperationspartner sowie mit unserer Unternehmensberaterin Katja Theunissen zusammen“, sagt der Firmenchef. Vor rund zwei Jahren erhielt die Firma für das Projekt vom Land Nordrhein-Westfalen 10.000 Euro als Innovationsförderung. Zusätzlich floss 2019 ein weiterer Zuschuss aus dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundes.

Der Antrag ging glatt durch. Wohl auch deshalb, weil die Firma von Katja Theunissen, Unternehmensberaterin und Leiterin der Fachgruppe Fördermittelberatung des Bundesverbands „Die KMU-Berater“, unterstützt wurde. Sie kalkulierte gemeinsam mit Behrens das Projekt und erstellte die für den Antrag wichtige Projektskizze – eine kurze Beschreibung des Vorhabens mit den wichtigsten Details zu Zielen, technischen Herausforderungen und Daten zur Marktsituation. „Im hektischen Tagesgeschäft hätten wir sicher nicht die Zeit gehabt, das alles entsprechend den Vorgaben der Förderrichtlinien aufzubereiten“, sagt Behrens.

Zwei Drittel scheuen den Aufwand

Genau hier besteht häufig das Problem. Die meisten Mittelständler wissen durchaus, dass sie bei ihren Forschungsprojekten Geld vom Staat bekommen. Doch verzichten schätzungsweise zwei Drittel der Unternehmer darauf, weil sie die Bürokratie und den recht hohen Aufwand des Förderantrags scheuen. „Überdies bedarf es einiger Erfahrung, das passende Programm für das jeweilige Projekt zu filtern“, sagt Expertin Theunissen. Beispielsweise endet zum Jahreswechsel die aktuelle Richtlinie für das bekannte Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, von dem auch Behrens profitierte. Aktuell laufen Beratungen zum sogenannten Forschungszulagengesetz (FZulG), das 2020 in Kraft treten soll. Vorgesehen sind steuerliche Förderungen von Personalkosten für Forschung und Entwicklung in Form einer Zulage von bis zu 500.000 Euro pro Jahr. Konkret ist vorgesehen, 25 Prozent der Aufwendungen zu fördern. In welcher Form das ZIM dann weitergeführt wird, ist offen.

Nicht leicht für Unternehmer, hier jeweils auf dem aktuellen Stand zu bleiben und den Überblick zu bewahren. Schließlich fördern auch die Länder Innovationen und gewähren Zuschüsse. „Deshalb ist es ratsam, möglicherweise bei mehreren Programmen anzufragen, um die Chancen auszuloten“, rät Theunissen. Das Projekt sollte wirklich innovativ – also neu für den Markt – und mit einem technischen Risiko behaftet sein. „Man muss ahnen können, dass die Realisation des Vorhabens kompliziert wird, und gleichzeitig einen Plan B in der Tasche haben, gegebenenfalls dieses Problem zu lösen“, sagt Theunissen. Dann sieht es für eine Bewilligung gut aus.

Einsatz wird oft belohnt

Die Quoten beim ZIM bewegen sich für Kleinstunternehmen beispielsweise nach der Evaluationsstudie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums bei rund 60 Prozent, jene der mittelgroßen Firmen bei rund 75 Prozent. Bei anderen Programmen sieht es teilweise noch besser aus. „Die Zuschüsse belaufen sich in vielen Fällen auf bis zu 50 Prozent, gelegentlich auch mehr“, sagt Michael Hohmann, Fördermittelexperte und Gesellschafter der Innovationsberatung Dr. Hohmann, Faust & Partner im hessischen Offenbach. In seiner Beratungspraxis stellt er für kleine und mittlere Unternehmen öfter auch einen Antrag im Programm KMU-innovativ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Davon profitiert momentan die Firma Kunath Instrumentenbau in Fulda. Das Unternehmen erhält einen Zuschuss von rund 130.000 Euro für die Entwicklung neuer Materialien zum 3D-Druck von Holzblasinstrumenten. „Wir wollen in der Fertigung nachwachsende Rohstoffe etablieren und unsere Flöten im Gewicht besonders leicht konzipieren“, erklärt Geschäftsführer Joachim Kunath. Der Unternehmer holte sich Berater Hohmann ins Boot, weil „wir ein Handwerksbetrieb mit entsprechenden Kompetenzen sind und mit unseren zehn Mitarbeitern nicht die notwendigen Kapazitäten haben, zeitintensiv Anträge in die von den Behörden gewünschten Strukturen zu bringen.“ Das Bewilligungsverfahren dauerte rund drei Monate. „Die Bearbeitungsdauer der Anträge hängt vom jeweiligen Programm, vom Projekt sowie von der Vorbereitung ab. In der Regel sollten Firmenchefs zwei Monate bis zu einem Jahr avisieren“, sagt Berater Hohmann.

So sind zumeist Fristen zu beachten, innerhalb derer etwa Rückfragen der Zuschussgeber zu beantworten sind. Das kann zum Problem werden. „Förderprojekte werden aus unserer Erfahrung regelmäßig angestoßen und bleiben im hektischen Tagesgeschäft dann liegen“, erklärt Hohmann. Der Berater achtet dann darauf, dass die Firmen am Ball bleiben und treibt das Vorhaben voran. Kunath allerdings handelte proaktiv, „schon weil der Zuschuss uns Forschung ermöglicht, die ansonsten undenkbar gewesen wäre“. 


Vier Möglichkeiten von vielen
 

Innovationsfreudige Unternehmen erhalten aus diversen Töpfen des Bundes und der Länder Zuschüsse – abhängig vom Förderschwerpunkt. Eine Auswahl:

1. Die BMWi-Innovationsgutscheine: Go-Inno deckt einen Anteil der Ausgaben für externe Beratungsleistungen rund um das Forschungsprojekt. Für einen Beratertag sind Ausgaben von bis zu 1.100 Euro je Tagewerk zu 50 Prozent förderfähig. Go-Digital unterstützt KMU und Handwerksbetriebe, die ihre Geschäftsprozesse mit digitalen Lösungen optimieren wollen. Die Förderquote für Beratungen beträgt 50 Prozent.
innovation-beratung-foerderung.de

2. KMU-innovativ: Der Bund unterstützt anspruchsvolle FuE-Projekte von KMU gemeinsam mit Forschungseinrichtungen. Bis zu 60 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten werden übernommen. Das Programm ist in neun Untergruppen wie etwa Materialforschung, Medizintechnik oder Mensch-Technik-Interaktion gegliedert.
foerderinfo.bund.de

3. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM): Der Zuschuss für Mittelständler und Forschungseinrichtungen, die mit ihnen kooperieren, beträgt bis zu 45 Prozent der Kosten, die auf maximal 380.000 Euro begrenzt sind. Diese Förderung zielt in erster Linie auf die Personalkosten ab.
zim.de

4. Weitere Programme des Bundes und der Länder: Jedes Bundesland vergibt eigene Fördermittel an Unternehmen. Im Portal der Förderdatenbank erhalten Firmen für jedes Bundesland sowie für die Programme des Bundes einen Überblick, Ansprechpartner sowie Links zu detaillierten Informationen und Richtlinien.
foerderdatenbank.de


Quelle: Magazin „Creditreform“

Text: Eva Neuthinger



News-Details | Verband der Vereine Creditreform e.V.

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