Creditreform exklusiv: So geht es den sächsischen Unternehmen 2026

Nach einem stürmischen Jahr sieht der sächsische Mittelstand auch im zweiten Halbjahr keinen Wirtschaftsaufschwung und dämpfte somit die kurze Erholungsphase aus dem vergangenen Jahr. Die Unternehmen leiden vor Allem unter den Folgen der Wirtschaftskrise und verzeichnen rückläufige Entwicklungen bei Umsätzen und Auftragseingängen. Über diese Entwicklung und den aktuellen Geschäftsklimaindex (CGK), spricht Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, in einem Hintergrundgespräch mit Andreas Aumüller, persönlich haftendem Gesellschafter und Thomas Schulz, Prokurist der Creditreform Dresden.

 

Nach aktuellen Umfrageergebnissen der Creditreform Wirtschaftsforschung sinkt der Geschäftsklimaindex für den Mittelstand in diesem Jahr wieder in den negativen Bereich und liegt bei minus 6,8 Punkten. Die rund 200 befragten kleinen und mittelgroßen Unternehmen aus dem Freistaat bewerteten demnach sowohl ihre Umsätze als auch die Auftragseingänge als rückläufig und senken ihre Geschäftserwartungen deutlich im Vergleich zum Vorjahr. Während 2025 noch knapp ein Drittel der Unternehmen steigende Umsätze meldeten, sind es in diesem Jahr nur noch lediglich 16,2 Prozent, gleichzeitig stieg der Anteil der Betriebe mit Umsatzrückgängen von 17,3 aus 25,7 Prozent.

"Der sächsische Mittelstand wirkt nach der langen Krise erschöpft und ernüchtert. Hoffnungen auf eine Besserung haben sich bislang nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Sorgen der Unternehmen haben eher zugenommen", berichtet Andreas Aumüller, Geschäftsführer der Creditreform Dresden. "Die weiterhin schwache Auftragslage macht die Hoffnung auf ein baldiges Anspringen der Mittelstandskonjunktur zunichte. Gleichzeitig belasten steigende Energie- und Rohstoffkosten die sächsische Wirtschaft."

Investitionen brechen ein

Die Umfrageergebnisse zeigen: Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist auf einen historischen Tiefstand gesunken. Lediglich 27,7 Prozent der Unternehmen planen derzeit neue Investitionen. 2025 hatte dieser Anteil noch bei 49,0 Prozent gelegen, im Jahr 2024 bei 36,3 Prozent.

"Gestiegene FInanzierungskosten und die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung bremsen die Investitionsspielräume erheblich", so Aumüller. Zudem seien im Mittelstand bislang kaum Impulse der schuldenfinanzierten Staatsausgaben zu spüren.

Folgen am Arbeitsmarkt

Die anhaltende Krise geht auch am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorbei. Die Folgen zeigen sich deutlich am weiterhin anhaltenden Stellenabbau. Auch um letzten halben Jahr verliert der Mittelstand erneut an Beschäftigung. Nur 7.3 Prozent der Unternehmen haben Personal aufgebaut, während fast jedes vierte Unternehmen eine kleinere Belegschaft aufweist.

Auch die Personalplanungen sind sehr vorsichtig: 82,2 Prozent der Befragten wollen die Mitarbeiterzahl im nächsten halben Jahr konstant halten und nur 8,9 Prozent planen eine Aufstockung.

 

"Der Mittelstand schrumpft, Betriebe müssen schließen und in vielen Firmen sind heute weniger Mitarbeiter beschäftigt als noch vor ein paar Jahren", sagt Aumüller. Dabei spiele der demografische Wandel Wandel zwar eine bedeutende Rolle, allerdings sei der Stellenabbau auch der schlechten Wirtschaftslage geschuldet.

Eigenkapitalquoten unter Druck

Noch sind viele sächsische Unternehmen finanziell stabil. 37,2 Prozent der Befragten verfügen über eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent – das liegt im Bereich der Vorjahreswerte. Allerdings zeigen mehr Unternehmen Anzeichen einer Eigenkapitalschwäche. Bei 31,1 Prozent der Unternehmen liegt die Eigenkapitalquote unter 10 Prozent (Vorjahr: 29,4 Prozent).

„Bei einem Teil des Mittelstandes ist die Eigenkapitalquote zu niedrig. Das macht die Betroffenen anfällig für steigende Zinsen und Verschärfungen der Kreditkonditionen“, warnt Aumüller. Bei Auftrags- und Umsatzrückgängen könne eine hohe Fremdkapitalbelastung schnell zu einer Unternehmenskrise führen.

Sächsische Unternehmer sparen weniger für das Alter

Selbstständige in Sachsen können weniger Geld für ihre Altersvorsorge zurücklegen als im Bundesdurchschnitt. Im Freistaat können nur 22,5 Prozent der selbstständigen Unternehmer mehr als 1.000 Euro im Monat für ihre Altersvorsorge aufwenden. Bundesweit sind es 35,4 Prozent.

Zudem rechnen nur 17,8 Prozent der sächsischen Unternehmer mit Erlösen aus einer späteren Betriebsübergabe – deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt (27,4 Prozent).

„Sachsens Unternehmer haben ein Problem bei der Altersvorsorge. Zum einen reichen die Gewinne oft nicht aus, um größere Sparbeiträge zu leisten und zum anderen ist nur selten mit nennenswerten Erlösen bei der Übergabe bzw. beim Verkauf der Firma zu rechnen“, berichtet Andreas Aumüller. Dabei dürften Defizite bei der Altersvorsorge bereits seit längerer Zeit bestehen und dass die Politik darauf reagieren müsse, sei grundsätzlich richtig.