Rezession? Wirtschaftslage im Blick

Die Folgen des Ukraine-Kriegs und die Inflation belasten die deutsche Konjunktur. Ökonomen erwarten daher ein Schrumpfen der Wirtschaft. Wie Sie Ihr Unternehmen auf eine Rezession vorbereiten.

Konjunktur: Nach dem Aufschwung folgt der Abschwung

Nach dem Aufschwung folgt der Abschwung –  so entstehen die typischen Konjunkturschwankungen einer Wirtschaft. Mit der überwundenen Wirtschafskrise in den Jahren 2008/2009 erlebte Deutschland seit 2010 eine Aufschwungphase. Seit der Corona-Krise schwächelt die Wirtschaft und viele Ökonomen erwarten nun ein Abwärtstrend. Steht der deutschen Wirtschaft also die nächste Rezession bevor? Und wenn ja, wie tief wird sie sein und wie lange wird sie gehen? 

Da sich solche Entwicklungen nicht so einfach prognostizieren lassen, ist es wichtig, zu wissen, wie Sie Ihr Unternehmen auf konjunkturzyklische Veränderungen vorbereiten und mögliche Auswirkungen abmildern. Lesen Sie, welche aktuellen Anzeichen für eine Rezession sprechen und betrachten Sie die Rezession aus Unternehmersicht.

Wann spricht man von einer Rezession?

Die gesamtwirtschaftliche Lage unterliegt Schwankungen, die sich in vier Konjunkturphasen darstellen lassen. Diese lauten:

  1. Aufschwungphase (Expansion)
  2. Hochkonjunktur (Boom)
  3. Abschwungphase (Rezession)
  4. Tiefphase (Depression)


Sobald eine Wirtschaft diese vier Phasen nacheinander durchlaufen hat, ist ein Konjunkturzyklus abgeschlossen. Seit 1950 zählen wir sieben Konjunkturzyklen. Die einzelnen Phasen zeigen den Auslastungsgrad eines Produktionspotenzials einer Volkswirtshaft an und werden am Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Bei einer Rezession handelt es sich daher um die Phase des abgeschwächten Wirtschaftswachstums oder eines schrumpfenden Bruttoinlandsprodukts.

Wenn die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorquartalen nicht wächst oder ein Rückgang zu verzeichnen ist, spricht man von einer Rezession.

Rückgang des Bruttoinlandsproduktes wird erwartet

Erstmals seit 2010 sank das BIP (saison- und kalenderbereinigt) im ersten Quartal 2021 um 1,5 Prozent. In den darauffolgenden Quartalen stieg das BIP wieder. Im dritten Quartal 2022 stieg das BIP gegenüber dem Vorquartal noch um 0,4 Prozent. Und doch erwarten Ökonomen ein sinkendes BIP für die beiden Quartale Q4 2022 und Q1 2023 – was eine Rezession bedeuten würde. Das Prognosemodell des Nowcast schätzt sowohl für das vierte Quartal 2022 als auch für das erste Quartal 2023 einen saison- und kalenderbereinigten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorquartal von 0,5 Prozent bzw. 0,6 Prozent.

Der Nowcast liefert eine täglich aktualisierte, rein technische, zeitreihenanalytische Prognose der Wirtschaftsleistung unabhängig von der Einschätzung der Bundesregierung und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Die tatsächlichen Ergebnisse zur wirtschaftlichen Entwicklung werden vom Statistischen Bundesamt Ende Januar (für das vierte Quartal 2022) und Ende April 2023 (für das erste Quartal 2023) veröffentlicht.

Weitere Unsicherheitsfaktoren

Unsicherheitsfaktoren der globalen Wirtschaft wie die Inflation, die hohen Energiepreise oder der Krieg in der Ukraine führen dazu, dass Unternehmen vorsichtiger sind und weniger investieren, was sich somit auf die deutsche Wirtschaft auswirkt. 
Ende April werden wir wissen, wo sich die gesamtwirtschaftliche Lage befindet – doch auch wenn sich die Wirtschaft erneut erholt, wird die nächste Rezession kommen. Gerade deshalb sollten Sie als Unternehmer auf konjunkturelle Schwankungen vorbereitet sein.

