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Die Rentenfalle schnappt zu
Es soll keiner sagen, niemand habe gewarnt. Deutschland schrumpft – und ist auf die Folgen für Arbeit, Altersvorsorge und Wohlstand nicht vorbereitet.

Spätestens seit den 1980er Jahren – der Pillenknick lag da schon fast zwei Jahrzehnte zurück – mahnten Ökonomen vor den wirtschaftlichen Folgen der Überalterung. Beeindruckt hat das die Wenigsten. Abgesehen von den rot-grünen Agenda-Reformen – an denen die SPD schon bald das Interesse verlor –, fiel die politische Antwort nie so entschieden aus, wie es nötig gewesen wäre.
Und plötzlich sind wir mittendrin: Wir werden weniger, zeigt die IW-Bevölkerungsprognose. Um 100.000 Menschen ist Deutschland im vergangenen Jahr geschrumpft. Klammert man das erste Jahr der Pandemie aus, war es der erste Rückgang seit 2010.
Schon seit Jahrzehnten wissen wir: In Deutschland sterben mehr Menschen, als geboren werden. 2025 lag die Lücke bei 350.000. Dass die Bevölkerung trotzdem lange wuchs, lag an der hohen Zuwanderung – getrieben von der EU-Freizügigkeit, aber auch externen Schocks wie dem syrischen Bürgerkrieg und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Noch vor zwei Jahren waren wir selbst deshalb von einem moderaten Wachstum ausgegangen.
Doch die Zuwanderung geht zurück und kann das Geburtendefizit nicht mehr abfedern. Heute leben noch 83,5 Millionen Menschen in Deutschland. Bis 2045 dürfte die Zahl auf rund 81 Millionen sinken. Sinkt die Zuwanderung noch weiter, könnten es im Extremfall weniger als 78 Millionen sein.
Frührente-Anreize streichen
Auf den Arbeitsmarkt und die Rentenkassen kommen daher schwierige Zeiten zu:
- Die Zahl der Erwerbsfähigen sinkt bis 2045 um fast fünf Millionen.
- Die Anzahl der Renten- und Pensionsbezieher steigt zugleich von 17 auf mehr als 20 Millionen.
- Heute finanzieren 100 Erwerbsfähige 31 Rentner, 2045 sind es 40. Das sind 30 Prozent mehr.
Die Antwort darauf ist unbequem, aber keine Raketenwissenschaft – und lange bekannt: Wir müssen in Deutschland mehr und effizienter arbeiten. Ältere müssen länger arbeiten, etwa indem wir Anreize zur Frühverrentung abschaffen. Und statt in Teilzeit müssen mehr Menschen in Vollzeit arbeiten, wo es die Lebensphase zulässt. Dafür braucht es Steuertarife, die den Wechsel attraktiver machen, sowie eine verlässliche Kinderbetreuung. Wenn es daneben gelingt, die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften zu steigern, könnte es uns noch in letzter Sekunde gelingen, das Schlimmste abzuwenden. Dies gilt zumal dann, wenn die privaten Investitionen den Produktivitätspfad der deutschen Volkswirtschaft wieder stärken.
Zur Person
Prof. Dr. Michael Hüther leitet seit 2004 als Direktor und Mitglied des Präsidiums das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Mit seinem Team forscht und veröffentlicht er zu Themen wie dem aktuellen Strukturwandel, Ordnungspolitik, aktuellen und vergangenen Wirtschaftskrisen wie auch zur Regulierung der Kapitalmärkte.
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