Unternehmensinsolvenzen 2016: Kleinstunternehmen markieren Trend

Der zunehmende Anteil von Kleinstinsolvenzen am deutschen Insolvenzgeschehen erfordert eine detaillierte Analyse dieses Segments. Die Relevanz einer genaueren Betrachtung zeigt sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund der existierenden Unternehmenszahl: Das Gros des Unternehmensbestandes in Deutschland biilden Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten (91 Prozent lt. Unternehmensregister). Die Creditreform Wirtschaftsforschung hat nun im Zuge ihrer halbjährlichen Analyse des Gesamtinsolvenzgeschehens einmal diese wichtige Gruppe untersucht.

Dabei wurde sich auf Kleinstunternehmen beschränkt, bei denen der Inhaber vollumfänglich mit seinem Privatvermögen für die Belange der Firma haftet. In der Regel sind das Rechtsformen, wie beispielsweise Einzelunternehmen oder auch freie Berufe; gerade diese Unternehmen sind oftmals klein und beschäftigen keine oder nur wenige Personen. 

Die enge Verknüpfung von Privatperson und Unternehmer bzw. Unternehmen ist vor dem Hintergrund einer Insolvenzanalyse auch deshalb bedeutsam, weil im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften wie GmbH oder UG eine Begrenzung der Haftung nicht erfolgt. Im Falle einer Insolvenz sind somit betriebliches und privates Vermögen des Inhabers betroffen. So kann aus der gescheiterten unternehmerischen Tätigkeit schnell auch eine Privatinsolvenz des vollhaftenden Gesellschafters folgen. Dabei zeigt in diesem Segment eine mittlerweile hohe Fallzahl. Im Jahr 2015 wurden gut 20.000 Insolvenzen von ehemals selbstständigen Personen gezählt. Das waren 16,1 Prozent aller Insolvenzverfahren; zum Vergleich: 2010 betrug dieser Anteil 13,7 Prozent. Das Gros wurde hierbei als Regelinsolvenz abgewickelt, da die Vermögensverhältnisse nicht überschaubar waren. Nicht unerheblich sind entsprechend die offen gebliebenen Forderungen der Gläubiger: Laut amtlicher Statistik lagen diese im vergangenen Jahr bei rd. 3,8 Mrd. Euro und damit beinahe ebenso hoch wie bei den gesamten Verbraucherinsolvenzen, die jedoch eine weitaus größere Fallzahl darstellen.

Es gilt im Folgenden, die besonderen Merkmale dieser Kleinstunternehmen mit vollhaftenden Gesellschaftern in Deutschland herauszuarbeiten. Dabei werden Unternehmen verglichen, die in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres in die Insolvenz gehen mussten mit denen, die in dieser Zeit ohne Insolvenzantrag – also wirtschaftsaktiv – blieben. Datenbasis ist die Creditreform Wirtschaftsdatenbank, aus dem eine repräsentative Stichprobe gezogen wurde. Als Kleinstunternehmen gelten gemäß KMU-Definition der Europäischen Kommission Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern.

Zunächst zeigt sich, dass die überwiegende Mehrzahl der Pleite-Kleinstunternehmen (98,4 Prozent) einen Alleineigentümer hatte. Dieser Anteil ist bei wirtschaftsaktiven Gesellschaften, wo 90,0 Prozent einen einzigen vollhaftenden Inhaber aufweisen, geringer. 

Im Hinblick auf die sozio-demografischen Merkmale der Inhaber lässt sich festhalten: In die Pleite geführt werden Kleinstunternehmen, bei denen die Rechtsform keine Haftungsbeschränkung zulässt, mehrheitlich von Männern (76,8 Prozent). Dabei ist der Männeranteil der Inhaber auch bei den wirtschaftsaktiven Unternehmen dieser Größengruppe mit 75,4 Prozent sehr hoch. Eine signifikant höhere Insolvenzbetroffenheit von Unternehmen unter männlicher Führung ist also kaum festzustellen, obwohl Männern gemeinhin eine höhere Risikoneigung nachgesagt wird.

Deutlicher sind die Unterschiede in Bezug auf das Alter des vollhaftenden Inhabers, der bei den Insolvenzfällen deutlich jünger ist. Das Durchschnittsalter beträgt hier 47 Jahre. Gut ein Viertel der Inhaber (26,6 Prozent) war jünger als 40 Jahre und jeder siebte (13,8 Prozent) 60 Jahre und älter. Inhaber von wirtschaftsaktiven Kleinstunternehmen sind dagegen mit durchschnittlich 52 Jahren älter. Zudem haben sich die Prozentanteile der jungen Inhaber (unter 40 Jahre) und die der älteren Inhaber (ab 60 Jahre) faktisch umgekehrt. Gut jeder Vierte (26,3 Prozent) ist mindestens 60 Jahre alt und lediglich jeder siebte (14,3 Prozent) jünger als 40 Jahre. Die Insolvenzbetroffenheit ist somit bei Unternehmen mit jüngeren Inhabern erheblich höher als bei Unternehmen mit älteren Inhabern (vgl. Abb.). Dieser Befund deckt sich mit den Insolvenzquoten nach Firmenalter, da jüngere Unternehmen in der Regel auch jüngere Inhaber haben.

Altersstruktur der Inhaber von Kleinstunternehmen

Außerdem sind insolvente Kleinstunternehmen im Durchschnitt nochmals kleiner als aktive Unternehmen dieser Größenklasse. Der Anteil der Ein-Personen-Unternehmen liegt bei 65,0 Prozent gegenüber 57,0 Prozent bei den stabilen Betrieben. Zudem findet sich in den Insolvenzfällen ein höherer Anteil des Baugewerbes (16,5 Prozent gegenüber 13,6 Prozent) und des Dienstleistungsgewerbes (55,2 Prozent gegenüber 52,6 Prozent), während das Verarbeitende Gewerbe lediglich halb so stark vertreten ist wie in den aktiven Unternehmen dieser Größenklasse.

Anteile in Prozent (Ausnahme: Alter und Mitarbeiterzahl); bis max. 9 Mitarbeiter; Insolvenzen: 1. Halbjahr 2016

Als Fazit lässt sich festhalten: Vollhaftende Gesellschafter von Kleinstunternehmen (in Deutschland in den Rechtsformen der Personengesellschaft oder auch der freien Berufe) sind bei Insolvenz des Unternehmens deutlich jünger und anteilsmäßig männlicher als die Inhaber wirtschaftsaktiver Unternehmen der gleichen Größen- und Rechtsformklasse. So dürfte die höhere Risikopräferenz von jüngeren Menschen auch das Risiko für eine Insolvenz des Unternehmens erhöhen. Im Falle einer Vollhaftung besteht hierbei stets auch das Risiko einer Privatinsolvenz des Firmeninhabers. Zudem sind die Kleinstunternehmen bei einer Insolvenz nochmals kleiner mit einem höheren Anteil an Ein-Personen-Unternehmen. 

Gleichwohl handelt es sich bei der Untersuchungsgruppe nicht ausschließlich um Existenzen am Rande des Scheiterns. Kleinstunternehmen in Deutschland sind sehr vielschichtig. Es bleibt aber festzuhalten, dass die wirtschaftlichen Risiken bei einer engen Verknüpfung von Unternehmen und privater Haftung hoch sind und eine gute Vorbereitung auf die Selbständigkeit zu empfehlen ist. Entsprechend zeigen sich Gründungen mit einem höheren Qualifikationsniveau, wie beispielsweise einen Meisterbrief, stabiler.

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