Schmale Renten drohen - wie sorgen Handwerker vor?

Die Bekämpfung der Altersarmut steht ganz oben auf der Tagesordnung, wenn es um die Bildung einer neuen Regierung geht. Konsens besteht darüber, dass nicht nur viele Alleinerziehende oder Arbeitslose mit geringen Renten konfrontiert werden, sondern auch Selbstständige, die nicht vorgesorgt haben. Das Gründungsgeschehen verzeichnet eine steigende Zahl von Solo-Selbstständigen, die Mühe haben, von ihrer Tätigkeit zu leben und nicht an ihre Alterssicherung denken. Diese Befürchtungen stehen auch für das Handwerk im Raum.

Zwar gibt es für selbstständige Handwerksmeister seit langem eine zumindest 18-jährige Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV), dennoch sei eine steigende Zahl an Selbstständigen auch im Handwerk in Deutschland von Altersarmut bedroht. Ein Grund hierfür ist auch in der Liberalisierung der Handwerksordnung (HwO) 2004 zu sehen, die zu einem deutlichen Anstieg von Existenzgründern im zulassungsfreien Handwerk führte. Diese unterliegen bisher keiner Versicherungspflicht. Daher befürworten auch Handwerksorganisationen wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eine Pflichtversicherung für alle selbstständigen Handwerker, allerdings mit einem Wahlrecht, welche Form der Absicherung gewählt wird. Auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Deutschland rückt das Thema Alterssicherung im Handwerk zunehmend auf die Tagesordnung.

Wie sorgen Handwerksunternehmer für ihr Alter vor? Wie viel wird monatlich zurückgelegt? Und wie werden die Vorschläge der Bundesregierung bewertet? Die Creditreform Wirtschaftsforschung hat eine repräsentative Befragung Anfang des Jahres durchgeführt, die diese Fragen beantworten hilft.

Klassische Lebensversicherung

Die Antworten zeigen, dass nur eine Minderheit der deutschen Handwerksunternehmer Einzahlungen in die gesetzliche Alterssicherung vornimmt (28,9 Prozent der Befragten). Offenbar verabschieden sich viele Handwerker nach Ablauf der Pflichtphase aus der GRV und zahlen nicht mehr freiwillig weiter. Hinzu kommt, dass die zahlreichen neuen Existenzen in den zulassungsfreien Handwerken von Anfang an keiner Rentenversicherungspflicht unterliegen. Zur Absicherung im Alter wählen selbstständige Handwerker in der Regel eine private Altersvorsorge in Form einer klassischen Kapitallebensversicherung oder als Fonds (71,8 Prozent der Befragten). Angenommen wird im Handwerk auch die Riester- oder Rürup-Rente, in die knapp ein Drittel der Befragten (31,3 Prozent) Einzahlungen vornimmt.

38,6 Prozent der befragten Handwerker wollen durch den Erwerb einer Immobilie für das Alter ansparen und jeder Vierte (24,9 Prozent) plant die Erlöse aus dem Verkauf seines Betriebs für die Altersvorsorge zu verwenden. Nur in wenigen Fällen wird zusätzlich in das Versorgungswerk des Handwerks eingezahlt (9,7 Prozent) – Mehrfachnennungen waren hierbei möglich. Erfreulich: Kaum jemand im Handwerk tut überhaupt nichts zur eigenen Altersabsicherung. Zudem war ein Großteil der heute selbstständigen Handwerker einst (zeitweise) sozialversicherungspflichtig beschäftigt, so dass hierdurch möglicherweise weitere Rentenzahlungen, z. B. aus der GRV oder einer Betriebsrente, hinzukommen.

Wie viel Geld ist möglich und nötig?

Eine breite Streuung der Antworten gibt es im Hinblick auf die monatlich zurückgelegten Geldbeträge. So gibt jeder vierte Befragte (25,0 Prozent) immerhin zwischen 250 und 500 Euro jeden Monat für seine Altersvorsorge aus, 15,4 Prozent der Befragten sogar mehr als 1.000 Euro. Abhängig vom Alter des Befragten zeigt sich, dass jüngere Personen weniger finanziellen Spielraum für ihre Alterssicherung haben. Sechs von zehn Befragten (61,1 Prozent der unter 30-Jährigen und 59,3 Prozent der 30 bis 39-Jährigen) legen weniger als 500 Euro im Monat zurück. Zudem erhöhen sich die monatlichen Aufwendungen zur eigenen Absicherung im Alter je größer das Unternehmen ist.

Und wie bewerten die Handwerker die Pläne der Bundesregierung, eine Versicherungspflicht für alle Selbstständigen einzuführen? In der Mehrzahl befürworten die Befragten eine obligatorische Altersvorsorge (68,0 Prozent der Nennungen). Allerdings ist ein Teil der Befragten nur einverstanden, wenn die besagte Pflicht nur für solche Handwerker gilt, die bisher noch nicht vorsorgen. Gut jeder Sechste (17,1 Prozent) lehnt die Pflichtversicherung gänzlich ab. Dabei stehen jüngere Personen einer generellen Vorsorgepflicht tendenziell ablehnender gegenüber als ältere. 13,3 Prozent der Befragten hatten keine Meinung zu den Plänen der Bundesregierung.

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