Creditreform Zahlungsindikator Deutschland - Winter 2025/26
Der Verzug bei der Zahlung von Rechnungen scheint weniger geworden zu sein. Gleichzeitig steigen aber wegen der schlechten Wirtschaftslage die Zahlungsziele, so dass die Außenstandsdauer stagniert. Besonders bemerkenswert: Die Rechnungsvolumen sind geringer ausgefallen. Das lässt auf eine weiterhin schwache Investitionsneigung seitens der Unternehmen schließen.
Weniger überfällige Rechnungen
Im zweiten Halbjahr 2025 konnte der Zahlungsverzug im B2B-Geschäft weiter reduziert werden. Die Verzugsdauer sank auf durchschnittlich 7,50 Tage. 2022 lag die Überfälligkeit noch bei fast elf Tagen. „Durch die Wirtschaftskrise liegt der Fokus von Lieferanten und Kreditgebern ganz klar auf der Optimierung des Forderungsmanagements. Angesichts zunehmender Insolvenzen und einer schwachen Auftragslage versuchen sie, Zahlungsausfälle um jeden Preis zu vermeiden“, so Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Gleichzeitig wurden die Zahlungsziele verlängert, sodass den Kunden mehr Zeit zum Begleichen ihrer Rechnungen eingeräumt wurde. Im zweiten Halbjahr 2025 betrug das durchschnittliche Zahlungsziel 32,13 Tage (plus 0,91 Tage). So großzügig waren die Zahlungsfristen in Deutschland seit mehr als sieben Jahren nicht. Von der Ausweitung der Zahlungsziele profitierten jedoch vor allem große Unternehmenskunden. Kleine und mittlere Firmen kamen meist nicht in den Genuss längerer Zahlungsfristen. Teilweise mussten sie sogar eine Kürzung hinnehmen.
Keine Beschleunigung der Forderungslaufzeiten
Die gesamte Forderungslaufzeit – bestehend aus Zahlungsfrist und Überfälligkeit – betrug im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich 39,63 Tage und blieb damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unverändert. Der Trend aus dem Vorjahr bestätigte sich damit aber grundsätzlich: Die Außenstandsdauer liegt deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Ausschlaggebend dafür war die verkürzte Verzugsdauer.
„Viele Lieferanten warten derzeit sehnsüchtig auf den Zahlungseingang für eine erbrachte Leistung. Das Bestreben der Kreditgeber nach einem schnelleren Zahlungseingang und kürzeren Forderungslaufzeiten ist verständlich. Warenlieferungen und Dienstleistungen müssen im Schnitt 40 Tage und mehr vorfinanziert werden und die eigenen Reserven werden knapper“, betont DRD Business Analyst Jörg Urbscheit.
Eine Beschleunigung gelingt jedoch nicht immer. Rechnungen beispielsweise an das Metall- und Elektrogewerbe oder an Logistik- und Transportfirmen wiesen im zweiten Halbjahr 2025 eine längere Laufzeit auf. Kürzere Zahlungsabläufe wurden hingegen bei Geschäften mit dem Großhandel, dem Baugewerbe und den Unternehmensdienstleistern verzeichnet.

Seltener größere Geschäftstransaktionen
Der durchschnittliche Wert einer verspätet bezahlten Rechnung lag im zweiten Halbjahr 2025 bei 1.838 Euro und erreichte damit den niedrigsten Stand in den letzten zehn Jahren. 2022 waren es noch fast 2.200 Euro. Besonders gefährlich: „Die Wirtschaftskrise hat zu einem signifikanten Investitionsknick geführt. Das Volumen größerer Transaktionen geht zurück, die durchschnittlichen Rechnungsbeträge sinken. Besonders in der Industrie zeigt sich die Zurückhaltung bei Bestellungen deutlich“, warnt Hantzsch. Sinkende Rechnungsbeträge waren in den vergangenen Monaten vor allem bei Geschäften mit der Metall- und Elektrobranche sowie dem Großhandel zu verzeichnen. Auch bei großen Unternehmen (über 250 Beschäftigte) gingen die Transaktionswerte zuletzt deutlich zurück. Im zweiten Halbjahr 2025 lag der Durchschnitt hier nur noch bei 2.843 Euro, im Vorjahreszeitraum waren es noch 3.206 Euro.
Forderungsbestand im Blick behalten
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland stieg 2025 auf den höchsten Stand seit über zehn Jahren. Kreditgeber und Lieferanten agieren daraufhin offenbar vorsichtiger, sodass weniger überfällige Belege gemeldet wurden. Im zweiten Halbjahr 2025 bezahlte jeder Schuldner im Schnitt zehn Rechnungen nach Ablauf der Zahlungsfrist. Im Vorjahreszeitraum waren es noch elf.
„Nach drei Jahren Stagnation drohen Lieferanten und Kreditgebern auch in den kommenden Monaten Zahlungsausfälle. Vor allem die Insolvenzen größerer Firmen haben zuletzt zugenommen. Daher darf die Abhängigkeit von einzelnen Kunden nicht zu groß werden, Stichwort Klumpenrisiko“, warnt Hantzsch.
Für die aktuelle Studie hat die Creditreform Wirtschaftsforschung rund 3,8 Millionen Rechnungsbelege aus dem Creditreform Debitorenregister Deutschland (DRD) ausgewertet.
Datenbasis Creditreform Zahlungsindikator Deutschland:
- Zu rund 1,17 Mio. Unternehmen liegen Zahlungsinformationen im Debitorenregister Deutschland (DRD) vor.
- Das gesamte Belegvolumen beträgt rund 89 Mrd. Euro.
- Monatlich werden aktuell ca. 12,3 Mio. Zahlungsinformationen eingeliefert.
- Die Zahlen zum Zahlungsindikator beruhen auf überfälligen, aber ausgeglichenen Belegen.
Der nächste „Zahlungsindikator Deutschland“ erscheint im August 2026.
Ansprechpartner:
Patrik-Ludwig Hantzsch
Leitung Wirtschaftsforschung
Tel.: 02131/109-172
E-Mail: p.hantzsch@verband.creditreform.de
Jörg Urbscheit
Business Analyst DRD
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