Wie wirkt sich eine Rezession auf Ihr Unternehmen aus?

  • Sie stellen einen Nachfragerückgang fest.
  • Es kommt zu einem Auftragsrückgang.
  • Ihr Lager füllt sich.
  • Die Mitarbeiterauslastung geht zurück.
  • Ihre Produktion erfährt einen Auslastungsrückgang.
  • Sie sind vorsichtiger, was Investitionen betrifft.


Ein Auftragsrückgang kann gerade kleine und mittlere Unternehmen schnell in finanzielle Schwierigkeiten bringen. 2018 ist die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen in Deutschland auf 19.410 gesunken. Einen Wert unter 20.000 Insolvenzen gab es zuletzt 1994. 2021 waren es nur noch 14.130 Insolvenzen. Eine Rezession könnte dazu führen, dass die Zahl zahlungsunfähiger Unternehmen wieder steigen wird.

Für das Jahr 2022 hat Creditreform hochgerechnet 14.700 Unternehmensinsolvenzen ermittelt, was einem Anstieg von 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Welche Maßnahmen helfen in einer Rezession?

1. Fixkosten senken

Fixe Kosten sind Ausgaben, die unabhängig von der Auslastung der Fertigung und dem Beschäftigungsgrad anfallen. Auch wenn Sie weniger Umsatz erzielen, müssen Sie dafür Sorge tragen, dass diese Kosten gedeckt werden. Zu den typischen Fixkosten gehören:

  • Löhne und Gehälter 
  • Mieten für die Geschäfts- und Produktionsräumlichkeiten
  • Versicherungen
  • Zinsen für die Finanzierung von Maschinen
  • Abschreibungen von Anlagegütern
  • Instandhaltung und Reparaturen
  • Dienstleistungen wie Reinigung, IT-Betreuung, Steuerberatung, Werbung


Der Gewinn oder Verlust wird errechnet, indem die variablen und fixen Kosten von den Umsatzerlösen abgezogen werden. Ihr Ziel sollte es daher sein, variable Kosten zu reduzieren und fixe Kosten auf ein Minimum zu beschränken. Dies erreichen Sie, indem Sie Ihren Produktionsprozess optimieren und die Marge konstant halten.
 

2. Kurzarbeit anmelden

Der Arbeitsmarkt reagiert verzögert auf eine Rezession, da Unternehmen versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Gerade in der heutigen Zeit des Fachkräftemangels wollen Sie Ihre Mitarbeiter und das damit zusammenhängende Know-how möglichst nicht verlieren. Denn wenn die Wirtschaft erst einmal wieder in Aufschwung gerät, finden sich gute Mitarbeiter nicht so leicht. 
Je nach Dauer und tiefe der Rezession kann es sein, dass der Auslastungsgrad Ihrer Mitarbeiter aufgrund des Auftragsrückgangs stark zurückgeht. Kurzarbeit bezeichnet die vorrübergehende Verringerung der regelmäßigen Arbeitszeit aufgrund erheblichen Arbeitsausfalls. Durch diese Maßnahme vermeiden Sie Kündigungen und Ihre Mitarbeiter behalten gleichzeitig ihre Arbeitsstelle. Ob Sie Kurzarbeit einführen dürfen und wie sich dadurch der Anspruch auf Arbeitsentgelt verändert, richtet sich nach arbeitsrechtlichen Bestimmungen.  
 

3. Mitarbeiter entlassen

Wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen und entlohnen können, bleibt Ihnen keine andere Möglichkeit, als die betriebsbedingte Kündigung auszusprechen. Je nachdem, wie Ihre finanzielle Lage aussieht, können Sie Ihren Geschäftsbetrieb auf ein Minimum reduziert fortlaufen lassen und auf einen konjunkturellen Aufschwung hoffen.

Mit welchen vorbeugenden Maßnahmen können Sie sich vor den Auswirkungen einer Rezession schützen?

