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Mittelstand: Echte Belebung oder Fata Morgana?

Der Iran-Krieg bremst die leichte Erholung der deutschen Wirtschaft deutlich. Die aktuelle Stimmungslage in den mittelständischen Unternehmen ist aber grundsätzlich positiver als in den Vorjahren. Das zeigt die Frühjahrsstudie der Creditreform Wirtschaftsforschung zur Wirtschaftslage im Mittelstand, für die rund 1.850 kleine und mittlere Unternehmen befragt wurden.

Nach zwei Jahren Rezession und einem Jahr Stagnation kann man durchaus von einer guten Nachricht sprechen: Der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK) für den Mittelstand kehrte jüngst – nach zwei Jahren im Minus – in den positiven Bereich zurück. Mit 5,3 Punkten erreichte er den höchsten Stand seit vier Jahren, nachdem er beispielsweise im Vorjahr nicht über minus 2,9 Punkte hinauskam. Trotz aller aktuellen Herausforderungen zeigt sich im Mittelstand also eine leichte, fragile Belebung, wie sich an den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung „Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2026“, die die Creditreform Wirtschaftsforschung in der zweiten Aprilhälfte vorlegte, ablesen lässt.

Die Betonung liegt jedoch auf „fragil“, denn zunächst einmal bewertete die Mehrzahl der befragten mittelständischen Unternehmen ihre gegenwärtige Lage als schlecht. Der entsprechende Lageindex konnte zwar zulegen, bleibt aber mit minus 3,4 Punkten im negativen Bereich.

Trendwende in Sicht?

Immerhin hellten sich die Geschäftserwartungen überraschend deutlich auf. Der Index hat sich gegenüber dem Vorjahresstand verdoppelt und liegt mit plus 14,3 Punkten etwa auf dem Niveau der Jahre 2021 bis 2023. Das ist angesichts der Energiepreiskrise und der allgemeinen Verunsicherung bemerkenswert. Kündigt sich hier eine Trendwende an?

Die Energiepreiskrise dürfte indes eine noch optimistischere Einschätzung verhindert haben, wobei sich das ganze Ausmaß der Iran-Krise noch nicht absehen lässt. Ob die Einschätzung der Unternehmenslenker so positiv bleibt, hängt stark von der Dauer des Konflikts und den weiteren Folgen ab.

Zudem lässt sich festhalten: Die Erwartungen haben sich auch deshalb verbessert, weil der Mittelstand kurzfristig von steigenden Ausgaben und staatlichen Impulsen profitiert. Das ist allerdings kein nachhaltiges Wachstum, sondern eine konjunkturelle Stütze auf Zeit. Wer nur die Nachfrage ankurbelt, ohne die Standortprobleme zu lösen, erkauft sich Aufschwung mit wachsender Verwundbarkeit. Deshalb muss die Konjunkturwende durch Strukturreformen flankiert werden, damit sie sich verfestigt und kein schuldenfinanziertes Strohfeuer bleibt.

Umsatzerwartungen gestiegen, Investitionsbereitschaft bleibt verhalten

Wirft man einen Blick auf die Details, so fällt bei der jüngsten Mittelstandsanalyse beispielsweise auf: Die Umsätze im Mittelstand entwickelten sich in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres besser als im Vorjahreszeitraum. Über ein Viertel der Befragten berichteten von einem Umsatzplus. Ein Jahr zuvor war es lediglich ein Fünftel. Die Erwartungen fallen sogar noch besser aus: Fast jedes dritte mittelständische Unternehmen rechnet in den kommenden Monaten mit steigenden Umsätzen – gegenüber knapp 28 Prozent im Vorjahr. Die positiven Signale kommen aus allen Bereichen des Mittelstandes.

Ein anderes wichtiges Detail sind die Investitionen. Hier zeigt sich weiterhin eine Verunsicherung. Der Mittelstand bleibt hier, wie diese Untersuchung zeigt, noch sehr zurückhaltend. Derzeit planen 44,7 Prozent der Befragten ein Investitionsvorhaben. Das liegt zwar über dem niedrigen Vorjahreswert von 41,7 Prozent, bleibt aber deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Die Investitionsbereitschaft wird auch von strukturellen Schwächen am Standort Deutschland gebremst.

Ein weiteres Krisenzeichen: Mit Ausnahme des Dienstleistungssektors ist die Beschäftigung im Mittelstand rückläufig. Fast 20 Prozent der von Creditreform befragten Unternehmen meldeten einen Rückgang der Mitarbeiterzahl, während nur 16,2 Prozent von einer Personalaufstockung berichteten. Hier wird klar: Der Aufschwungstrend war in den letzten Monaten noch zu schwach, um wieder mehr Personal einzustellen. Abgesehen davon führt neben der Konjunkturschwäche auch der demografische Wandel im Mittelstand tendenziell zu einem Beschäftigungsabbau.

Insgesamt sind die weiteren Personalplanungen jedoch expansiv – etwas durch saisonale Effekte im Frühjahr. Der Optimismus ist allerdings deutlich gedämpft. 12,8 Prozent der Unternehmen werden ihre Belegschaft im kommenden halben Jahr verkleinern – ein so hoher Wert wurde zuletzt 2009 gemessen. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe dürfte sich der Stellenabbau fortsetzen.

Eine überraschende Entwicklung zeigt die Umfrage bei den Eigenkapitalquoten im Mittelstand: Der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen ist gesunken und immer mehr Betriebe weisen eine hohe Eigenkapitalquote auf. Mittlerweile gelten 36 Prozent der Unternehmen als eigenkapitalstark, verfügen also über eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Das ist der höchste Wert seit drei Jahrzehnten. Gleichzeitig ist der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen mit weniger als zehn Prozent Eigenkapital auf 27,6 Prozent zurückgegangen.

Quelle:
https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/wirtschaftslage-und-finanzierung-im-mittelstand-fruehjahr-2026



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