Polen: Musterland voller Möglichkeiten

Die Wirtschaft in Polen boomt – das verschafft auch Creditreform Wachstumschancen. Aber das Geschäft in dem osteuropäischen Land folgt manchmal anderen Regeln als in Deutschland – schon allein, weil die Beschaffung von relevanten Wirtschaftsinformationen sehr aufwendig ist.

Jacek Koziaczy arbeitet im wirtschaftlichen Musterland Mitteleuropas: in Polen. Wenn Wirtschaftskenner im Westen über das sechstgrößte Land der Europäischen Union sprechen, sind sie sich einig: Es läuft nach wie vor gut. Das Bruttoinlandsprodukt wird nach Schätzung des Finanzministeriums in Warschau in diesem Jahr um 3,4 Prozent steigen. Die Unternehmen investieren kräftig und die gute Beschäftigung sowie Lohnzuwächse steigern die Konsumlaune der Menschen. Koziaczy, seit 2011 Geschäftsführer der Creditreform Landesgesellschaft in Polen, weiß aber auch um Risiken für die polnische Wirtschaft. So belastet die instabile Situation in der Ukraine das wichtige Ostgeschäft und der einst große Lohnkostenvorteil gegenüber Westeuropa ist inzwischen deutlich geschrumpft. Seit 2000 haben sich die Arbeitskosten immerhin verdoppelt. Da überlegt so mancher Unternehmer, ob er arbeitsintensive Fertigungen nicht lieber nach Rumänien, Ungarn oder Bulgarien vergeben sollte.

Ist also der Boom in Gefahr? Koziaczy muss bei dieser Frage nicht lange überlegen: „Polnische Unternehmen sind es gewohnt, mit Schwierigkeiten umzugehen. Wenn im Westen von Krise gesprochen wird, so ist das für uns eher der Normalzustand“, so der 52-Jährige. Deshalb sei auch nicht damit zu rechnen, dass sich die zuletzt positive Entwicklung bei den Insolvenzen rasch wieder umkehrt. 2014 waren in Polen erstmals seit langem deutlich weniger Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ganz anders war die Situation in anderen steuropäischen Ländern. In Ungarn und der Ukraine beispielsweise. Oder auch in Slowenien.

Die Besonderheiten der polnischen Wirtschaft

Wenn die Wirtschaft brummt, so kann das doch nur gut sein für einen Informationsdienstleister wie Creditreform, oder? „Grundsätzlich ja“, sagt Koziaczy, „wenn da nicht die Besonderheiten der polnischen Wirtschaft wären.“ Da wäre zum einen, dass das Land erst gut 20 Jahre Erfahrung mit einer Marktwirtschaft hat. Die Folge ist, dass viele Unternehmen ihr Risikomanagement noch vernachlässigen. Sie unterschätzen, wie viele Gefahren gerade bei grenzüberschreitenden Geschäften mit möglicherweise bisher unbekannten Kunden oder Lieferanten lauern. Und sie wissen oft nicht, wie einfach es ist, relevante Informationen über Geschäftspartner zu beschaffen – beispielsweise über eine Wirtschaftsauskunftei. „Das ist der nterschied zu Deutschland, wo jeder Unternehmer weiß, dass es Creditreform gibt“, stellt Koziaczy fest.

Die Folge: Der Geschäftsführer und seine knapp 50 Mitarbeiter müssen viel Basisarbeit leisten, sich bekannt machen, ihre Produkte vorstellen und für ihre Dienste (wozu auch Inkassotätigkeiten gehören) werben. Dies nicht so sehr bei den vielen großen internationalen Konzernen, die in Polen Ableger unterhalten – die kennen Creditreform aus ihren Heimatländern. Sehr wohl aber bei den vielen Tausend kleinen und mittelständischen einheimischen Unternehmen, die unehmend auch grenzüberschreitende Geschäfte tätigen. Das ist mühsam.