Aufschwungphasen sind gute Zeiten: Es gibt genügend Nachfrage, Ihre Mitarbeiter sind ausgelastet, Sie stellen mehr Mitarbeiter ein und können gute Gehälter anbieten. Gerade in diesen Zeiten müssen Sie im Hinterkopf behalten, dass Ihre Geschäfte wieder schlechter laufen können. Dabei ist Vorbereitung ein wichtiges Stichwort, genauso wie das regelmäßige Prüfen der wirtschaftlichen Lage.

1. Polster an liquiden Mitteln aufbauen

Indem Sie in wirtschaftlich guten Zeiten ein ausreichendes Polster an Vermögen ansammeln, schaffen Sie einen finanziellen Spielraum für schwierige Zeiten. Wenn Aufträge und damit auch Umsätze zurückgehen, müssen die Fixkosten weiterhin gedeckt werden. Damit Sie zahlungsfähig bleiben, sollte Ihr angesammeltes Vermögen möglichst aus liquiden Mitteln bestehen.


2. Konjunkturschwankungen im Blick halten

Unternehmer sollten die wirtschaftliche Lage stets im Blick halten. Auch wenn Ihre Auftragsbücher aktuell voll sind, kann sich dies in ein paar Monaten bereits ändern. Meist schwächeln einzelne Marktsegmente zuerst und bewirken eine Ausbreitung auf andere Bereiche. Wenn Sie frühzeitig informiert sind, werden Sie nicht von einer Rezession überrascht und können Investitionen besser planen.


3. Strategisch planen

Bei der strategischen Planung geht es vor allem darum, dass Sie Ihr Kerngeschäft genau kennen. So gibt es sicherlich Bereiche, bei denen Einschnitte verkraftbar sind, um den Fokus voll auf Ihr Kerngeschäft zu legen. In Ihrer Jahresplanung sollten Sie Konjunkturschwankungen berücksichtigen.


4. Bonität prüfen

Empfehenswert ist der Abruf einer Bonitätsauskunft vor Geschäftsabschluss. Damit können Sie die finanzielle Lage Ihrer Geschäftspartner besser einschätzen. Weist ein Geschäftspartner eine schlechte Bonität auf, können Sie entscheiden, ob Sie von dem Geschäft absehen oder die Zahlungsart ändern. Dabei sollten Sie bedenken, dass jeder Zahlungsausfall Ihre Liquidität verschlechtert und sich diese wiederum auf Ihre Bonität auswirkt.
 

5. Transparenz schaffen

Vor allem in unsicheren Zeiten hilft am ehesten Transparenz. Das gilt insbesondere in Bezug auf die eigene Finanzsituation. Wer eine gute Bonität aufweist, sollte diese auch zeigen. Wenn Ihr Unternehmen eine hervorragende Bonität aufweist, dann lassen Sie sich diese auszeichnen und gehören Sie damit zu den besten 2.000 Unternehmen Deutschlands. Mit dem CrefoZert erhalten ein werbewirksames Zertifikat, das Sie in Ihrer Kommunikation mit Geschäftspartnern verwenden können – egal ob auf der Website, auf dem Rechnungsbogen oder auf Veranstaltungen. Eine ausgezeichnete Bonität weckt schließlich Vertrauen und ist die Basis für gute Geschäfte. Zudem bringt sie Ihnen gute Konditionen bei Kreditgebern.

Deutschland vor der Rezession: Wie KMU sich darauf vorbereiten

Energiekrise, Inflation und sehr wahrscheinlich Rezession. Wirtschaft und Gesellschaft stellen sich auf schwierige Zeiten ein. Die Geschäftserwartungen im Mittelstand sind historisch schlecht. Liquidität und Zahlungsmoral bröckeln bereits. In unserer Podcast-Folge erörtert Patrik-Ludwig Hantzsch (Leiter Creditreform Wirtschaftsforschung) im Gespräch mit Jana Samsonova (Handelsblatt Media Group), wie sich die Geschäftslage im Mittelstand aktuell entwickelt, welche Prognosen sich daraus ableiten lassen und wie Unternehmen damit bestmöglich umgehen.


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