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Analyse

Zahlungsverhalten der Unternehmen in Sachsen im 2. Quartal 2020

Die Zahlungsmoral verbessert sich, die Solvenz leidet

Die gute Nachricht zuerst: Das Zahlungsverhalten hat sich in Sachsen im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gebessert. Mussten die Unternehmen 2019 noch einen Zahlungsverzug von 9,4 Tagen hinnehmen, reduzierten sich die Überfälligkeitstage 2020 auf 8,3 Tage. Kreditgeber warteten zuletzt also weniger lange auf die Begleichung ihrer Rechnungen. Damit ist die Zahlungsmoral im Freistaat annährend auf dem Niveau wie im sehr guten ersten Quartal 2019 (7,6 Tage), das in der bisherigen Entwicklung einen positiven Tiefststand markierte (bester Wert seit Beginn der Auswertungen 2009). Zwar lag die Zahl der Überfälligkeitstage im Freistaat in den letzten zehn Jahren meistens unter dem deutschen Durchschnittswert (Q2-2020: 9,8 Tage), die jüngste positive Entwicklung ist in Anbetracht der Corona-Pandemie auf den ersten Blick dennoch paradox.

Liquiditätsschwemme verhindert Absturz

Ursächlich dafür sind unter anderem die massiven Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung, wie beispielsweise der erleichterte Zugang zu KfW-Krediten, Zuschüssen für Selbstständige und kleine Gewerbetreibende sowie Steuerstundungen oder Staatsbeteiligungen. Zudem haben zahlreiche Unternehmen zu Beginn der Krise im März ihren Kreditrahmen ausgeschöpft, um über genügend Liquidität zu verfügen. Zwar ist dadurch ein großer Teil der sächsischen Unternehmen in der Lage, Rechnungen fristgerechter zu begleichen, aber die Aufnahme von Fremdkapital führt dabei zu einer Verschlechterung der Bilanzqualität.

Ein Blick auf die Situation offener Forderungen in den einzelnen Branchen zeigt, wie differenziert das Bild hier ist. Während der Einzel- (minus 3,8 Tage) und der Großhandel (minus 1,3 Tage) eine markante Verbesserung aufweisen, zeigen die Konsumgüter eine starke Verschlechterung von zwei Tagen (von 5,5 auf 7,5 Tage). Obwohl einige Branchen wenige Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr zeigen – so die Sektoren Chemie/Kunststoffe, persönliche Dienstleistungen und Grundstoffe –, dürfte sich die Anzahl der Überfälligkeitstage mit der Dauer der Krisensituation in der Wirtschaft in den kommenden Monaten erhöhen.