Wie umkämpft der Markt ist, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Gleichwohl besitzt der Markt aber auch ein großes Potenzial für Anbieter von Wirtschaftsinformationen. Koziaczy und sein Team wollen das nutzen: „Wir haben eine Story: Wir sind der Partner, mit dem Unternehmen ihr Risiko verkleinern können. Diese Botschaft müssen wir verbreiten“, betont er. Seit gut 20 Jahren ist Creditreform in Polen tätig. Das Unternehmen zählt zu den Gründungsmitgliedern der Ausländischen Handelskammer in Warschau. Aber die starke polnische Wirtschaft zieht auch andere Auskunfteien an. Viele internationale Mitbewerber haben Büros vor Ort. Die drei Topanbieter für Wirtschaftsauskünfte – darunter Creditreform – besetzen etwa 75 Prozent des Marktes. Der Konkurrenzkampf ist entsprechend stark. Ausgetragen wird er meist über den Preis. „Für die Kunden ist das schön. Aber als Creditreform müssen wir immer häufiger erläutern, warum bestimmte Produkte einen bestimmten Preis haben müssen“, betont Koziaczy.

„Der Markt für verkürzte Auskünfte muss erst wachsen.“ Jacek Koziaczy, Creditreform Polen

Die Beschaffung von relevanten Wirtschaftsinformationen ist in Polen ein aufwendiges Geschäft. Öffentlich zugängliche Datenbanken lassen sich nicht – wie in manch anderem Land – mit ein paar Klicks online abfragen. Gefragt ist deshalb Recherche vor Ort. „Die Unternehmen hinterlegen ihre Bilanzen in Papierform bei den 22 Registergerichten im Land. Das heißt für uns, jeden Tag einen Mitarbeiter rauszuschicken, um Unterlagen zu sichten“, erläutert der Creditreform-Geschäftsführer. Das bringt es mit sich, dass wir manche gewünschten Informationen nicht so rasch bereitstellen können wie in anderen Ländern.“ Aber im Vergleich zu vielen Mitbewerbern, so betont Koziaczy, arbeite seine Gesellschaft immer noch schnell: „Geschwindigkeit, Flexibilität und Detailgenauigkeit sind unsere Trümpfe.“ Zu den Besonderheiten des Geschäfts gehört auch, dass dort keine Auskünfte über Privatpersonen, sondern nur über Unternehmen erteilt werden.

Das Leistungsangebot von Creditreform Polen gleicht ansonsten dem in Deutschland: Es gibt neben Marketingservices, bei denen Adressen nach individuellen Vorgaben wie zum Beispiel Umsatzgröße oder Mitarbeiterzahl selektiert werden, und Inkassodienstleistungen vor allem Wirtschaftsauskünfte unterschiedlichsten Zuschnitts: Kurz- und Kompaktauskünfte, die sich vor allem für diejenigen eignen, die Geschäfte mit einem für sie kleinen oder mittleren Risiko absichern wollen. Und umfassendere Auskünfte wie die Wirtschaftsauskunft International, die neben detaillierten Unternehmensinformationen den speziell für das Kredit- und Forderungsmanagement entwickelten dreistelligen Creditreform-Bonitätsindex enthält.

Vollauskünfte stark nachgefragt
Das ist das richtige Produkt vor allem für Unternehmen, die bei größeren Geschäften mit hohem Risiko Sicherheit suchen. Solche „Vollauskünfte“ gehören zu den meistgefragten Produkten von Creditreform Polen. „Der Markt für verkürzte Auskünfte muss erst wachsen“, erläutert Koziaczy. Der 52-jährige IT-Spezialist arbeitet seit 2005 für Creditreform. Zuvor ist er für SAP Polen und andere, insbesondere US-amerikanische IT-Unternehmen tätig gewesen. Dank seiner Expertise besitzt Creditreform Polen heute eine äußerst leistungsfähige Informationstechnik. Gerade das sei von hohem Wert, sagt Koziaczy. Informationen und Daten gibt es viele. Die Herausforderung ist, sie zu verknüpfen und zu analysieren. Erst so gewinnen sie an Wert.“

Text: Stefan Weber

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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